Frauenbewegung: Scheidende Vorsitzende zieht Bilanz
Margit Hauft zieht im "Kathpress"-Gespräch Bilanz über 20 Jahre an der Spitze der Katholischen Frauenbewegung - Die Frage der Weiheämter für Frauen ist für sie nicht vom Tisch
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Wien, 22.03.2012 (KAP) Auf eine Reihe von Erfolgen beim Thema Frau in der Kirche, aber auch auf manche Stagnationen kann Margit Hauft, scheidende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) zurückblicken. So seien kirchliche Führungspositionen auch für Frauen heute "selbstverständlich geworden" - z.B. als Amtleiterinnen in verschiedenen Diözesen Österreichs -, und es gebe eine Reihe kirchlicher Frauenkommissionen, etwa in Linz, wo Hauft dieser "Drehscheibe der Frauenfrage in der Kirche" selbst angehörte.
Mit gemischten Gefühlen betrachtet Hauft hingegen das Ergebnis der jüngsten Wahlen der Pfarrgemeinderäte, die zu 56 Prozent von Frauen gebildet werden. Und Stillstand ortet sie in der Frage der Weiheämter für Frauen.
Margit Hauft äußerte sich in einem "Kathpress"-Interview anlässlich ihres Rückzuges von der Spitze der kfbö, der bei der Mitgliedervollversammlung von Donnerstag bis Samstag in Linz offiziell wird. Die 62-jährige Welserin hatte den Vorsitz seit 1999 inne, von 1992 bis Ende 2011 war sie zusätzlich Vorsitzende der kfb der Diözese Linz und 13 Jahre lang auch Präsidentin der dortigen Katholischen Aktion. Am Freitag wählt die kfbö - mit 200.000 Mitgliedern die größte österreichische Frauenorganisation - in der oberösterreichischen Landeshauptstadt ihre neue Vorsitzende sowie zwei neue Stellvertreterinnen.
Zum zuletzt wie schon 2007 gestiegenen Frauenanteil unter den Pfarrgemeinderatsmitgliedern sagte Hauft, sie wisse dabei nicht, "ob ich mich freuen soll oder nicht". Männer scheuten eher als Frauen Funktionen, in denen sie "nur" beratend tätig und vom "good will" des Pfarrers abhängig seien. Ein hoher Frauenanteil in Gremien wie dem PGR könnte somit auch so interpretiert werden, dass diese für Männer nicht so attraktiv seien.
In der Frage der Weiheämter für Frauen "waren wir schon einmal weiter" als jetzt, bedauerte Hauft. In ihre zwölfjährige Funktionsperiode als kfbö-Vorsitzende sei das "Schluss der Debatte" in Bezug auf Priesterinnenweihe gefallen, das Johannes Paul II. im Apostolischen Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" vom Mai 1994 mit der fehlenden Vollmacht der Kirche begründete, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Sie merke immer wieder, "welche Verletzungen das bei Frauen hervorruft", über eine wichtige Frage nicht mehr reden zu sollen, sagte Hauft. Wobei freilich das "Diskussionsverbot" nicht halte, sondern das Interesse an der Frage erst recht schüre.
Diakoninnen: "Kaum ein theologischer Zweifel"
In der Frage des Frauendiakonates erinnerte Hauft an eine Handreichung, die die Pastoralkommission Österreichs - von der Bischofskonferenz approbiert - 1986 im Anschluss an eine Pastoraltagung "mit dem schönen Titel: 'Frau - Partnerin in der Kirche'" veröffentlicht habe. "Kaum ein theologischer Zweifel besteht darin, dass Frauen zum Amt des Diakonates zugelassen werden könnten", heißt es darin. Und die Pastoralkommission plädierte damals für die Wiederzulassung von Diakoninnen - "wie dies in Teilen der Alten Kirche über Jahrhunderte hindurch selbstverständlich war". 25 Jahre danach nennt Margit Hauft dies Erkenntnisse, "die ich mir jetzt als Aussagen wünschen würde".
Stattdessen höre sie, eine Diakoninnenweihe sei "nicht möglich, es sind uns die Hände gebunden". Das "beunruhigt und schmerzt" die scheidende kfbö-Vorsitzende, wie sie sagte.
Niemand könne ihr beantworten, wo in der Bibel Jesus ein Diakoninnenamt untersagt hätte. Und wenn mit dem Tun Jesu argumentiert werde, so erwidere Hauft, Jesus habe seine Kirche auf den "Felsen" Petrus gebaut, auf einen verheirateten Fischer. Haufts Überzeugung: "Jesus hat nicht Männer zu Priestern geweiht, er hat Menschen in seine Nachfolge gerufen" - und das auch Frauen in vielfältiger Weise.
Und noch andere Argumente hat die kfbö-Vorsitzende parat: Ein Diakoninnenamt würde der ohnehin von vielen Frauen geleisteten diakonischen Engagement entsprechen; Krankenhausseelsorgerinnen könnten nach entsprechender Weihe Leidenden die Krankensalbung spenden und müssten nach einem nicht einen "fremden" Priester bitten.
Dass die Kirche den Zeichen der Zeit Folge leisten könne, zeige auch die Wiedereinführung verheirateter männlicher Diakone durch das Zweite Vatikanische Konzil. Die Frage bleibt auf dem Tapet, ist Hauft überzeugt - etwa beim laufenden Dialogprozess in der katholischen Kirche Deutschlands.