Kamillianer bitten um Spenden für Lepra-Kranke
Wien, 24.1.07 (KAP) 250.000 Leprakranke gibt es immer noch in Brasilien - einem Land, das wirtschaftlich und politisch immer mehr zu einem "global player" wird. Die Zahl der Erkrankten wächst sogar, obwohl es längst wirksame Medikamente gegen die so genannte "Hansen-Krankheit" gibt, jährlich um fünf Prozent. Besonders betroffen sind die Kinder. Anlässlich des Weltlepratages am 28. Jänner bittet der Krankenpflegeorden der Kamillianer um Spenden für Lepra-Kranke im diesjährigen Schwerpunktland Brasilien. Auch wenn es offiziell in dem aufstrebenden lateinamerikanischen Land keine Leprakranken mehr gibt, sei Hilfe dringend nötig, betont Provinzial P. Leonhard Gregotsch, der den Gesundheitsdienst der Kamillianer leitet.
Seit 1922 arbeiten Kamillianer in Brasilien. Mitten im unzugänglichen Amazonasdelta, in der Stadt Macapa direkt am Äquator, gründete der Mailänder Industrielle Marcello Candia 1965 ein Spital. 1972 gewann Candia den Kamillianerpater und Arzt P. Jose Raul Matte als Leiter des heute 142 Betten zählenden Spitals sowie der angeschlossenen Krankenpflegeschule. Der Orden arbeitete für die mehr als 300 umliegenden Gemeinden einen Gesundheitsplan aus. Neben der Betreuung der Akut-Kranken geht es um die Einrichtung eines Basisgesundheitsdienstes, den Aufbau der Vorsorgemedizin und vor allem die Gesundheits- und Hygieneerziehung der Bevölkerung. Zu einem weiteren wichtigen Arbeitsfeld wurde die Einführung der so genannten Phytotherapie, die die vielfältige Pflanzenwelt am Amazonas zu Heilzwecken nutzt.
Seit 35 Jahren steht P. Raul Matte inzwischen im Dienst der Kranken am Amazonas. Er trotzt auf einem 150.000 Quadratkilometer umfassenden Einsatzgebiet dem tropisch-heißen Klima, der ständigen Konfrontation mit den vielen Formen der Armut, dem Fehlen von Infrastruktur und dem Unvermögen der Politik. Neben der Stadt Macapa zählen zu seinem Einzugsgebiet hunderte von Inseln im Amazonasdelta, die nur per Schiff erreichbar sind. Auf nahezu jeder seiner 300 Inseln hat der Kamillianerpater neben der Seelsorgestation auch einen kleinen Gesundheitsposten eingerichtet, der von ausgebildeten Gesundheitshelferinnen und -helfern betreut wird. Um mit den Menschen in regelmäßigem Kontakt zu bleiben, hat er in der Radiostation der Stadt Macapa eine eigene Sendung, "Gesundheit für alle", übernommen. Dabei erhalten die Inselbewohner an jedem Sonntagmorgen eine Stunde lang neben einem geistlichen Wort gesundheitliche Tipps. Ein ganz besonderes Augenmerk des Paters gilt den Kindern. Allgemein gilt es, ihre Abwehrkräfte zu stärken und ihre Eltern zu einer gesunden Ernährungsweise zu bewegen.
Bei seinen Besuchsreisen begegnet Pater Matte allen Tropenkrankheiten, besonders bedrückend sei für ihn aber die Not der Leprakranken. Aus Angst vor der Familie oder vor dem Verlust des Arbeitsplatzes leben sie oft jahrelang im Verborgenen, bevor sie den Weg zum Arzt wagen. Der Pater stößt immer wieder auf tragische Fälle, die bei rechtzeitiger Erkennung einfach und schnell zu heilen gewesen wären. Insgesamt stehen zurzeit 298 Leprakranke in Behandlung.
Durch den Einsatz einer wirksamen Medikamententherapie ist die Lepra heute eine gut behandelbare Krankheit mit Erfolg versprechenden Heilungsaussichten. Dabei muss die Einnahme der Medikamente über einen längeren Zeitraum streng überwacht werden. Die Folgen der Krankheit wie Verstümmelungen, Gefühllosigkeit oder Blindheit sind freilich nicht rückgängig zu machen.
Die Heilung eines Leprakranken - weltweit sind zwölf Millionen Menschen betroffen - kostet bis zu 150 Euro. "Jeder Euro trägt zur Heilung vieler bei", so P. Leonhard Gregotsch. Dringend benötigt werden Medikamente und Verbandmaterial, aber auch Heilbehelfe wie Prothesen und Schuhwerk. (Informationen: Tel. 535.12.87, E-Mail: sk@superiorenkonferenz.at; Spenden: Kto.Nr. PSK 2482.200, BLZ 60000, oder Raiba Wien 2.317.352, BLZ 32000, Kennwort "Lepra").