KA gegen Ausweitung der Ladenöffnungszeiten
Wien, 29.1.07 (KAP) Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) spricht sich gegen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten bis 22 Uhr aus, wie das zuletzt der "Handelsverband" (eine freiwillige Interessenvertretung von derzeit mehr als 150 großen Handelsbetrieben) gefordert hatte. Die Forderung sei ein weiterer Schritt zur Verfestigung der Konsumgesellschaft, betonte die Sprecherin des Forums "Arbeit, Wirtschaft&Soziales" der KAÖ, Prof. Christa Ellbogen, am Montag.
Wörtlich betonte Ellbogen: "Dies ist eine Forderung, deren Umsetzung dazu führen würde, dass Familienstrukturen weiter aufgeweicht und zerrissen werden". Familien in Österreich - und dazu gehörten natürlich auch Alleinerzieherinnen - bräuchten nicht flexible Arbeitszeiten bis mitten in die Nacht, sondern stabile Arbeitszeiten, so die Sprecherin der Forums "Arbeit, Wirtschaft und Soziales".
Es sei bedauerlich, dass gerade viele große Handelsunternehmen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht mehr bewusst seien. Ellbogen: "Besonders erschütternd finde ich es, dass die Schaffung flexibler Beschäftigungsmöglichkeiten jetzt schon als ein Argument für längere Öffnungszeiten herhalten muss. Dies ist eine Verdrehung der Tatsachen. Auch wenn für manche solche flexiblen Beschäftigungsmöglichkeiten interessant sein mögen, so sind sie doch für die große Mehrheit der Handelsangestellten die eine Familie haben, von eklatantem Nachteil". Man müsse auch die Nachteile für kleine Unternehmen und die Konzentration auf Einkaufszentren sehen, die geringere Dichte des öffentlichen Verkehrs am späten Abend, die sowohl für Angestellte wie auch Konsumenten Probleme macht und besonders für Pendler unzumutbare Bedingungen bringen würde, stellte Prof. Ellbogen fest.
An die Politiker appellierte die Sprecherin, den Wünschen des "Handelsverbandes" nicht nachzugeben und sich mehr am Gemeinwohl der Gesellschaft und am Lebensumfeld der Familien zu orientieren und dementsprechende Verantwortung auch von den Wirtschaftsunternehmen einzufordern. Bezüglich der geplanten Unterschriftenaktion der Unternehmen des "Handelsverbandes" sieht Ellbogen alle Christen gefordert, "nicht nur nicht zu unterschreiben, sondern offensiv gegen diese Forderung zu argumentieren".
Der "Handelsverband" will die Geschäfte bis 22 Uhr offen halten und damit eine Ausweitung der wöchentlichen Öffnungszeiten von derzeit 66 auf 96 Stunden. Im Regierungsprogramm ist eine Ausweitung auf 72 Stunden spätestens ab 1. Jänner 2008 vorgesehen. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, hat der Verband eine Bürgerinitiative zur Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten gestartet.