Seelsorger sollen "Augenhöhe" mit Menschen suchen
"Kirche muss im Heutigen sein", betont der frühere Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz in Interviews zu seinem bevorstehenden 85. Geburtstag - Diözese Graz-Seckau dankte Altbischof bei Festmesse in Graz
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Graz, 22.04.2012 (KAP) Die katholische Kirche "muss im Heutigen sein", ist in diesem Sinn immer erneuerungsbedürftig und ihre Seelsorger sollen auf "Augenhöhe" den Kontakt mit den Menschen suchen. Das hat der Grazer Altbischof und frühere Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber, in mehreren Interviews aus Anlass seines bevorstehenden 85. Geburtstags am 26. April betont.
Er habe keine Patentrezepte wie Kirche die Menschen ansprechen könne, sagte der Altbischof in einem am Sonntag gesendeten Radiointerview für das ORF-Landesstudio Steiermark. Der direkte und auf "Augenhöhe" stattfindende Kontakt der Seelsorger mit den Menschen sei jedoch ein Grundelement: "Man muss diese Augenhöhe suchen und eine große Hörbereitschaft haben", sagte Weber, und weiter: "Ich glaube, die Menschen erwarten weniger, was sagt jetzt die Kirche. Die Menschen erwarten, dass man da ist und mit ihnen lebt."
"Die Kirche muss im Heutigen sein" und dürfe sich "nicht zurückträumen an vergangene Zeiten" verteidigte der Altbischof zudem das Zweite Vatikanische Konzil. Es sei "völliger Unsinn", wenn von manchen heute behauptet werde, das Konzil habe die Kirche "schwach gemacht" und dass früher "alles in Ordnung gewesen" sei, hielt Weber fest. "Erstens stimmt das nicht, das habe ich selber erlebt und zweitens ist es nicht so."
Die Bedeutung des "Aggiornamento", also der Öffnung der Kirche zur heutigen Welt, hob Weber auch in einem Gespräch für die Sonntagsausgabe der "Kleinen Zeitung" hervor. "Wir dürfen als Christen nicht beleidigt am Straßenrand stehen, denn die Welt bewegt sich. Wir müssen in dieser Welt Kirche sein. Und morgen Kirche in einer anderen Welt", wird der Bischof zitiert. Die Kirche gebe heute zu viele Antworten auf Fragen, die von den Menschen gar nicht gestellt werden, so der frühere Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz: "Aber kann sie auch Hoffnung wecken, Freude vermitteln, Mitfühlen anbieten?"
Die Kirche müsse "mit einer Leidenschaft Gott suchen, auf ihn hinhören in der Heiligen Schrift, in der gemeinsamen Feier und im persönlichen Gebet", sagte Weber. Zugleich dürfe sie nicht "abgesetzt vom Leben sein", sondern müsse Freude, Hoffnung, Trauer und Angst im Leben der Menschen mit ihnen teilen.
Zur Sprache kamen auch die mit Priestermangel und notwendige Umstrukturierungen einhergehenden pastorale Herausforderungen in den Pfarren. "Wir müssen halt schauen, wie wir damit fertig werden", meinte Weber, der in der Grazer Pfarre St. Leonhard nach wie vor als Seelsorger wirkt. Gleichzeitig warnte er davor, "vor lauter Priestermangel in einen neuen Klerikalismus zu verfallen" und hob die Bedeutung der Pfarrgemeinderäte hervor.
Diözese dankte Altbischof
Webers 85. Geburtstag wurde am Sonntag auch bei einem Festgottesdienst in der Pfarre Graz-St. Leonhard gefeiert. An der Messe nahm neben zahlreichen Gläubigen auch der Grazer Weihbischof Franz Lackner teil. Generalvikar Heinrich Schnuderl überbrachte im Namen von Diözesanbischof Egon Kapellari die Geburtstagswünsche der Diözese. "Viele Wirksamkeiten unserer Diözese wie Einrichtungen, der Stil des Umgangs miteinander, aus dem Geist des Konzils Kirche zu leben und auf die Zukunft einzugehen, verdanken sich Deinem Wirken und Deiner Art 'bei den Leuten' zu sein", dankte Schnuderl für Webers Wirken.
Weber war von 1969 bis 2001 Diözesanbischof von Graz-Seckau. Er übernahm die Diözesanleitung in einer schwierigen Situation, geprägt durch den plötzlichen Rücktritt seines Vorgängers Josef Schoiswohl und die starke nachkonziliare Polarisierung im Klerus. Als Bischof stellte Weber in vielen Bereichen neue Weichen in der Seelsorge. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählte der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Mariazell 1983.
In der Österreichischen Bischofskonferenz war Bischof Weber zunächst Referent für Jugendfragen, später zuständig für den Bereich "Kirche in der Gesellschaft". Lange Zeit war er auch für die Gefangenenseelsorge, für die Ordensgemeinschaften und für pastorale Angelegenheiten zuständig. Im Mai 1995 wurde Weber zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt, nachdem Kardinal Hans Hermann Groer dieses Amt zur Verfügung gestellt hatte; Weber übte diese Aufgabe bis 1998 aus.