Schulreform mit unterschiedlicher kirchlicher Resonanz
Kritik an "Neuer Mittelschule" kommt von der Katholischen Aktion, Lob für den eingeschlagenen Reformweg äußert hingegen der Hauptverband Katholischer Elternvereine
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Wien, 30.03.2012 (KAP/Katholisch.at) Die am Donnerstag im Parlament offiziell erfolgte Aufnahme der "Neuen Mittelschule" ins Regelschulwesen ruft unterschiedliche Resonanzen bei kirchlichen Einrichtungen und Vertretern hervor. So stellt sich der Bundesverband Katholischer Elternvereine dezidiert hinter die Reformagenda von Bildungsministerin Claudia Schmied: "Wir begrüßen den Beschluss der 'Neuen Mittelschule' im Nationalrat als wichtigen Schritt hin zu einer zukunftsorientierten, qualitätsvollen Schulentwicklung", erklärte die Präsidentin des Hauptverbandes Katholischer Elternvereine Österreichs, Cornelia Franckenstein, im Gespräch mit "Kathpress".
Zugleich rief Franckenstein in Erinnerung, dass die am Donnerstag erfolgte parlamentarische Aufnahme der "Neuen Mittelschule" in das Regelschulwesen nur ein "Teil des gesamten Reformkanons" sei. Nun gelte es, "die gefassten Beschlüsse rasch und konsequent umzusetzen". Weitere Verzögerungen in der Reform des Bildungswesens seien kontraproduktiv.
"Es bringt nichts, sich dem Wandel zu verschließen", vielmehr müsse man nun, wo die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen sind, "sich aktiv für den Reformprozess einsetzen", so Franckenstein. Es sei "unglaublich", wie viel im Bildungswesen in Bewegung geraten sei, "was früher undenkbar war". Diesen Schwung gelte es positiv und im Sinne der Schülerinnen und Schüler zu nutzen, appellierte die Präsidentin. "Die Zeit ist da, sich positiv gestaltend einzubringen."
Der Hauptverband Katholischer Elternvereine Österreichs versteht sich als Interessenvertretung der Eltern von Schülerinnen und Schülern an katholischen Privatschulen. In Österreich gibt es etwas mehr als 300 katholische Privatschulen mit knapp über 70.000 Schülern.
Ablehnung von Seiten der Katholischen Aktion
Als "ungeeignet, um soziale Ungerechtigkeiten auszugleichen" hat hingegen die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) die "Neue Mittelschule" kritisiert. Die Benachteiligung von Kindern aus bildungsferneren Herkunftsfamilien werde weitergeschrieben und das Wohl aller Kinder sei nach wie vor nicht im Zentrum der Überlegungen, so KAÖ-Präsidentin Luitgard Derschmidt am Donnerstag in einer Presseaussendung. Sie sprach von einem "Schaden für die Zukunft", wertvolle Begabungen gingen verloren.
Gerade aus christlicher Sicht sei es ein Auftrag, "jenen Kindern, die schon schlechtere Ausgangsbedingungen mitbringen, besonderes Augenmerk zu schenken". Denn es geht dabei nicht nur um die Zukunftschancen und den Verlust von Möglichkeiten für die betroffenen Kinder, "sondern es entsteht auch massiver Schaden für die Zukunft Österreichs".
Deutlich werde in der Bildungspolitik wieder einmal die Nachteile der unterschiedlichen Zuständigkeiten von Bund, Land und Gemeinden. Außerdem sei es höchste Zeit, "Bildung endlich aus dem Bereich der Parteienideologien heraus zu nehmen". Oberster Grundsatz der Bildungspolitik müsse schließlich das Wohl aller in Österreich lebenden Kinder sein, betonte Derschmidt.