Schüller von Papst-Worten "angenehm überrascht"
Obmann der "Pfarrer-Initiative" Helmut Schüller in "ZIB 2" zur Papst-Predigt: "Keine Rede mehr von Verbot oder Sanktionen"
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» Papst-Predigt bei Chrisammesse |
Wien-Vatikanstadt, 06.04.12 (KAP) "Angenehm überrascht" hat sich in ersten Reaktionen der Obmann der "Pfarrer-Initiative", Helmut Schüller, von der ausführlichen, wenn auch kritischen Erwähnung des "Aufrufs zum Ungehorsam" durch Papst Benedikt XVI. gezeigt. Wichtig sei, dass der Heilige Stuhl die Priester mit ihren Forderungen wahrnehme. Auch sei in den Äußerungen Benedikts XVI. "keine Rede von einer Sanktion oder einem Verbot" gewesen, so Schüller Donnerstagabend in der "ZIB 2".
Auch zeigte sich Schüller zuversichtlich, dass die Papstworte eine größere "Nachdenklichkeit" bei den österreichischen Bischöfen hervorrufen könnten, da "der Papst offensichtlich einen Platz für uns in der Kirche sieht" und die aufgeworfenen Fragen "nicht rundweg abgewiesen" habe. Nun seien die Bischöfe aufgefordert, über Probleme "ganz offen mit Rom zu reden".
Benedikt XVI. hatte in einer Predigt vor mehreren tausend Priestern bei der traditionellen Chrisammesse am Gründonnerstag das Streben nach "wirklicher Erneuerung" von Versuchen abgegrenzt, die Kirche nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu verändern. Dabei wandte er sich gegen einen Ungehorsam, "der sich auch über endgültige Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes hinwegsetzen soll".
Als Beispiel nannte Benedikt XVI. die Frauenordination. Diese Frage sei "in unwiderruflicher Weise" entschieden. Den "Aufruf zum Ungehorsam" bewertete der Papst zwar als motiviert aus "Sorge um die Kirche", aus der Erkenntnis über die "Trägheit der Institutionen" und der Notwendigkeit, "neue Wege zu öffnen", jedoch als nicht mit der Haltung Jesus konform.
Kardinal Christoph Schönborn hatte in einer Erklärung die Papstworte als "Ermutigung für die Kirche in Österreich" gewertet. Zugleich betonte Schönborn, der Papst habe in seiner Predigt an die Pfarrerinitiative "ein paar sehr ernste Fragen gestellt".
"Wir werden dran bleiben"
Diese streitet auch Helmut Schüller nicht ab - auch wenn er glaube, dass etwa in der Frage der Ordination von Frauen noch nicht - wie vom Papst unterstrichen - das letzte Wort gesprochen sei. "Wir werden dran bleiben und nicht nur hinnehmen, dass es unveränderliche Lehren gibt. Die Lehre der Kirche hat sich immer verändert, wo Menschen weiter diskutiert haben", so Schüller. Dies bedürfe jedoch eines langen Atems, "Geduld und Zähigkeit".
Schüller wies zugleich jegliche Spaltungstendenzen von sich: "Mittlerweile erkennen auch die Bischöfe, dass von Spaltung keine Rede ist. Wir führen die Menschen an der Basis zusammen, wir sind Pfarrer, die täglich die Gemeinden zusammenhalten", so der Obmann der "Pfarrer-Initiative". Weiters lobte Schüller die in der heimischen Kirche "lebendige Diskussion" über Zukunftsfragen: "Wir sind ein Land, in dem erstaunlich lebendig und vital über die Kirche diskutiert wird."
Laut Schüller läuft auch die internationale Vernetzung der "Pfarrer-Initiative" weiter. So sei man mittlerweile unter anderem in Kontakt mit Initiativen aus Deutschland, der Slowakei, Frankreich, Lateinamerika, Australien, den USA und Irland.
Zulehner: Papstworte "im Modus des Fragens"
Positiv viel auch die Reaktion des Wiener Pastoraltheologen Paul M. Zulehner auf die Papstpredigt aus. Die Aussagen des Papstes zum "Aufruf zum Ungehorsam" seien "im Modus des Fragens" formuliert worden, so Zulehner am Donnerstagabend in der "ZIB 2". Den Papst bewege ebenso die Frage der kirchlichen Reform, allerdings stets mit der Frage verbunden, wie dies im Gleichklang mit dem Evangelium gelingen könne. Genau dies sei auch "seine Bitte an die Pfarrer und an die Ortskirche" gewesen, so Zulehner.
Ähnlich interpretierte auch der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von "Radio Vatikan", P. Bernd Hagenkord, die Papstpredigt. Es greife zu kurz, die Papstworte einfach als Kritik an den Fragen der "Pfarrer-Initiative" zu werten. Vielmehr warne Benedikt XVI. vor "einfachen Lösungen" und lenke stattdessen den Blick auf bestehende "Dynamik und Bewegung in der Kirche heute".