"Liebe Ordensschwestern" überraschen mit Kompetenz
In Köpfen der Menschen exisitert ein differenziertes Bild von Ordensfrauen - Schulschwester Mayrhofer im "Kathpress"-Gespräch über Begegnungen im Alltag
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» Kathpress-Themenpaket Ordensfrauen |
Wien, 02.03.2012 (KAP) Ordensfrauen erleben in Begegnungen immer wieder, welch differenziertes Bild von ihnen in den Vorstellungen der Menschen existiert. "Einerseits erlebe ich, wie Ordensfrauen als kompetente, verlässliche Partnerinnen in der Gestaltung unserer Gesellschaft wahrgenommen werden", sagt Sr. Beatrix Mayrhofer im "Kathpress"-Gespräch. Persönlich habe sie "immer das Gefühl, dass wir gefragt sind". "Auf der anderen Seite erlebe ich noch heute eine gewisse Herablassung im Sinne von 'liebes kleines Schwesterlein' bis hin zur großen Verwunderung, dass diese 'kleine Schwester' in Verhandlungen plötzlich sehr kompetent z. B. in Wirtschaftsfragen ist", so die Provinzoberin der "Schulschwestern Unserer Lieben Frau".
Vor allem innerhalb der Kirche ortet Sr. Mayrhofer eine Zunahme an Achtung und Respekt im Umgang mit Ordensfrauen. Im öffentlichen Leben erlebt sie hingegen die ganze Bandbreite: Gerade in Wien werde sie in Straßenbahnen oft angepöbelt, beschimpft oder sogar angespuckt. "Auf der anderen Seite erlebe ich, dass Menschen auf mich zugehen, weil sie von mir Hilfe erwarten und sich von einer Ordensfrau Hilfe auch erbitten trauen", so die Schulschwester.
Im schulischen Bereich nehme sie wahr, dass Eltern bewusst ihre Kinder in eine Ordensschule geben, "weil hier Vertrauen gegeben ist", berichtet Sr. Mayrhofer, die selbst jahrelang das Schulzentrum der Schulschwestern in der Friesgasse in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus geleitet hat.
Als neuere Entwicklung bemerkt Sr. Mayrhofer auch "ein positives Zugehen auf mich als Ordensfrau durch islamische Mitbürger und Mitbürgerinnen", beginnend bei einem "verständnisvollen Einanderzulächeln auf der Straße von einer Frau mit Kopftuch und einer Ordensfrau mit Schleier". Die Menschen spürten, dass hier "Respekt vor der Religion" gegeben sei und hier "auch jemand ist, der sein Leben auf Religion aufbaut". Sr. Mayrhofer: "Hier ist es mir als Ordensfrau gegönnt, eine besondere Brücke zu bauen."
Konkret auf Kinder angesprochen erklärt Sr. Mayrhofer, diese begegneten ihr im öffentlichen Leben "oft neugierig, scheu oder auch spöttisch" bis zu feindlich. "Das hängt auch damit zusammen, dass ich mit meiner Ordenstracht provoziere", so die Schulschwester. Durch ihre Tracht erinnerten Ordensleute Menschen an Gott und die Kirche; alle damit verbundenen Erlebnisse, Meinungen, Gedanken oder auch Fantasien würden sich hier "entzünden".
"Das führt immer auch zu spannenden Begegnungen, weil ich mich diesen Auseinandersetzungen gerne stelle und Jugendliche, die mich ausspotten, anspreche", erklärt sie: "Häufig endet ein solches Gespräch damit, dass ich einen der Jugendlichen verspreche, für ihn zu beten - und der andere dann sagt: 'Aber bitte für mich auch.'"
"Nüchterner" Zukunftsblick, neues Kirchengesicht
Rein statistisch gesehen sei der Blick in die Zukunft für Ordensgemeinschaften aufgrund der abnehmenden Zahl an Berufungen und der Überalterung in den Orden "ein nüchterner", räumt Sr. Mayrhofer ein. Natürlich stelle sich die Frage, "welche Formen geistlichen Lebens es in Zukunft in der Kirche Europas, in der Kirche Österreichs", geben werde.
Mit Blick auf die von Orden geführten Einrichtungen wie z. B. Kindergärten, Schulen oder Altenheime müsse man sich fragen, wie Österreich ohne diese Einsätze von Ordensmenschen aussehen werde und "das Gesicht der Kirche nicht mehr geprägt wird durch zahlreiche Ordensniederlassungen, die quer durch das Land den Menschen dienen". Mit schwindenden Ordensgemeinschaften würde vieles verloren gehen.
Es gehe in der Kirche insgesamt darum, auf neue Weise unsere Taufgnade zu entdecken und "neue Formen geistlichen Lebens zu unterstützen", sagt Sr. Mayrhofer gegenüber "Kathpress". Dabei wünscht sie sich, dass Ordensfrauen aktiv in die Prozesse kirchlicher Strukturveränderungen einbezogen werden, "dass man uns als Ordensfrauen wahrnimmt und uns mitgestalten lässt". Zugleich fordert die Schulschwester auch eigenes Engagement: "Wir müssen auch selbst drauf schauen, dass wir immer wieder vorkommen." Sonst werde man vielleicht auf die Rolle der "braven, kleinen Schwester" beschränkt.
Wie das "Gesicht der Kirche" in Zukunft aussehen werde, wisse sie nicht, aber: "Gott schenkt die Berufungen, aber vielleicht auf andere Weise, als wir es erwarten", so Mayrhofer.