Belo Monte: Anhaltender Protest gegen Andritz-AG
Offener Brief einer vom Mega-Staudammprojekt Betroffenen: "Bereichern Sie sich nicht auf Kosten von Menschenleben" - Dreikönigsaktion: Andritz soll Engagement aus ethischen Gründen beenden
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Altamira-Wien, 29.02.2012 (KAP) Der Protest gegen das brasilianische Mega-Staudammprojekt Belo Monte am Rio Xingu im Amazonasgebiet hält an. Ins Visier zahlreicher Aktivisten gerät dabei immer mehr das Engagement der österreichischen Andritz-AG. Diese hatte den Auftrag zum Bau des "Herzstücks" des Staudamms erhalten: die Turbinen. Nach Angaben der Dreikönigsaktion hat sich nun eine Frau aus dem Kreis der rund 40.000 von Umsiedelung und Heimatverlust bedrohten Brasilianer in einem Offenen Brief an den Andritz-Vorstand gewandt. Darin ruft Eliane Moreira Santos Andritz auf, den Belo-Monte-Auftrag ruhen zu lassen.
Die Turbinen würden letztlich "Leben zerstören", so die Brasilianerin. "Ich will immer noch nicht glauben, dass Ihnen mein Schicksal und das meiner 40.000 Schwestern und Brüder egal ist." Auch wenn Andritz den Auftrag nicht weiter verfolge, werde die Firma noch immer "genügend Geld zum Leben verdienen"; es wäre daher "ein Zeichen für die ganze Welt, dass es noch Unternehmen gibt, die sich nicht auf Kosten von Menschenleben bereichern".
Mittlerweile ist die Front der internationalen Protestbewegung auf 233 Organisationen aus 29 Ländern angewachsen. Im Jänner hatte die Protestbewegung an die Interamerikanische Menschenrechtskommission appelliert, den Baustopp zu bewirken. Unterstützt wird die Bewegung auch durch viel Prominenz - etwa Stars wie Sting, James Cameron und die Schauspielerin Sigourney Weaver. Kirchlicherseits macht sich der für sein Engagement mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnete austro-brasilianische Bischof von Altamira, Erwin Kräutler, für einen Baustopp stark.
In Österreich wird der Protest u.a. durch die Dreikönigsaktion (DKA) forciert. "Für die Andritz AG zählen Profite anscheinend mehr als Einzelschicksale", heißt es etwa von Seiten der DKA anlässlich der für den 1. März angekündigten Bekanntgabe der positiven Wirtschaftsbilanz der Andritz AG. Dem Offenen Brief der betroffenen Brasilianerin schließt sich die DKA daher ausdrücklich an, indem sie an den Andritz-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Leitner appelliert: "Sie tragen persönlich Mitverantwortung für das Schicksal der 40.000 Menschen, die am Rio Xingu leben und deren Existenz bedroht ist. Schauen Sie nicht länger weg, beenden Sie aus ethischen Gründen ihr Belo Monte-Engagement und machen Sie aus der Andritz AG wieder ein Unternehmen, auf das wir Österreicher stolz sein können".
Kräutler: Brasilien vergisst Wohl der Menschen
In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der westösterreichischen Kirchenzeitungen schreibt Bischof Kräutler, "nicht die Menschen und ihr Wohl stehen im Mittelpunkt der Entwicklungsprogramme" nach Art Belo Montes. "Nein, ein Riesenwasserkraftwerk wird zum Inbegriff allen Fortschritts. Brasilien braucht Strom für die Aluminiumerzeugung. Es geht darum, bis 2015 zur fünftgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufzurücken. Damit Belo Monte gebaut werden kann, muss nicht nur der tropische Regenwald weichen. Die seit Jahrzehnten ansässigen Familien werden enteignet, bewusst und vorsätzlich ihrer Lebensgrundlagen beraubt, in die Armut gejagt", so der Xingu-Bischof wörtlich.