Kirche muss für Ausgetretene offen bleiben
Kärntner Bischof bei Dechantenkonferenz: "Verantwortung und Herausforderung, als Kirche vor Ort in den Gemeinden zu leben, den Glauben zu feiern und am Leben der Menschen teilzunehmen"
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Klagenfurt-Graz, 24.01.2012 (KAP) Für eine "offene Kirche mit viel Sympathie für das Leben der Menschen" hat sich der Kärntner Bischof Alois Schwarz im Rahmen der Dechantenkonferenz der Diözese Gurk ausgesprochen. Mit Blick auf die derzeitige Kirchensituation müsse sich Kirche so weit öffnen, "dass Ausgetretene nach wie vor im Vorraum der Kirche, an der Schwelle bleiben können, so dass sie dann ohne Schwellenangst drinnen und draußen sind", sagte der Bischof in seinem Grundsatzreferat am Dienstag. Vielleicht sei das Bild der Passage ein Bild für die heutige Kirche. Die Kärntner Dechanten tagen noch bis übermorgen Donnerstag im steirischen Bildungshaus Schloss Seggauberg.
Angesichts der Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft brauche es eine "Konzentration der Kräfte und gegenseitige Bestärkung in dem, wofür wir uns einsetzen", so Schwarz weiter. Der von ihm initiierte Leitbildprozess mit dem Leitwort "Mit Jesus Christus den Menschen nahe sein" verwirkliche mit Blick auf das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene "Jahr des Glaubens" Anliegen und Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils und sei ein Pastoralprogramm, "dass die Evangelisierung fördert und die Sendung der Kirche aufs Neue bewusst macht".
In der Vorwoche hatte der Bischof bei einer Begegnung mit dem Papst diesem das Leitbild erläutert und ihm die Leitbildbroschüre überreicht. Zur Umsetzung der vorgegebenen Ziele in den vier Bereichen "Menschen", "Finanzen", "Prozesse" sowie "Lernen/Entwicklung" brauche es, so Bischof Schwarz in Seggauberg, "die kreative Kraft unserer Theologen, die spirituelle Erfahrung unserer Seelsorger und ein großes Selbstbewusstsein aller Getauften und Gefirmten".
Kirche und Gesellschaft befinden sich laut Schwarz in einer "sehr unruhigen, unsicheren und manchmal auch unüberschaubaren Situation". In dieser "Umbruchszeit" sei es eine "große Verantwortung und Herausforderung, als Kirche vor Ort in den Gemeinden zu leben, den Glauben zu feiern und am Leben der Menschen teilzunehmen".
Mit Blick auf die vielfältigen Aufgaben und unterschiedlichen Anforderungen an Priester betonte der Kärntner Bischof, dass die Umsetzung des Leitbildprozesses "keine Aufforderung zu Mehrarbeit oder zu einer noch stärkeren Belastung im priesterlichen alltäglichen Dienst" sei.
Kirche sei "eine christliche Glaubens- und Hoffnungsgemeinschaft, die feiert, tröstet und betet und sich bemüht, den Menschen in seiner jeweiligen Lebenswirklichkeit ernst zu nehmen", sagte der Kärntner Bischof. Besonders in einer Zeit, in der Menschen sich immer häufiger nach Nähe und Geborgenheit sehnen würden, sei es wichtig, "sich selbst zu schenken in einem guten Wort des Trostes, der Freude, im aufmerksamen Zuhören, im Sehen der Not des Anderen oder im Erspüren seiner Bedrängnis".