Papst: Auch mit 85 volles Arbeitsprogramm
Neben Reisen, Enzykliken, Lehrschreiben und kirchenpolitischen Problemstellungen wie der Missbrauchskrise gehören Audienzen und Gottesdienste zum Papstalltag
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Vatikanstadt, 16.04.12 (KAP) Auch heute, kurz vor seinem 85. Geburtstag, ist das Arbeitsprogramm von Papst Benedikt XVI. noch unvermindert dicht. Neben einem intensiven Reiseprogramm, Enzykliken und Lehrschreiben, kirchenpolitischen Problemstellungen wie der Missbrauchskrise und den Verhandlungen mit den Piusbrüdern, ist der päpstliche Arbeitsalltag von Audienzen und Gottesdiensten geprägt. Der Papst feiert am 16. April seinen 85. Geburstag.
Sein Pontifikat im Jahr 2005 begann mit einem Besuch in seiner deutschen Heimat, zum 20. Weltjugendtag in Köln. Im Mai 2006 folgte ein viertägiger Besuch in Polen, dem sich im Juli eine Spanien-Visite anschloss und im September die Reise nach Bayern, die vor allem durch die "Regensburger Rede" historisch wurde. Benedikt musste seine Aussageabsicht schließlich in einem Treffen mit Muslimen in Castel Gandolfo verdeutlichen.
Verlorenes Terrain im Verhältnis zum Islam wurde aber vor allem durch den geglückten Türkeibesuch im November 2006 zurückerobert. Es war Benedikts erster Besuch in einem islamischen Land. Wichtig war auch das Zusammentreffen mit dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I.
Die Auslandsreisen nach Brasilien und Österreich waren die Höhepunkte des Jahres 2007. In einer Rede vor den lateinamerikanischen Bischöfen sagte der Papst bereits ein Jahr vor Ausbruch der Finanzkrise, dass weder Marxismus noch "Raubtier-Kapitalismus" ihre Versprechungen halten könnten. In Österreich besuchte Benedikt XVI. im September 2007 eine Kirchenlandschaft, die ihre schweren Zerreißproben der Jahre 1995 ("Causa Groer") bis 2004 (Ablöse Bischof Krenns) weitgehend überwunden hatte.
2008 unternahm der "deutsche Papst" gleich zwei große Interkontinental-Visiten: erst in die USA und dann zum Weltjugendtag nach Sydney. Ein Überraschungserfolg war die Reise ins laizistische Frankreich. Im Zuge des Paulus-Jahres, das bis Juni 2009 ging, versuchte Benedikt XVI. vorher, die Gestalt des Völkerapostels, der oft im Schatten von Petrus steht, stärker in den Blick der Weltkirche zu rücken.
Eklat um die "Pius-Brüder"
Zu Jahresbeginn 2009 lief für den Papst und den Vatikan vorerst manches schief. Die Rücknahme der Exkommunikation von vier lefebvrianischen Bischöfen - eigentlich als Geste der Versöhnung und des Entgegenkommens gedacht - wurde in den Medien und bis in den politischen Raum hinein zum Eklat. Es brauchte etliche Klarstellungen, um Missdeutungen der Rücknahme der Exkommunikation bei den eigenen Gläubigen, bei jüdischen Dialogpartnern und politischen Beobachtern abzubauen.
Der Eklat hatte auch Auswirkungen auf andere Vatikan-Initiativen. Die Afrikareise im März 2009 wurde von einer Polemik um den Gebrauch von Kondomen im Kampf gegen Aids überschattet. Nur in knapper Form fanden hingegen die Appelle des Papstes aus Kamerun und Angola für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität und seine Botschaft gegen Armut, Gewalt und Korruption Eingang in die Medienberichte.
Die Reise nach Jordanien, Israel und ins palästinensische Bethlehem wurde schließlich wieder ein Erfolg: Die Begegnung mit muslimischen Würdenträgern in Amman gab dem Dialog mit dem moderaten Islam neuen Auftrieb.
Rechtzeitig zum "G8-Gipfel" in L'Aquila legte der Papst im Juli 2009 seine Sozialenzyklika "Caritas in veritate" vor. Überraschend konkret äußerte sich der Papst zu Verzerrungen und Missständen in Wirtschafts- und Finanzsystemen: zum Skandal des Hungers, zur Neuen Armut, zum wachsenden Graben zwischen Arm und Reich, zum Recht auf Arbeit, zur Schwächung der sozialen Netze und zum Umweltschutz. Seine zentrale Botschaft: Die Wirtschaft braucht für ihr korrektes Funktionieren die Ethik. Große Wertschätzung hatten auch die beiden ersten Enzykliken Benedikts XVI., "Deus caritas est" (2006) und "Spe salvi" (2007), sowie die beiden Jesus-Bücher erfahren.
Dichtes Programm auch 2010
Das dichte Papstprogramm 2010 - Großbritannien, Portugal, Zypern, Missbrauchskrise, Priesterjahr - wies mehrere Erfolge auf. In England gelang es dem Papst, für Überraschungen zu sorgen und gleich in mehreren Problembereichen einen Durchbruch zu schaffen. Vielen Protestdrohungen und auch vatikanischen Sorgen zum Trotz konnte er in Edinburgh, Glasgow, London und Birmingham mit seiner Botschaft und seiner Persönlichkeit die Katholiken begeistern. Gleichzeitig gelang es, die kritischen britischen Medien zu überzeugen oder zumindest zu beeindrucken.
In Zypern stellte der Papst den Bischöfen aus dem Nahen Osten das Synodendokument für die große Bischofsversammlung vor. Das "Jahr des Priesters" ging am 10. Juni 2010 mit einer internationalen Gebetswache und einer Papstmesse zu Ende. Zehntausende Priester aus allen Erdteilen kamen dazu nach Rom, und der Papst sprach sehr offen das Missbrauchsthema an.
2011: Seligsprechung und Deutschlandbesuch
Größtes Ereignis 2011 war am 1. Mai die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. Rund 1,5 Millionen Menschen defilierten im Petersdom am ausgestellten Holzsarg des neuen Seligen. Auslandsreisen führten den Papst nach Kroatien, Spanien, Deutschland und Benin. Die Reise zum Weltjugendtag in Madrid, wo eine Million Jugendliche auf ihn warteten, war für Benedikt XVI. ein bestärkendes Erlebnis.
Der Besuch in Deutschland war ein herausragendes, wenn auch schwieriges Großereignis. Mit seiner Rede im Berliner Reichstag setzte Benedikt XVI. seine großen Ansprachen von Regensburg, Paris, Wien und London zum Verhältnis von Glauben und Vernunft, Religion und Gesellschaft fort. Die anschließende ökumenische Begegnung in Erfurt war von hohen Erwartungen und manchen Missverständnissen überlagert. Bei der Abschiedsstation in Freiburg gab es lobende Papstworte für den sozialen und karitativen Einsatz der deutschen Katholiken, der Papst mahnte aber auch vor zu viel Routine und einem Überhang an Strukturen und forderte mehr "Ent-Weltlichung". Was er konkret damit meinte, darüber setzte eine breite Diskussion ein.
Ein weiteres Highlight 2011 war das interreligiöse Friedenstreffen im mittelitalienischen Assisi. Wie schon sein Vorgänger schwor Benedikt XVI. in der Franziskus-Stadt die Führer aller großen Weltreligionen auf den Einsatz für Frieden und die Ablehnung jeder Gewalt im Namen Gottes ein.
"Jahr des Glaubens", Mexiko und Kuba
Die Diskussion darüber bleibt auch im jetzt beginnenden "Jahr des Glaubens" aktuell. Der Papst will damit an den 50. Jahrestag der Konzilseröffnung erinnern und Impulse zur Neuevangelisierung besonders Westeuropas fördern. Die Bischofssynode im Oktober, die die Themen "Konzil" und "Glaubensverkündigung heute" behandeln will, verspricht vor allem wegen der erwarteten Statements zur Reform - Stichwort Pfarrerinitiative - spannend zu werden.
Den Balanceakt in Kuba und die Konfrontation mit der mafiosen Gewalt in Mexiko - Highlights des März 2012 - bewältigte Benedikt ebenfalls. Nach Ansicht des Experten P. Christian Tauchner griff der Papst, der sichtlich müde und erschöpft war, in Lateinamerika auch das befreiungstheologische Prinzip des politischen Einsatzes für eine gerechtere Gesellschaft auf, obwohl Benedikt XVI. aus seiner Zeit als "Glaubenspräfekt" für diesbezüglich kritische Instruktionen verantwortlich ist.