Evangelische Militärseelsorge feiert 50-Jahr-Jubiläum
Wien, 30.1.07 Die evangelische Militärseelsorge feiert am Donnerstag, 1. Februar, ihr 50-jähriges Bestehen. Im Rahmen eines ganztägigen Symposiums mit dem Titel "Netzwerk der Betreuung" erörtern Ärzte, Psychologen, Militärethiker und Kommandanten den spezifischen Beitrag der Militärseelsorge. Ein großer Festakt, der am Donnerstagabend in der Wiener Landesverteidigungsakademie stattfindet, bildet dann den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten. Daran nehmen u.a. Verteidigungsminister Norbert Darabos, der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm und Generalstabschef General Roland Ertl teil. Eine hochrangige katholische Delegation wird von Militärbischof Christian Werner angeführt. Auch die leitenden Militärseelsorger aus Deutschland, Polen, der Schweiz, Slowenien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn werden anwesend sein.
Der Leiter der evangelischen Militärseelsorge in Österreich, Militärsuperintendent Oskar Sakrausky, betonte im Gespräch mit "Kathpress" und der ökumenischen Radioagentur "Studio Omega" die vielfältigen Aufgaben eines Militärseelsorgers in der gegenwärtigen Zeit. Neben der seelsorglichen und psychologischen Betreuung der Soldaten und der Feier von Gottesdiensten seien die Seelsorger auch prädestiniert, die Kommandanten zu beraten. Ein Militärpfarrer sei vom Grundwehrdiener bis zum General mit allen Soldaten im Gespräch und könne so wichtige Hinweise zum Gelingen des militärischen Betriebs geben. Militärseelsorger seien wichtige Ansprechpartner in Fragen der Militärethik und in sozialen, religiösen und kulturellen Fragen. Militärpfarrer gehören dem Bundesheer an und tragen auch die Uniform.
Was die Seelsorge betrifft, gehe es im persönlichen Gespräch so gut wie immer um menschliche Probleme, meist um Partnerschaftsfragen, so Sakrausky weiter. Das sei in den Kasernen in Österreich nicht anders als im Auslandseinsatz. Die Seelsorger versuchten, den Soldaten immer mit einem offenen Ohr zur Seite zu stehen. Der Militärsuperintendent hob auch die gute ökumenische Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und den katholischen Seelsorgern hervor.
Neben den seelsorglichen Tätigkeiten sind die Militärseelsorger im Auslandseinsatz auch mit humanitärer Hilfe präsent. So habe die evangelische und katholische Militärseelsorge im vergangenen Jahr etwa in Bosnien zwei Hilfsprojekte unterstützt. Bei ersterem wurden arme Familien mit Schafen versorgt, sodass sie sich wieder eine eigene Existenz aufbauen können; das zweite Projekt betraf behinderte Kinder, die mit Lernbehelfen und Spielzeug versorgt wurden. In Afghanistan habe man zudem vor einiger Zeit mit Unterstützung der Diakonie den Bau einer Schule und eines Kindergartens vorangetrieben. Sakrausky sprach im Zusammenhang mit diesen Hilfsprojekten auch von einer "konkreten friedensfördernden Maßnahme".
Neben Sakrausky sind in Österreich derzeit noch sechs weitere Seelsorger und eine Seelsorgerin im Einsatz. Seit 2003 ist Susanne Baus als erste Militärpfarrerin im Österreichischen Bundesheer tätig. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten sei sie inzwischen als Pfarrerin und Soldatin voll akzeptiert, so Baus gegenüber "Kathpress" und "Studio Omega". Auffallend sei, dass beim Bundesheer das Bedürfnis, mit einem Pfarrer oder einer Pfarrerin zu sprechen, größer sei, als in einer "normalen" Pfarrgemeinde. Zu ihrer Funktion im Bundesheer betonte Baus, dass es ihre erste Aufgabe sei, Soldaten in einem Einsatz zu begleiten, auch wenn sie persönlich nicht davon überzeugt sei, dass der Einsatz gerechtfertigt ist.
Der erste hauptamtliche evangelische Militärpfarrer Hellmut May, der Bruder des damaligen lutherischen Bischofs Gerhard May, trat seinen Dienst im Österreichischen Bundesheer am 1. Februar 1957 an.