Familienfasttag: Frauenbewegung lud zur Fastensuppe
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, Hauft, bei Benefiz-Suppenessen in Wien: Trotz Sparpaket "nicht nur eigene Schuhspitzen sehen" - Gurker Bischof Schwarz für mehr "solche sichtbaren Zeichen der gelebten Solidarität"
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Wien, 01.03.12 (KAP) Bildung ist "eine der tragenden Säulen" der Arbeit der Katholischen Frauenbewegung (kfbö) und Schwerpunkt der diesjährigen "Aktion Familienfasttag". Wie kfbö-Vorsitzende Margit Hauft am Mittwochabend bei einem Benefiz-Suppenessen in der Wirtschaftskammer-Zentrale in Wien erklärte, seien weltweit zahllose Mädchen und Frauen von Zugängen zu Bildung ausgeschlossen. "Frauenbildung ist schlichtweg nicht vorgesehen", und dies ungeachtet anderslautender Gesetze wie z.B. jenes, das in Indien die Abschaffung der Kasten verankert. Nach den Worten Haufts "wissen Frauen weder um diese Gesetze noch um Möglichkeiten, deren Einhaltung einzufordern".
Dem wolle die Frauenbewegung mit ihrem 1958 ins Leben gerufenen Familienfasttag entgegenwirken. Damals sei Abhilfe gegen den Hunger die Hauptmotivation für die Spendenaktion gewesen, heute sei es besonders der "Hunger nach Gerechtigkeit", den es mit vereinten Kräften zu stillen gilt, sagte Hauft. Dies gelte auch in Zeiten der Budgetsanierung in Österreich: "Sparpakete sind nicht angenehm, aber sie zwingen uns nicht, Scheuklappen anzulegen und den unerlässlichen Weitblick durch das Betrachten der eigenen Schuhspitzen zu ersetzen."
Haufts Begrüßungsworte für den schon traditionellen Charity-Abend galten in der Wirtschaftskammer Österreichs neben "Gastgeber" WKÖ-Präsident Christoph Leitl u.a. dem Apostolischen Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, dem in der Bischofskonferenz für die kfbö zuständigen Kärntner Bischof Alois Schwarz, dem Linzer Altbischof Maximilian Aichern und Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka. Auch die Präsidentin der Katholischen Aktion, Luitgard Derschmidt, Caritas-Präsident Franz Küberl, Grünen-Chefin Eva Glawischnig, Volksanwältin Terezija Stoisits und die ehemalige Ministerin Maria Rauch-Kallat waren zu Gast. Drei verschiedene Suppen, Heringsalat und Aufstrichbrote wurden beim Benefiz-Suppenessen von Schülern der Gastgewerbefachschule der Wiener Gastwirte gereicht.
Schwarz: Solidarität kennt keine Grenzen
Bischof Schwarz erinnerte in einer Ansprache an seine gemeinsam mit Christoph Leitl im Vorjahr formulierten "Prioritäten für die Zukunftssicherung unseres Landes". Darin enthalten sei ein Bekenntnis zu Solidarität und sozialer Gerechtigkeit. Und: Die "großartigen Talente" in Österreich bräuchten eine Förderung durch entsprechende Aus- und Weiterbildung. Wenn nun auch die Frauenbewegung den Blick auf Bildung als globale Herausforderung lenke, unterstütze er den Familienfasttag 2012 gerne, so der Bischof. "Vielleicht braucht es in unserer Gesellschaft viel öfter - nicht nur heute - solche sichtbaren Zeichen der gelebten Solidarität und Mitverantwortung füreinander", sagte Schwarz. "Solidarität kennt keine Grenzen, keine ethnische Herkunft und keine Barrieren der Sprache."
Sr. Jessy Jacob, Projektpartnerin der Frauenbewegung im nordindischen Bihar, berichtete von ihren Bemühungen, auf ständigen Reisen von Dorf zu Dorf Frauen zu ermutigen, sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren. Ihrem Zentrum für ganzheitliche Gemeindeentwicklung (Integrated Community Empowerment Centre, ICEC) gelinge es, allmählich den Lebensstandard zu verbessern, Ungerechtigkeit, Abhängigkeit und Not einzudämmen.
Die Katholische Frauenbewegung lädt zum Familienfasttag am 2. März zum Verzicht und zum Teilen der eingesparten Kosten für ihre mehr als 100 Hilfsprojekte in Ländern des "Südens". In den von der kfb geförderten Selbsthilfegruppen gehe es neben Alphabetisierung besonders auch um die "wichtige Erfahrung, dass Gemeinschaft stärkt", erläuterte Vorsitzende Hauft. "Teilen weitet den eigenen Horizont, lässt aufschauen, lenkt den Blick auf andere und bietet so einen Weg aus der Vereinzelung." So gesehen sei die Aktion "Familienfasttag" nicht nur ein Spendenaufruf, sondern "stärkende Lebenshilfe für alle Beteiligten", betonte Hauft.
Wirtschaftskammerpräsident Leitl kündigte zu Beginn des Benefiz-Suppenessens an, die Spenden des Abends zu verdoppeln und damit ein Projekt zu unterstützen, das Mikrokreditnehmerinnen bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen hilft. Mikrokredite seien "eine äußerst nachhaltige und sinnvolle Form der Unternehmensfinanzierung in Zeiten des Turbokapitalismus", so Leitl. Die kfbö lobte der WKÖ-Präsident für ihr Erfolgsmodell, mit einem "einfachen Essen" viel Gutes für Frauen zu erreichen, die es schwer hätten, ihr Leben zu bestreiten.
Benefizsuppenessen auch in St. Pölten
Hohe Vertreter von Kirche und Landespolitik kamen auch zum Benefizsuppenessen der kfb St. Pölten ins Niederösterreichische Landhaus. Zu Gast waren u.a. Bischof Klaus Küng, Bischofsvikar Gerhard Reitzinger, Abt Christian Haidinger (Stift Altenburg), Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka und Landtagspräsident Johann Heuras. Bischof Küng würdigte die Katholische Frauenbewegung für ihre "Beharrlichkeit" bei der Unterstützung benachteiligter Frauen. Die Kirche bemühe sich sehr darum, dass Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit nicht gekürzt werden und warne davor, "Prioritäten falsch zu setzen - gerade in Zeiten des Sparpaketes".
"Das, worauf Sie verzichten, kommt anderen Menschen zugute": Unter diesem Motto werden am Freitag beim Familienfasttag zu Hause und am 4. März, dem zweiten Fastensonntag, in Pfarrgemeinden Spenden für Hilfsprojekte der kfbö gesammelt. (Spendenkontonummer für die Aktion Familienfasttag: Kto. 1.250.000, Bawag P.S.K., BLZ 60.000; www.teilen.at)