Kalifat-Prediger: Kardinal Schönborn greift ein
Shaker Assem darf ab sofort das muslimische Freitagsgebet im Wiener Afro-Asiatischen Institut nicht mehr leiten
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Wien, 24.02.12 (KAP) Der umstrittene Kalifat-Prediger Shaker Assem darf ab sofort das muslimische Freitagsgebet im Wiener Afro-Asiatischen Institut (AAI) nicht mehr leiten. Das teilte die Erzdiözese Wien am Freitag in einer Aussendung mit. Kardinal Christoph Schönborn habe diese Entscheidung als Protektor des von Kardinal Franz König gegründeten Instituts mit AAI-Geschäftsführer Nikolaus Heger getroffen. "Die Erzdiözese muss sich Klarheit über die Situation verschaffen, auch wenn die staatlichen Behörden bisher keinen Anstoß an Imam Assem genommen haben und dieser nicht als Hassprediger gilt", hieß es. Unberührt davon bleibe "die wichtige und verdienstvolle Funktion des Instituts als Stätte für interreligiösen und interkulturellen Dialog", so die Erzdiözese.
Die Tageszeitung "Die Presse" hatte zuvor in ihrer Freitag-Ausgabe berichtet, das Assem das Existenzrecht des Staates Israel bestreitet und die Todesstrafe bei Ehebruch für gerechtfertigt hält. Seine Predigten halte Assem u.a. regelmäßig im islamischen Gebetsraum des AAI - einem 1959 von Kardinal König als "entwicklungspolitisches Bildungshaus" gegründeten und von der Erzdiözese Wien unterstützten Institut zur Förderung des Dialogs der Religionen und der Völkerverständigung.
Zuletzt sorgte Assems Ankündigung einer Kalifatskonferenz für den 10. März in Wien-Vösendorf für Aufregung. Assem ist Sprecher der panislamischen "Hiz ut-Tahrir" (Partei der Befreiung), die sich für die Errichtung des Kalifats in der islamischen Welt einsetzt. Die in Deutschland verbotene Gruppierung wird in Österreich durch den Verfassungsschutz beobachtet, ein Verbot gibt es jedoch nicht, da sie weder als Partei noch als Verein registriert ist.
"Es ist eine schwierige Situation, über die wir seit Jahren diskutieren", sagte AAI-Geschäftsführer Nikolaus Heger der "Presse". Man wisse über Assems ideologischen Hintergrund bescheid, "und er weiß, dass wir seine Werthaltung skeptisch betrachten". Assem sei aber ein guter Dialogpartner, der das Gespräch suche und gewiss kein "Hassprediger". Dennoch habe man bereits bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) um die Vermittlung anderer Imame für die Freitagspredigten angefragt.
Außerdem habe man sich von Seiten des AAI beim Verfassungsschutz über Assem informiert, dieser habe jedoch "nicht gesagt, dass wir ihn rausschmeißen sollen", wurde Heger zitiert. Außerdem repräsentiere Assem eine islamische Richtung, die durchaus eine Realität darstelle: "Wenn Sie eine Umfrage unter Muslimen machen, werden Sie viele finden, die Israels Existenzrecht ablehnen." Wenn man das im AAI auch entschieden anders sehe, so sei es dennoch wichtig, auch mit diesen Menschen in einen Dialog zu kommen.
AAI distanziert sich von Ideologie
Das Afro-Asiatische Institut in Wien distanzierte sich darüber hinaus am Freitag erneut ausdrücklich von den politischen und ideologischen Vorstellungen der von dem umstrittenen Kalifats-Prediger vertretenen Gruppierung Hizb-ut Tahrir. "Wir treten für Demokratie und Menschenrechte ein, verurteilen körperliche Bestrafung und Todesurteile und fördern und unterstützen Programme zur Stärkung der Rechte von Frauen", heißt es in einer Klarstellung.
Das Freitagsgebet finde seit fast 50 Jahren im AAI statt. Assem organisierte das Gebet demnach erst "seit einiger Zeit". Das AAI habe ihn dabei "weder finanziell noch ideell" unterstützt. Der Prediger habe sich in Gesprächen und Diskussionen stets von politischer Gewalt distanziert. "Gäbe es diese Distanzierung nicht, würden wir Herrn Assem seine Tätigkeit im Haus nicht erlauben", so das AAI.
Den seit 1959 geltenden AAI-Gründungsauftrag als "Haus des Dialogs zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen" verstehe man so, "dass wir auch mit Menschen diskutieren, deren Ideologie uns fremd ist und von der wir uns distanzieren", betonte das AAI: "Gerade dieser Dialog ist uns sehr wichtig, auch wenn er schwierig ist und manchmal missverständlich wirkt."