KA: Problem Wiederverheirate "nicht aussitzen"
KA-Präsidentin Derschmidt: Pastorale Sorge um wiederverheiratete Geschiedene wieder ganz oben auf der Agenda - "Kirche als Versöhnungsgemeinschaft wäre die Sehnsucht vieler Betroffener"
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Salzburg-Wien, 5.2.12 (KAP) Die Frage des kirchlichen Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen steht nach Ansicht der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) wieder ganz oben auf der kirchlichen Agenda. Gerade in diesem sensiblen Bereich gebe es weiterhin zahlreiche "schmerzliche Verletzungen" bei Betroffenen, so KAÖ-Präsidentin Luitgard Derschmidt in einer Stellungnahme gegenüber "Kathpress". Die Kirche dürfe daher dieses Problem "nicht aussitzen", sondern müsse aktiv nach Wegen suchen, wie sie sich neu als "Versöhnungsgemeinschaft" positionieren könne. "Ein Aussitzen würde bedeuten, so lange zu warten, bis das Problem sich von selbst erledigt, weil die sakramentale Ehe irgendwann gar nicht mehr angestrebt wird", unterstrich Derschmidt.
In der vergangenen Woche hat sich die KA bei einem Studientag in Salzburg eigens mit dem Thema wiederverheiratete Geschiedene befasst. Der als Referent geladene Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff plädierte dabei für eine theologische Neubewertung der Frage und eine damit verbundene neue kirchliche Praxis. Die Kirche müsse ganz im Sinne der biblischen Quellen und ihrer frühkirchlichen Praxis wieder stärker die Versöhnungsbereitschaft betonen und nicht durch "moralische Verurteilung" das Gefühl "schmerzlichen Ausgegrenztseins" oder gar des Desinteresses bei Betroffenen fördern, so Schockenhoff. Konkret sprach sich Schockenhoff bei der KA-Tagung für eine Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zum Kommunionempfang aus.
"Die Nöte der Menschen ernst nehmen"
Die KA unterstütze diese Position Schockenhoffs, so Derschmidt, und erwarte zugleich von den Bischöfen, dass sie "die Nöte der ihnen anvertrauten Menschen ernst nehmen und neue Wege zur Lösung dieser Probleme anstreben." Ein Umdenken und eine neue Praxis sei notwendig, "denn es haben schon zu viele Menschen aufgrund dieser Situation die Kirche verlassen". Zugleich müsse man jedoch auch innerkirchlich nüchtern betrachten, dass "überzeugtes Christsein, starke Kirchenbindung und ernsthaftes Bemühen auch nicht immer vor dem Zerbrechen von Beziehungen schützen kann".
Eine neue Praxis bedeute dabei keine Absage an die Unauflöslichkeit der Ehe, so Derschmidt. An dieser dürfe "nicht gerüttelt werden - so steht es in der Botschaft und diese Sehnsucht nach einer Beziehung auf Dauer haben auch die Menschen, denen sie von Gott ins Herz geschrieben wurde". Konkret entspreche das Bild von "Kirche als Versöhnungsgemeinschaft der Sehnsucht vieler Betroffener", ist die KA-Präsidentin überzeugt. "Nicht wenige erleben eine neue Beziehung als ein neues Angebot Gottes, die Chance zu einer neuen verstärkten Beziehung zu Gott, sind aber trotzdem der Meinung, dass ihre erste Beziehung in ihre Lebensbiografie eingeschrieben ist und daher nicht 'annulliert' werden kann."
Eine falsch verstandene "Elitekirche der 'Reinen'" könne nicht das Ziel sein, vielmehr müsse sich die Kirche stärker mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen, die voller unterschiedlicher Wege auch in dieser Frage sei. Derschmidt: "Es geht um die Wertschätzung der zweiten Zivilen Ehe, der Ernsthaftigkeit und des Verantwortungsbewusstseins, das dahintersteht. Das darf nicht abgewertet werden. Die Kirche hat auch einen Auftrag bei der Begleitung in der Zeit der Trennung und der Aufarbeitung der damit verbundenen Probleme." Der Weg der orthodoxen Kirche in dieser Frage sollte "durchaus ernsthaft überlegt werden", könne aber "nicht eins zu eins übernommen werden".