Gute Seelsorge weiß um Normen und begleitet Menschen
Wiener Erzbischof über das Spannungsverhältnis von Regeln und seelsorglichem Dienst angesichts zahlreicher "irregulärer" Lebenssituationen
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Wien, 02.04.2012 (KAP) Ein guter Seelsorger kennt und steht zu den christlichen Normen und begleitet die Menschen in die "Freundschaft mit Jesus". Diese "Hilfestellung" gab Kardinal Schönborn den Priestern für den Umgang mit "pastoralen Nöten" und "irregulären Situationen". Dieser Weg sei "weder rigoros noch lax", sagte der Wiener Erzbischof bei der traditionellen Chrisammesse am Montagabend.
In seiner Predigt im Stephansdom ging der Kardinal auf Situationen ein, mit denen die Seelsorger häufig konfrontiert sind, wenn Menschen unverheiratet zusammenleben, geschieden und wiederverheiratet sind oder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben. Beim Umgang damit gelte es, den Weg gemeinsam zu gehen, "mit und in der Kirche und treu zu ihrer Lehre". Gleichzeitig brauche es das "Bewusstsein der Heilsbedürftigkeit", das heute oft zu fehlen scheine.
In allen drei exemplarisch genannten Lebenssituationen gehe es nicht zuerst um "Kirchenrecht" und seine angebliche Enge, "sondern um die Schöpfungsordnung und ihre verbindliche Auslegung durch Jesus selbst", sagte der Kardinal und führte aus: "Wir verteidigen mit der kirchlichen Lehre nicht 'konfessionelles Sondergut' der Katholiken, sondern den 'Masterplan' des Schöpfers: dass Gott selber den Menschen als Mann und Frau, nach seinem Bild, geschaffen hat; dass also die Geschlechterdifferenz und ihr Zueinander von Gott gewollt ist; dass er beiden das Gebot gegeben hat 'Wachset und vermehrt euch'; dass deshalb der Mann Vater und Mutter verlassen wird und die beiden ein Fleisch werden".
Dies habe "Jesus mit Vollmacht gültig ausgelegt", wenn er sagt: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen", betonte der Kardinal. Dies sei die Grundlage der ganzen christlichen Auffassung von Ehe und Fruchtbarkeit und auch der Überzeugung, dass "geschlechtliche Vereinigung nur eingebettet in der Ehe zwischen Mann und Frau der Schöpfungsordnung entspricht".
Für eine glaubwürdige Verkündigung und Seelsorge sei es daher notwendig, dass dies auch von den Priestern selbst so gesehen und geglaubt wird, mahnte der Wiener Erzbischof an und sagte: "Es ist eine Freude und ein Segen zu erleben, dass ein Leben nach der Weisung Gottes für Mann und Frau im Leben 'stimmt' und dem Leben große Strahlkraft gibt." Es sei keine "altmodische Engstirnigkeit, wenn die Kirche lehrt, dass die Sexualität ihren echten Platz im geborgenen und verbindlichen Raum der unauflöslichen Ehe hat".
Zum Einwand, dass ein derartiger "Masterplan" heute nicht mehr lebbar sei, hielt der Kardinal entgegen, dass es dennoch solche "anschaulichen Vorbilder" gäbe. Auch mache es im seelsorglichen Umgang damit einen Unterschied, "ob man im Versuch, nach Gottes Ordnung zu leben, scheitert - oder ob man daran scheitert, ohne es je versucht zu haben".
Um den "Masterplan" des Schöpfers zu verstehen und leben zu können, sei es daher wichtig, "immer wieder die Norm in Erinnerung zu rufen". Dabei dürfe es aber nicht bleiben. In einem echten christlichen Leben sei es notwendig, "Jesus selber besser kennen zu lernen, in seine Freundschaft hineinzuwachsen." Die Seelsorger sollten diesen Weg eines Menschen mit Geduld und Ermutigung fördern. "Der gute Hirte hält an beidem fest: Der Überzeugung, dass Gottes Masterplan richtig, für den Menschen gut und beglückend ist, und am liebevollen, geduldigen Weg, auf dem Jesus uns in seine Freundschaft führt", so Kardinal Schönborn in seiner Predigt an die Priester der Erzdiözese Wien.