Orthodoxe Bischofskonferenz zusammengetreten
Integrationsstaatssekretär nahm an Beratungen der Orthodoxen Bischofskonferenz teil - Metropolit Kardamakis: "Für viele orthodoxe Christen ist Österreich ihre Heimat"
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Wien, 5.3.12 (KAP) Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz ist am Montag mit dem Orthodoxen Metropoliten von Austria, Arsenios Kardamakis, und den weiteren Mitgliedern der Orthodoxen Bischofskonferenz von Österreich zusammengetroffen. Dabei würdigte Kurz den Integrationsbeitrag der orthodoxen Kirchen: "Das Zusammenleben funktioniert gut, Orthodoxe machen Österreich nicht nur bunter und vielfältig, sondern leisten auch wesentliche Beiträge zur Entwicklung unseres Landes", so Kurz.
Der Kontakt zu Religionen und Kirchen sei ihm sehr wichtig, denn er sei überzeugt: "Religion ist in der Frage der Integration nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung", erklärte Kurz. In den Kirchen könnten die Menschen mit Migrationshintergrund ihre Wurzeln bewahren und zugleich "den Schritt in die österreichische Gesellschaft hinein schaffen". Diese "Brückenfunktion" würden die orthodoxen Kirchen in Österreich, wie beispielsweise auch die zahlreichen fremdsprachigen katholischen Gemeinden, ausüben.
"Für viele orthodoxe Christen ist Österreich ihre Heimat, und für viele weitere wird Österreich noch Heimat werden", betonte Metropolit Arsenios. Die orthodoxe Kirche in Österreichs stehe vor großen Herausforderungen. Ausdrücklich sprach der Metropolit die Bemühungen an, den orthodoxen Religionsunterricht zu verbessern. Erste Erfolge gebe es bereits im Bereich der Gefängnis-, Krankenhaus- und Militärseelsorge. Auch im karitativen Bereich brauche es noch große Anstrengungen; die katholische und evangelische Kirche hätten hier mit ihren vielfältigen Einrichtungen und Initiativen Vorbildwirkung.
Um diesen und vielen weiteren Aufgaben gerecht zu werden, müssten die einzelnen orthodoxen Kirchen ein gemeinsames Zeugnis ihres Glaubens abgeben, so Kardamakis. Nationalistische Tendenzen, die die einzelnen Kirchen trennen, müssten überwunden werden.
Der Besuch von Staatsekretär Kurz war der Auftakt der Frühjahrstagung der orthodoxen Bischofskonferenz in der griechischen Metropolis am Wiener Fleischmarkt. Unter dem Vorsitz von Metropolit Arsenios nahmen u. a. Erzbischof Mark (Golowkow) von Jegorjewsk (Patriarchat Moskau), der in Berlin residierende Weihbischof Hanna Haikal (Patriarchat von Antiochien), Bischof Irinej (Bulovic) von Novi Sad (Belgrader Patriarchat) und der in Nürnberg residierende rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim (Joanta) an der Bischofskonferenz teil.
Die Bischöfe sind jeweils für die österreichischen Gemeinden ihrer Patriarchate zuständig. Mit den Bischöfen waren bei der Bischofskonferenz am Montag auch die Pfarrer der griechisch-orthodoxen, russisch-orthodoxen, antiochenischen, serbisch-orthodoxen, rumänisch-orthodoxen, bulgarisch-orthodoxen und georgisch-orthodoxen Gemeinden in Wien anwesend. Zu ihnen zählt auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura.
Auf dem Programm der Orthodoxen Bischofskonferenz standen u. a. zwei Referate von Fachleuten: Ministerialrat Anton Stifter (Kultusamt) beleuchtete die rechtliche Situation der Kirchen in Österreich, der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Martin Jäggle, stellte das geplante Master-Studium in orthodoxer Religionspädagogik vor. Der orthodoxe Militärseelsorger Alexander Lapin berichtete über den Aufbau der orthodoxen Seelsorge im Bundesheer und der Leiter des orthodoxen Schulamtes, Branislav Djukaric, über die Situation des Religionsunterrichts.
Panorthodoxe Vesper
Die Bedeutung der Einheit der Kirche unterstrich Metropolit Arsenios auch am Abend zuvor bei einer Panorthodoxen Vesper in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale am Wiener Fleischmarkt. An der Vesper zum "Sonntag der Orthodoxie" nahmen mit zahlreichen orthodoxen Gläubigen auch die Mitglieder der Bischofskonferenz teil. Der im Jahr 843 erstmals gefeierte "Sonntag der Orthodoxie" erinnere an "die Überwindung von Polemik und Streit in wesentlichen Bereichen des kirchlichen Lebens", betonte dabei Metropolit Arsenios.
Die panorthodoxe Feier zum "Sonntag der Orthodoxie" habe in Wien eine "gute Tradition", so der Metropolit. Das gemeinsame orthodoxe Zeugnis am ersten orthodoxen Fastensonntag sei ein Hinweis auf die Einheit im spirituellen Sinn. Es gehe auch in Österreich darum, durch die gemeinsame Präsenz, das gemeinsame Gebet und die gemeinsame Arbeit in der Orthodoxen Bischofskonferenz die Einheit der Orthodoxie deutlich zu machen. Die Panorthodoxe Vesper zeige, dass die Förderung der Zusammenarbeit "nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist".
Der "Sonntag der Orthodoxie" erinnert an das 7. Ökumenische Konzil von Nizäa im Jahr 787, bei dem die Ikonenverehrung als rechtmäßig wiederhergestellt wurde. Das Fest fällt immer auf den ersten orthodoxen Fastensonntag und wird heute in der Diaspora auch als Zeichen der Einheit der orthodoxen Kirche begangen. Metropolit Arsenios erinnerte daran, dass im Jahr 787 das letzte gemeinsame Konzil von Ost- und Westkirche stattgefunden hatte: "Aber es darf nicht das letzte bleiben", sagte er. "Ich hoffe, dass wir wieder in gemeinsamer Verantwortung ein ökumenisches Konzil feiern dürfen".