Aichern: Kirche muss im sozialen Bereich präsenter sein
Linz, 19.1.07 (KAP) Die katholische Kirche sollte im sozialen Bereich noch präsenter sein: Das betonte der Linzer Altbischof Maximilian Aichern in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der "Kirchenzeitung der Diözese Linz". Am Sonntag, 21. Jänner, findet um 15 Uhr im Linzer Mariendom ein Festgottesdienst zum silbernen Bischofsjubiläum Aicherns statt. Die Festpredigt wird der Grazer Altbischof Johann Weber halten.
"Gott im Alltag sichtbar machen, durch unsere Mitmenschlichkeit und unsere Praxis, ist ganz entscheidend. Es braucht eine Basisausrichtung der Kirche auf die Nöte der Menschen", so der Bischof wörtlich. Angesichts des Priestermangels solle man doch auch "die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt" überdenken. Zur Zukunft der Kirche meinte der Bischof, es gehe immer um die "Erneuerung aus dem Glauben", aber auch um die Arbeit an der Erneuerung von Strukturen. Es gehe darum, die Zeichen der Zeit besser zu verstehen. Johannes XXIII. habe einige dieser Zeichen bei der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils genannt: Die Emanzipation der Frauen, die neuen sozialen Fragen, die Ökumene.
Erfreut zeigte sich Bischof Aichern, dass das Thema Grundsicherung nun auch politisch und gesellschaftlich breit diskutiert wird. Aichern war über viele Jahre in der Bischofskonferenz für die Katholische Sozialakademie zuständig, die dieses Thema stark forcierte: "In der Katholischen Sozialakademie Österreichs sind diese Fragen immer wieder aufbereitet worden. Die Umweltverträglichkeit, die soziale Verträglichkeit und die bedarfsorientierte Mindestsicherung haben wir vor den Verantwortlichen in den Ministerien und auch auf EU-Ebene immer wieder vorgetragen. Auch der arbeitsfreie Sonntag muss hier genannt werden".
Persönlich wolle er sich auch als emeritierter Bischof für die Seelsorge und im sozialen Bereich engagieren, so Aichern, "weil es immer darum geht, dass Menschen in Würde leben können". Der Dialog mit den gesellschaftlichen Kräften bleibe wichtig. "Das Wort Gottes dient dabei als Kompass und Gewissen für die Gestaltung unserer Gesellschaft", so der Bischof. Die christliche Soziallehreund das Ökumenische Sozialwort seien Maßstab.
Im Rückblick auf seine Zeit als Bischof der Diözese Linz meinte Aichern, dass ihn - mit dem Glauben - vor allem auch die Annahme durch die Diözese, die Priester, Diakone, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter gestärkt habe. "Wenn man zu einem Dienst ja sagt, muss man die Arbeit sowohl in frohen als auch in leidvollen Situationen über Jahre hin tun", so der Bischof wörtlich und weiter: "Es gab sehr viele positive Ereignisse und Erlebnisse, die manche negative Erfahrung ausgeglichen haben".
Zu seinen persönlichen konkreten Plänen sagte der Altbischof, der im Domherrenhaus in Linz eine kleine Wohnung bezogen hat, dass er vor allem weiterhin als Priester wirken wolle: "Wo meine Hilfe von Pfarrern und Gemeinden erbeten wird, feiere ich Gottesdienste. Wo ich eingeladen werde, gehe ich zu Besprechungen, Diskussionen und Vorträgen. Wenn mich Diözesanbischof Ludwig Schwarz zu einer Vertretung braucht, bin ich gerne bereit dazu. Ich bin auch zu Besuchen unterwegs bei Menschen, mit denen ich besonders verbunden bin, im In- und im Ausland". Auch mit seinem Heimatkloster St. Lambrecht könne er jetzt wieder mehr Kontakt halten.
Vor 25 Jahren, am 17. Jänner 1982, war Aichern im Linzer Mariendom zum Bischof geweiht worden. Hauptkonsekrator war damals Kardinal Franz König.