Internationale Euthanasie-Konferenz in Schloss Hartheim
Linz, 22.1.07 (KAP) Der aktuelle Stand der Euthanasiedebatte steht im Zentrum einer internationalen Konferenz im Schloss Hartheim in Oberösterreich vom 20. bis 22. April. Mit einer international besetzten Konferenz soll die einstige düstere NS-Euthanasie-Anstalt "Schloss Hartheim" zum "Lernort des Gedenkens und der Zukunft" werden. Dies betonte Georg Starhemberg, Obmann des Vereins "Schloss Hartheim", bei einer Pressekonferenz am Montag in Linz. Unter dem Titel "Sinn und Schuldigkeit - Fragen zum Lebensende" werden "Experten aus den Bereichen Medizin, Politik, Religion, Philosophie und Kultur" den aktuellen Stand der Sterbehilfe-Debatte diskutieren und dabei auch die Rolle der Religion in ethischen Diskursen beleuchten.
Schloss Hartheim habe man dabei bewusst als Ort gewählt, so Starhemberg, da nur vor dem Hintergrund eines solchen "Ortes der schmerzlichen Erinnerung" auch der Auftrag deutlich hervortrete, "dass sich Ähnliches nie mehr ereignen soll". Vergangenheit könne nur dann kritisch in die Gegenwart hineinwirken, wenn sie "nicht historisiert wird", sagte Starhemberg. Es gehe darum, auch heute die Augen offen zu halten und "wachsam zu sein".
Martin Kugler von der "Kairos-Consulting" (die mit Organisation und inhaltlicher Gestaltung betraut ist) betonte, dass ein "Kontrapunkt zur Tagespolitik" gesetzt werden soll, in der das Thema Sterben und Sterbehilfe "selten in seiner ganzen Breite und gesellschaftlichen Relevanz betrachtet wird". Die Vergangenheit von Schloss Hartheim solle dabei "bewusst nicht zum Thema gemacht werden", um eine Parallelsetzung der Vergangenheit mit den aktuellen Fragen zur Sterbehilfe zu vermeiden. Man sei sich der "Brisanz des Ortes" bewusst, so Kugler, jedoch sei gerade durch diese Brisanz eine "Spannung" zu erwarten, die auch die Vortragenden und Teilnehmer herausfordern soll.
Pühringer: Kirche ist Gesprächspartner
Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer hob hervor, dass Schloss Hartheim "nie nur 'Ort der Erinnerung', sondern immer auch 'Ort der aktuellen Auseinandersetzung'" sein sollte. Es gehe darum, "abseits von Wirtschaftsthemen und Eventkultur" auf diese Weise "ein ganz dunkles Kapitel der Zeitgeschichte mit aktuellen Fragen in Verbindung zu bringen", so Pühringer. Dafür eigne sich insbesondere ein "ganzheitlicher Ansatz", wie er bei dieser Konferenz gewählt wurde.
Im Gespräch mit "Kathpress" betonte Pühringer darüber hinaus, dass die Kirche bei ethischen Fragestellungen wie jener der Sterbehilfe "immer ein ganz wichtiger Gesprächspartner für die Politik" sei und bleiben werde: "Wann denn sonst, wenn nicht in dieser Frage müssen Kirche und Politik zusammenarbeiten". Pühringer selbst betonte seine Unterstützung für die Prinzipien der Hospizbewegung. Das Motto müsse lauten: "An der Hand eines Menschen sterben, aber nicht durch die Hand eines Menschen", betonte der Landeshauptmann.
Schloss Hartheim wurde während des NS-Regimes von 1940 bis 1944 als eine von insgesamt sechs "großdeutschen" Euthanasieanstalten missbraucht. Allein in Hartheim wurden nahezu 30.000 zumeist körperlich oder geistig behinderte Menschen ermordet. Ende des 19. Jahrhunderts war Schloss Hartheim von seinem Besitzer, dem damaligen Fürsten Starhemberg, dem "Oberösterreichischen Landeswohltätigkeitsverein" zur Pflege von geistig und körperlich behinderten Menschen überschrieben worden. Seit 1997 wurde Hartheim mit einem Gesamtbudget von mehr als 25 Millionen Euro restauriert und zu einem Lern- und Gedenkort umgestaltet. Der gemeinnützigen "Stiftung Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim" gehören mittlerweile 868 Organisationen und Einzelpersonen als Förderer an, darunter auch 70 Pfarren und kirchliche Organisationen.
"Lust am Leben"
Die internationale Konferenz im April wird durch einen Vortrag des deutschen Psychiaters Manfred Lütz zum Thema "Lust am Leben? Über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit" eröffnet. Bob Schindler, Bruder der in den USA "euthanasierten" Terri Schiavo, hält einen weiteren Vortrag. Über den derzeitigen Stand der Euthanasie-Debatte in Europa und den USA diskutieren die Wiener Sozialmedizinerin und Gesundheitspsychologin Anita Rieder, Josef Glasa (Facharzt für Interne Medizin und klinische Pharmakologie), sowie Anselm Müller, Philosoph an der Universität Trier. Eine Diskussion über "Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung sterbender Patienten" werden der Wiener Palliativmediziner Prof. Johannes Meran, der Vorreiter der Hospizbewegung in England, Robert Twycross, sowie Christian Spaemann (Leiter der Klinik für Psychische Gesundheit am Krankenhaus St. Josef in Braunau am Inn) führen. Im Anschluss an die Podiumsdiskussionen soll es in thematisch geordneten Workshops die Möglichkeit einer Vertiefunggeben. Dabei wird auch die Frage der Religion eine zentrale Rolle spielen. So werden zu einem Gespräch unter dem Titel "Leiden und Tod in den Weltreligionen" neben dem Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer und dem Wiener Caritasdirektor Michael Landau auch Alexander Friedmann (Jüdische Kultusgemeinde) und Ahmet Hamidi (Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich) erwartet.
Ein medizinisch ausgerichteter Gesprächskreis behandelt den Bereich Palliativmedizin. An einem Gesprächskreis zum Thema Pflege wird unter anderem die frühere steirische Landeschefin Waltraud Klasnic teilnehmen. Ein politisches Gespräch wird sich dem Thema widmen: "Welchen Tod wollen wir uns leisten?". Ein juristisches Gespräch geht der Frage "Selbstbestimmung am Lebensende" nach. Als Künstler und Kulturschaffende haben unter anderem der Dirigent Nikolaus Harnoncourt und der Schauspieler Tobias Moretti ihre Teilnahme zugesagt. Den Abschluss der Konferenz wird eine philosophische Diskussion zwischen dem deutschen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff und dem liberalen Wiener Philosophen Rudolf Burger zum Thema "Euthanasie am Prüfstand der Menschenwürde. Diktat oder Verstoß?" bilden.
Die Konferenz steht unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Heinz Fischer, Kardinal Christoph Schönborn, EU-Kommissar Jan Figel, Landeshauptmann Josef Pühringer sowie Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. (Informationen: Internet: www.schloss-hartheim.at).