Kirchen laden zur Aktion "Autofasten"
Wien, 25.1.07 (KAP) Die katholische und die evangelische Kirche laden in der Fastenzeit zum "Autofasten" ein. Vom Aschermittwoch (21. Februar) bis Ostern sind alle Autofahrer aufgerufen, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und die Fastenzeit hindurch verstärkt zu Fuß zu gehen, Rad zu fahren, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.
Der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm und der Wiener Weihbischof Franz Scharl betonten bei der Präsentation der Initiative am Donnerstag in Wien, dass mit dem "Autofasten" jeder einen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Weihbischof Scharl sprach von einer "modernen und sinnvollen Art des Fastens": "Autofasten ist eine konkrete Chance, sich persönlich und aktiv für den Klimaschutz, für die Erhaltung der Schöpfung, einzusetzen". Es gehe nicht darum, durch Konsumverzicht die Kreisläufe der Wirtschaft zu lähmen, sondern durch kritisches Verbraucherverhalten, konkret durch das Hinterfragen des eigenen Mobilitätsverhaltens, neue Akzente zu setzen.
Ein wichtiger Aspekt des Fastens, so Bischof Sturm, liege auch in der Solidarität mit jenen Menschen, die sich den westlichen Lebensstil nicht leisten können, deren Umwelt aber genauso zerstört wird. Ebenso bedeute Fasten auch Solidarität mit den kommenden Generationen, die besonders von Umweltzerstörung und Ressourcenknappheit betroffen sein werden. Nach christlichem Verständnis sei die Fastenzeit eine Zeit der Einübung und neuen Erfahrung. Sturm: "Geübt wird ein anderer Stil des Lebens, erfahren wird Befreiung, neue Sensibilität und Mut zur Veränderung".
Die Bischöfe zeigten sich auch sehr erfreut darüber, dass die Aktion ökumenisch getragen wird. Die Verantwortung für die Umwelt und für die künftigen Generationen sei eine der Kernaufgabe der Kirchen, so Scharl. Im ökumenischen Sozialwort der Kirchen Österreichs hätten sich die Kirchen dazu verpflichtet, Nachhaltigkeit zu leben und die Schöpfungsverantwortung in ihrer Bildungsarbeit zu fördern. Scharl: "Meine Hoffnung ist, dass wir als Kirche mehr als bisher ein Beispiel für Umweltfreundlichkeit sind. Die Aktion 'Autofasten' ist hier ein gelungener Anstoß".
Die Aktion "Autofasten" findetheuer zum zweiten Mal österreichweit statt und wird von den Umweltbeauftragten der katholischen und evangelischen Kirche getragen. Partner sind die ÖBB und regionale Verkehrsverbünde. Auch von verschiedenen Kommunen und Ländern oder Organisationen wie "Ökostrom" und "Klimabündnis" wird die Initiative unterstützt.
"Gesellschaftliches Zeichen"
"Jeder, der mitmacht, setzt ein gesellschaftliches Zeichen für eine lebenswertere Umwelt", betonte die Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien, Evelyn Hödl, bei der Präsentation. "Autofasten" verbinde zudem das bewusste Hinterfragen des eigenen Mobilitätsverhaltens mit dem Ausprobieren von Alternativen. "Wir wollen alle Österreicherinnen und Österreicher dazu einladen, diese neuen Wege und Erfahrungen zu suchen und beim 'Autofasten' ohne - oder zumindest mit weniger Auto - zu leben", so Hödl.
Deutliche Worte fand der Verkehrsplaner Prof. Hermann Knoflacher: Die Gesellschaft befinde sich gleichsam in der "Gefangenschaft" von Strukturen, die auf das Auto ausgerichtet sind. Dadurch würden Umwelt, Gesundheit und Zukunft zerstört. Insofern sei es sogar die Pflicht jedes Einzelnen, verstärkt auf das Auto zu verzichten. Wörtlich sagte Knoflacher: "Das Autofahren hat eine Ablauffrist, weil die endlichen Energiereserven diesen Weg in die Irrtümer in absehbarer Zeit stoppen werden. Wer autofastet, spart sich den Krampf der Entziehungskuren, die sehr schmerzhaft über die Menschheit kommen werden".
Wer sich am "Autofasten 2007" beteiligen möchte, kann sich via Internet auf der Webbsite www.autofasten.at oder beim Österreich-Koordinationsbüro in Salzburg ("Aktion Autofasten", Umweltreferat, Kapitelplatz 2, 5010 Salzburg, Fax: 0662/80.47/20.69) anmelden und erhält ein kostenloses Mitmachheft und auf Wunsch auch einen E-Mail-Newsletter.
2006 nahmen rund 3.000 Personen offiziell am Autofasten teil. Für heuer rechnen die Initiatoren mit deutlich mehr Teilnehmern. Auf alle Teilnehmer warten auch zahlreiche Gewinne: Die regionalen Verkehrsverbünde verlosen "Fasten-Tickets" (Gratistickets oder ermäßigte Zeitkarten für die gesamte Fastenzeit), wie Franz Konrad vom Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) sagte. Außerdem werden unter den Teilnehmern eine Berlin-Reise, Fahrräder, Bio-Esskörbe sowie Wellness-Tage verlost. (Infos: Internet: www.autofasten.at).