Kirchliche Kritik an Instrumentalisierung von Embryonen
Bioethiker Beck, "Aktion Leben"-Generalsekretärin Kronthaler und Lebensschutzbeauftragte Merckens über Gefahren der Fortpflanzungsmedizin
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Wien, 06.03.12 (KAP) Im Zeichen der Gefahren und ethischen Problemen der Fortpflanzungsmedizin stand eine Informationsveranstaltung Montagabend im kirchlichen "Institut für Ehe und Familie" in Wien. Im Focus: die bedenklichen Aspekte der In-Vitro-Fertilisation (IVF) und der Präimplantationsdiagnostik (PID). "Aktion Leben"-Generalsekretärin Martina Kronthaler sprach sich vehement gegen jede Instrumentalisierung von "embryonalen Menschen" aus. "Wir sagen klar 'Nein' zu überzähligen Embryonen und der Forschung an solchen Embryonen, wir sagen 'Nein' zur Präimplantationsdiagnostik und zur Eizellspende."
Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) ist seit 1992 im beschränkten Maß auch in Österreich eingeführt. Sie darf nur zwischen Ehepartnern eingesetzt werden. Doch gehe die Tendenz dahin, dass auch diese Beschränkungen in Zukunft aufgehoben werden, warnte Stephanie Merckens, Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien. Das Erzeugen von überschüssigen Embryonen sei jedenfalls ein massives Problem.
Von Anfang sei mit der IVF auch die Intention verbunden gewesen, Embryonen auch für die weitere Forschung zu produzieren. Daher sei die IVF immer schon ethisch umstritten gewesen, so Merckens. Sie zeigte sich überzeugt: Ab dem Zeitpunkt, wo Ei- und Samenzelle verschmelzen, gebe es keinen wesentlichen Unterschied mehr zu einem vollwertigen Menschen.
In Österreich dürfe man im Rahmen der IVF so viele Embryonen herstellen wie man wolle, kritisierte Merckens. In Deutschland sei das im Embryonengesetz hingegen klar geregelt. Nur drei Embryonen dürfe man erzeugen und alle müssten eingepflanzt werden.
Merckens wies weiters auf die große Problematik der "fetalen Reduktion" hin. Da den Frauen mehrere Embryonen eingesetzt werden, komme es massiv häufiger als bei natürlicher Zeugung zu Mehrlingsschwangerschaften. Das wiederum führe mitunter zur Abtreibung von einem oder auch mehreren Kindern.
Es gebe auch keine Studien dazu, ob durch IVF hergestellte Menschen später mit besonderen Krankheiten zu kämpfen hätten, warf "Aktion Leben"-Generalsekretärin Kronthaler ein. Und der Priester und Mediziner Matthias Beck fügte hinzu, dass die im Reagenzglas hergestellten Embryonen anfangs in Antibiotikalösungen schwimmen würden. Über entsprechende Langzeitfolgen wisse man nichts.
Vier Millionen Kinder gäbe es zurzeit auf der Welt, die durch In-vitro-Fertilisation entstanden seien, berichtete Beck, der auch Mitglied der Bioethik-Kommission beim Bundeskanzleramt ist. Man dürfe nicht von "Menschen zweiter Klasse" sprechen, betonte er.
Schwere Geschütze fuhren die Referenten gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID) auf: Durch die PID und die damit verbundene Feststellung etwaiger Erbkrankheiten finde ein "Selektionieren von Kindern" statt, so Beck: "Wir haben in der Medizin deshalb eine Diagnose gestellt, um eine Therapie und Prophylaxe einzuleiten. Das ist das Grunddogma. Und dieses Dogma ist vollständig über den Haufen geworfen." Denn es gebe zwar eine Fülle an Diagnostik, doch es gäbe keine Therapien für erkennbare Krankheiten.
Dazu komme eine weitreichendere bedenkliche Entwicklung: Noch im Laufe dieses Jahres solle eine Technologie auf den Markt kommen, wo man im Rahmen der Pränataldiagnostik das gesamte Genom des Kindes im Mutterleib durchtesten könne. Selbiges werde auch für den Embryo außerhalb des Mutterleibes möglich sein. Man könne so alle Gene testen, habe zugleich aber keine Ahnung, wie dieses Gene einmal "geschaltet" werden. Beck: "Wir alle hier sind genetisch betrachtet schwerst krank, aber die meisten todbringenden genetischen Veränderungen führen nicht zu einer Krankheit, weil die entsprechenden Gene nicht eingeschaltet werden."
"Ein Recht auf ein gesundes Kind kann es nicht geben, aber ein Recht auf Unterstützung", fügte Kronthaler hinzu. Die IVF sei im Grunde nicht erfolgreich, nur 20 von 100 behandelten Frauen würden ein Kind bekommen. Kronthaler: "Es soll Elternschaft im natürlich fruchtbaren Alter ermöglicht werden, und das ist nicht nur ein soziologisches Problem, sondern eine ganz große politische Aufgabe."