Bundesdenkmalamt: Augenmerk auf Wiener Friedhöfe
Wien, 25.1.07 (KAP) Das Bundesdenkmalamt (BDA) richtet heuer sein Augenmerk vermehrt auf Wiener Friedhöfe: Im Lauf des Jahres werden der älteste jüdische Friedhof in Wien (Seegasse 9-11, 1090 Wien) sowie die "bedeutendste biedermeierliche Friedhofsanlage", der Friedhof St. Marx (Wien-Landstraße), restauriert. Das kündigte die Wiener Landeskonservatorin Barbara Neubauer am Donnerstag in einem Pressegespräch zum Thema "Wo der Hut brennt - Denkmäler in Gefahr" an. Mit einer Bestandsaufnahme der Grabsteine seien die Vorarbeiten erledigt, nun soll es mit Mitteln der Stadt Wien zu einer allmählichen Sanierung der Gesamtanlagen statt nur der Wiederaufstellung einzelner umgefallener Grabsteine kommen. Das Projekt ist auf mehrere Jahre anberaumt, so Neubauer.
Bei dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden jüdischen Friedhof hatte der Orkan Kyrill vergangene Woche für weitere Verwüstungen in der verfallenden Anlage gesorgt; der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, forderte daraufhin die Sanierung ein. Er erinnerte dabei an die Restitutionsverhandlungen im Washingtoner Abkommen von 2001, in dem sich die Republik Österreich verpflichtet hatte, ihren Beitrag zum Erhalt der 70 bis 100 erhaltenen jüdischen Friedhöfe in Österreich zu leisten. Mit Hilfe des BDA wird es nun dazu kommen.
"Große Aufgaben", wie weitere Schritte in der Restaurierung der Altlerchenfelder Kirche, der Votiv- und der Karlskirche, stehen laut Neubauer auch in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Wien auf dem Programm. "Herausragendes Prunkstück" unter den Sanierungen des Vorjahres sei die im Besitz der Stadt Wien befindliche Kirche am Steinhof, die unter Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel durch die Stadt nach den aktuellen Richtlinien der Denkmalpflege "mustergültig restauriert" werden konnte, so die Landeskonservatorin. Mit dem Schloss Belvedere (Attikafiguren, Brunnen), dem Stephansdom (Primglöckleintor), der Pestsäule am Graben und der Michaelerkirche (Vesperbildkapelle) konnten laut Neubauer weitere architektonische Highlights der Stadt im vergangenen Jahr restauriert werden.
Staatlicher Denkmalschutz wie auch die Restaurierung einer Vielzahl bedeutender Denkmäler hätten wesentlich dazu beigetragen, dass die Innere Stadt Wien und das Schloss Schönbrunn das Prädikat "Weltkulturerbe" der UNESCO verliehen bekamen. Die stetig ansteigenden Tourismuszahlen, aber auch neu geschaffene bzw. beträchtlich wachsende Arbeitsmärkte für Restauratoren zeigen nach den Worten Neubauers, dass praktische Denkmalpflege mittlerweile zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor und "Job-Generator" geworden ist. Insgesamt würden in Österreich drei Milliarden Euro pro Jahr in diesem Bereich umgesetzt. (Informationen: www.bda.at)