Katholische Schulen fördern die Menschenwürde
Tagung von katholischen Schulerhaltern und Direktoren in Salzburg - Sr. Mayrhofer: Christliche Erziehung ist auch "Kampf gegen Egoismus"
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Wien, 19.01.2012 (KAP) "Die Partitur des Evangeliums darf, kann und muss in der Schule zum Klingen gebracht werden." Mit diesen Worten hat Sr. Beatrix Mayrhofer, Provinzoberin der "Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau", die Bedeutung von Ordensschulen sowie katholischen Schulen im Allgemeinen betont. Diese Schulen seien nach wie vor wichtig für die Menschen: "Echte christliche Bildung zielt immer auch auf Gesellschaftsveränderung ab, stellt Machtstrukturen in Frage und befähigt zum Aufbau einer menschenwürdigen Gesellschaft", erklärte die Ordensfrau bei einer Tagung von katholischen Schulerhaltern und Direktoren in Salzburg.
Dies bedeute heutzutage auch einen "Kampf gegen Egoismus": "Erfolg definiert sich in unserer Gesellschaft als Sieg im Wettbewerb. Die katholische Schule will aber junge Menschen befähigen, ihre Gaben einzusetzen, um die Erde menschenwürdig zu gestalten", sagte Sr. Mayrhofer.
Bildung sei ein Hinführen des Menschen zu seiner Bestimmung als Geschöpf und Abbild Gottes. Manchmal scheine es "die Überlebensfrage der Erziehung" zu sein, "ob wir es schaffen, junge Leute dahin zu führen, dass sie ihr Kraftpotenzial nicht in den Aggressionen verkommen lassen, sondern nützen lernen für den Aufbau einer friedlichen Welt".
Weniger Berufungen: Schulen im Wandel
Angesichts einer sinkenden Zahl von Ordens- und Priesterberufungen sowie auch Veränderungen in der Gesellschaft befänden sich die Schulen im Wandel. Sr. Mayrhofer ging hier speziell auf Ordensschulen ein. Klöster seien über Jahrhunderte hinweg nicht nur Zentren des Gebets, sondern auch Zentren der Bildung gewesen, und "die Notwendigkeit und Bedeutung einer Schule war allen Mitgliedern der Ordensgemeinschaft eine Selbstverständlichkeit". Heute müsse man sich nun den neuen Herausforderungen stellen.
"Die meisten der Orden und Kongregationen mit langen Traditionen und besonderen Charismen haben die Agenden eines Schulerhalters an einen Verein oder ein Institut übertragen", berichtete Sr. Mayrhofer. "Die Frage nach dem Schulprofil stellt sich in jedem Fall." Lag früher die Verantwortung einer katholischen Schule auf den Schultern des Abtes und teilweise des Direktors, ruhe sie heute aufgeteilt auf vielen Schultern, angefangen vom Schulleiter bis hin zum Laien.
Solange Ordensleute noch "im Haus sind und gute Angebote machen, auch wenn sie nicht mehr unterrichten", sei es noch einfach, die "Grundmelodie" des Bildungsauftrags einer Ordensschule zu erlernen. Ist dies nicht mehr der Fall, scheine für viele "eine Quelle zu versiegen, der Schulbetrieb über einer austrocknenden Zisterne gebaut sein", sagte die Ordensfrau.
Zusammen christliche Botschaft erstrahlen lassen
Sr. Mayrhofer: "Wenn Schulerhalter, Geschäftsführer, Direktor und Lehrerkollegium im Einklang sind, dann kann die Schönheit der christlichen Botschaft im pädagogischen Kontext ausstrahlen. Wenn in einem Haus der Geist des Ordensgründers gepflegt wird, dann kann das Charisma eine Schule prägen bis ins kleine Detail." Dazu müssten z. B. aber auch Absichten und Ziele untereinander abgestimmt werden, die Kommunikation stimmen und Kompetenzen klar verteilt sein.
Die Tagung der Schulerhalter und Direktoren katholischer Allgemeinbildender Höherer Schulen (AHS) und Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip) hatte vom 16. bis 18. Jänner in Salzburg stattgefunden. Veranstalter des Treffens unter dem Motto "AHS - Quo vadis? Geht der Schule die 'Person' verloren?" waren die Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, die Vereinigung der Frauenorden, die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems und das Interdiözesane Amt für Unterricht und Erziehung.
Initiative "lebens.werte.schule"
Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien, Martin Jäggle, präsentierte im Zuge der Tagung die Initiative "lebens.werte.schule", deren Ziel "eine demokratiefähige Schule und ein Beitrag zur menschengerechten Bildung" ist. Dazu will die Initiative eine "Kultur der Anerkennung" fördern. Die Frage nach der Würdigung von Menschen und insbesondere Kindern sei eine entscheidend für alle Institutionen, so Jäggle. Gott habe den Menschen als sein Abbild geschaffen; ihm sei Würde von Gott her gegeben.
So benötige Schulentwicklung eine "wertorientierte Ausrichtung an der Würde der Einzelnen, einen wertschätzenden Umgang mit Diversität und wertvolle Strukturen demokratischer Beteiligung", erklärte Jäggle. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, eine "angstfreie Schule" anzustreben, denn "Angst macht klein", so der Dekan.
Jäggle: "Eine Schulkultur der Anerkennung vor jeder Leistung, in allen Unterschieden von Vielfalt und durch alle Beteiligten prägt das Unterrichtsgeschehen, die Haltung der Lehrer, die Kommunikationsformen in der Schule, das Leitungshandeln, die Gestaltung des Schullebens, die Prozesse der Selbstreflexion und Erneuerung."
Der Dekan kündigte auch den internationalen Kongress "Kultur der Anerkennung" an, der am 3. und 4. Mai in der Universität Wien stattfindet. Zur Veranstaltung werden rund 300 Teilnehmer erwartet. Sie werden sich u. a. mit verschiedenen pädagogischen und religionspädagogischen Positionen sowie Konzepten zu einer "Kultur der Anerkennung" auseinandersetzen. (Infos: lebenswerteschule.univie.ac.at)