Schönborn: Solidarität mit bedrängten Christen im Orient
Wien, 30.1.07 (KAP) Die Solidarität der Kirchen in Österreich mit den bedrängten Christen im Nahen und Mittleren Osten hat Kardinal Christoph Schönborn betont. Beim traditionellen Ökumenischen Empfang im Wiener Erzbischöflichen Palais verwies der Kardinal auf die dramatische Entwicklung im Nahen Osten. Umso notwendiger sei das Gebet und die wachsame solidarische Sorge für die Kirchen im Orient.
Zum interreligiösen Dialog mit dem Islam bekräftigte Kardinal Schönborn sein Anliegen, dass Christen und Muslime verstärkt über das Thema "Mission" sprechen müssten. Beide Religionen könnten auf den Missionsanspruch nicht verzichten, zugleich gelte es aber, im gegenseitigen Respekt unter Achtung der Menschenrechte miteinander zu leben. Wie dies gelingen kann, sei eine dramatische Herausforderung für beide Religionen.
Bei dem Empfang im Erzbischöflichen Palais würdigte Schönborn auch die ökumenische Situation in Österreich und hob die gemeinsamen gesellschaftspolitischen Anstrengungen der christlichen Kirchen im Land hervor. Besonders freue es ihn auch, dass die neue Regierung das im Österreich-Konvent erarbeitete Verfassungsprojekt wieder aufgreifen will. Bei diesem Projekt habe sich die Zusammenarbeit der Kirchen in Österreich besonders fruchtbar gezeigt.
Als ein besonders starkes Zeichen der Ökumene wertete der Wiener Erzbischof die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV3) im rumänischen Sibiu im September 2007. Ebenso sei auch der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Österreich im September nicht nur für die katholische Kirche, sondern für alle Christen im Land von großer Bedeutung.
Sehr erfreut zeigte sich der Kardinal auch über die Verleihung des diesjährigen "Kardinal König-Preises" der Stiftung "Communio et Progressio" an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Das Oberhaupt der Orthodoxie wird die Auszeichnung am 13. März, dem dritten Todestag von Kardinal König, im Wiener Stephansdom entgegennehmen.
Maria und die Ökumene
Pastor Helmut Nausner von der methodistischen Kirche berichtete über die vielfältigen österreichischen Vorbereitungen auf die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung. Dazu zählt als einer der Höhepunkte ein ökumenisches Symposion über Maria am 18./19. März in Mariazell. Wie der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm dazu sagte, sei es eine spannende Herausforderung, gemeinsam in Mariazell "den Glauben Marias als Entwurf von Kirchesein" zu reflektieren. Es gelte, "aus diesem Glauben Marias heraus Kraft zu gewinnen, damit die Ökumene wächst".
Bischof Sturm - in seiner Funktion als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) - und Kardinal Schönborn unterzeichneten im Rahmen des Ökumenischen Empfangs gemeinsam einen Brief an Kardinal Walter Kasper, den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, in dem sie ihn über das Symposion in Mariazell informieren. Zugleich enthält der Brief auch Vorschläge, wie der Papst bei seinem Österreich-Besuch ein ökumenisches Zeichen setzen könnte. Kopien des Briefes ergehen an den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen" (CCEE), die Konferenz Europäischer Kirchen (CEC) und den päpstlichen Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat.
Aus Österreich werden 55 Delegierte an der EÖV3 in Sibiu teilnehmen, wie Pastor Nausner mitteilte. Es sollten aber auch schon davor viele Gläubige aus Österreich nach Sibiu reisen, um mit den Christen in Siebenbürgen in Kontakt zu kommen.
Ökumene und Schule
Die Leiterin des Wiener Erzbischöflichen Schulamtes, Christine Mann, und der für Schulagenden zuständige evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker konnten über einige sehr erfreuliche Entwicklungen im Schulbereich berichten. Zum einem könne etwa das ökumenisch und interreligiös ausgerichtete "Pilgrim"-Projekt große Erfolge aufweisen, wie Mann berichtete. Das Projekt verbindet ökologische Nachhaltigkeit mit Religion und Spiritualität. Damit eine Schule als "Pilgrim"-Schule anerkannt wird, muss pro Schuljahr mindestens ein Projekt durchgeführt werden, in dem soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit und eine lebenswerte Umwelt thematisiert werden. Dabei ist jeweils das Fach Religion in die Planung einzubeziehen. Mehr als 90 Schulen in ganz Österreich sind bereits anerkannte "Pilgrim"-Schulen.
Höchst erfreulich habe sich auch das Projekt "Kirchliche Pädagogische Hochschule in Wien" entwickelt, das mit September den vollen Betrieb aufnehmen wird, so Oberkirchenrat Bünker. Die neue Hochschule ist ein Gemeinschaftsprojekt von katholischer, altkatholischer, orthodoxer und evangelischer Kirche. Gespräche mit den altorientalischen Kirchen über eine Zusammenarbeit seien bereits im Gang, so Bünker, der betonte, dass hier ein europaweit einzigartiges Projekt im Entstehen sei.
"Pro Oriente"-Initiativen
Die Stiftung "Pro Oriente" möchte heuer den Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche sowie mit den orthodoxen Kirchen Südosteuropas weiter intensivieren, wie "Pro Oriente"-Präsident Hans Marte beim Ökumenischen Empfang mitteilte. Zugleich stünden die Beziehungen zum Islam im Zentrum der inhaltlichen Bemühungen. Dabei wolle man großes Augenmerk auf die orientalisch-orthodoxen Kirchen legen, die sich im islamischen Umfeld oft von den Christen des Westens vergessen fühlen.
Der Wiener Ostkirchenexperte Prof. Rudolf Prokschi konnte von guten Fortschritten in den von "Pro Oriente" initiierten ökumenischen Kommissionen zu den Unionen von Brest und Siebenbürgen berichten. Ziel dieser Projekte sei es, eine gemeinsame und von allen Konfessionen anerkannte Darstellung der historischen Ereignisse zu verfassen, die im Jahr 1596 zur "Union von Brest" (in der damaligen polnisch-litauischen Doppelrepublik) und im Jahr 1700 zur "Union von Siebenbürgen" und damit zur Gründung von unierten Ostkirchen geführt haben.
Laut Prokschi sollen erste Ergebnisse des Forschungsprojekts zur "Union von Siebenbürgen" bereits bei der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) im September in Sibiu schriftlich präsentiert werden. Prokschi regte auch an, gewisse ökumenische Ereignisse wie offizielle Dialoge zwischen Kirchen oder auch die EÖV3 jeweils anlassbezogen mit einem gemeinsamen Gebet zu begleiten und zu unterstützen. Dazu sollte immer abwechselnd eine andere Kirche einladen.