Küberl mahnt mehr Anstand und Transparenz in Politik ein
Caritaspräsident fordert mehr Einsatz gegen Armut und begrüßt Entscheidung von Kardinal Schönborn, bekennenden Homosexuellen als Pfarrgemeinderat zuzulassen
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Wien, 06.04.12 (KAP) Mehr Anstand und Transparenz in der Politik sowie mehr Engagement der Regierung gegen Armut hat Caritas-Präsident Franz Küberl am Freitag eingemahnt. Wenig Freude hat er auch mit der heimischen Bildungspolitik. Die Gefahr einer Kirchenspaltung durch die "Pfarrer-Initiative" sieht der Caritas-Präsident nicht. Beifall spendet er für die Entscheidung von Kardinal Christoph Schönborn, einen bekennenden Homosexuellen als Pfarrgemeinderat zuzulassen. Küberl äußerte sich in Interviews mit der "Austria Presse Agentur" (APA) und der Tageszeitung "Kurier" am Freitag.
Transparenz sei der "natürliche Feind der Korruption", so Küberl. Einen Anstandskodex, wie ihn die ÖVP derzeit plant, begrüßte er zwar grundsätzlich, blieb aber auch skeptisch. Dies dürfe kein "Taschentuch für Augenauswischerei" werden. Schon mehrmals habe es derartige Regelungen gegeben, die nach dem Wahlkampf wieder vergessen worden seien. Die Parteien müssten ihre Widerstandsfähigkeit gegen Korruption und Mauschelei jetzt jedenfalls nachweisen, "denn das ist politisches Gärgas, das sogar die Demokratie gefährden könnte". Eine "Triebfeder für Transparenz" könne letztendlich nur Zivilcourage sein.
Kritik übt Küberl an den eben erst beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen: "Sparpakete sind immer Vergangenheitsbewältigung, die Zukunftsbewältigung fehlt aber." So hätte die Regierung etwa versprochen, die Armut bis 2020 um die Hälfte einzudämmen - "aber man merkt nichts davon". Notwendig sei vor allem, für ältere Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Offene Bildungsfragen
Auch im Bildungsbereich ortete Küberl viele offene Fragen, etwa bei Schulabbrechern sowie -schwänzern. Bei diesem Thema seien in jüngster Zeit viele Politiker in die "Populismusfalle" getappt. Dabei würde rund ein Drittel der Schüler fernbleiben, um etwa familiäre Pflichten zu erfüllen, so Küberl. Ein weiteres Drittel bleibe aufgrund von Mobbing oder Schulangst fern; in diesen Bereichen müsse man ebenfalls ansetzen. Ein grundlegendes Problem: "Es gibt keinen strukturierten Kontakt der Lehrer mit den Eltern.
Von Strafen für Schulschwänzer, wie es Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz vorgeschlagen hat, hält Küberl wenig: "Das klingt gut, nur bringt es nichts." Grundsätzlich hat er aber für den jungen Politiker viel übrig: "Die Caritas ist froh darüber, dass es endlich ein Integrationsstaatssekretariat gibt" - auch wenn sich die Caritas vielmehr ein eigenes Ministerium für diese Agenden gewünscht hatte. Kurz habe aber vorgezeigt, dass es einen vernünftigen Zugang zu diesem Thema geben kann. Denn: "Es gibt eine Menge von lösbaren Problemen."
Missbrauch aufarbeiten
Lob äußerte Küberl für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche: "Gott sei Dank wird das endlich bearbeitet." Persönlich habe ihn am meisten schockiert, "wie lange die Kirche es zugelassen hat, dass Schwächere, vor allem Kinder, geschlagen, missbraucht und unterdrückt werden". Küberl: "Wie konnte das passieren, dass die Anhänger dieses Jesus das toleriert, zum Teil sogar befürwortet haben? Das muss man wirklich theologisch und historisch aufarbeiten."
Die Gefahr einer Kirchenspaltung im Zusammenhang mit der Pfarrer-Initiative sieht er nicht. Die Positionen seien zwar "recht weit auseinander", aber es gebe keine Alternative zum Dialog. "Es muss auch möglich sein, Unterschiede über einen längeren Zeitraum auszuhalten. Das sollte die Stärke der katholischen Kirche sein", so der Caritas-Präsident. Der "Aufschrei" der "Pfarrer-Initiative" komme ja aus dem inneren katholischen Milieu. Küberl: "Ich glaube, dass auch die Oberen in Wirklichkeit sehen, was es da wirklich für Nöte gibt. Lösen kann man nur miteinander, nicht gegeneinander."
Zustimmung und Unterstützung gab es vom Caritas-Präsidenten für die Entscheidung Kardinal Schönborns, einen bekennenden Homosexuellen als Pfarrgemeinderat zuzulassen. Die Entscheidung des Kardinals halte er für "sehr mutig und richtungsweisend". Küberl: "Er hat den Blick auf den ganzen Menschen gerichtet. Es heißt ja immer, dass die Kirche gar nichts verändert: Mit seiner Entscheidung hat der Kardinal auch einen psychologischen Bremshebel gelockert."
55 Millionen Euro für die Caritas
Bei einer Kernaufgabe der Caritas, der Hilfe notleidender Menschen, kann Küberl Positives vermelden. Bis zu 55 Millionen Euro seien im vergangenen Jahr gespendet worden, knapp zehn Millionen Euro allein für die Hungerhilfe in Ostafrika, so eine vorläufige Schätzung. Beim neuerlichen Spendenaufruf für Westafrika habe man sich kein finanzielles Ziel gesetzt, denn: "Grundziel ist es, den Hunger abzuschaffen."