Wien: Gedenken an Jozsef Mindszenty
Ungarischer Märtyrerkardinal wurde vor 120 Jahren geboren - Messe am 6. Mai in der Kirche der Barmherzigen Brüder in Wien
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Wien-Budapest, 25.04.2012 (KAP) Die ungarischen Katholiken in Österreich begehen das im März eröffnete Kardinal-Mindszenty-Gedenkjahr am 6. Mai mit einer Messe und einer Kranzniederlegung und ab 26. Juni mit einer Ausstellung. Anlass des Gedenkjahres ist der 120. Jahrestag der Geburt des ungarischen Märtyrerkardinals. Der Esztergomer Erzbischof und ungarische Primas Jozsef Mindszenty wurde am 29. März 1892 geboren. Er starb am 6. Mai 1975 in Wien.
Zum 37. Todestag Mindszentys wird am Sonntag, 6. Mai, 16 Uhr, in der Kirche der Barmherzigen Brüder in Wien-Leopoldstadt (Taborstraße 16) eine Gedenkmesse in zwei Sprachen gefeiert. Daran schließt eine Kranzablegung bei der Mindszenty-Statue im benachbarten Foyer des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder an. Gestaltet wird die Messe vom Budapester Chor "Vox Clara".
Die zentrale ungarische Mindszenty-Gedenkfeier findet zum Todestag des Primas in der Basilika von Esztergom statt, wo der Erzbischof von Bologna, Kardinal Carlo Caffara, als Papstlegat das Pontifikalamt mit den ungarischen Bischöfen feiert. In ganz Ungarn wird ein "Gebetstag für die Seligsprechung von Jozsef Mindszenty" begangen.
Am 26. Juni, 18 Uhr, wird im Wiener Palais Porcia (Herrengasse 23) außerdem eine Mindszenty-Ausstellung eröffnet. Sie trägt den Titel "Fidelissimus Pastor" (Der treueste Hirte). Die zweisprachige Ausstellung bleibt bis 10. August geöffnet.
Kardinal Mindzenty wurde im März juristisch voll rehabilitiert. Damals wurde das Urteil gegen ihn auf Gesetzesweg für null und nichtig erklärt. Der im März ergangene Bescheid der Obersten Staatsanwaltschaft schloss auch das Verfahren zur Wiederaufnahme des Prozesses von 1949 formell ab, das unmittelbar nach der Auflösung der "Volksrepublik Ungarn" und der Gründung der "Republik Ungarn" (23. Oktober 1989) eingeleitet worden war.
Von NS- und KP-Regimes eingekerkert
Jozsef (Pehm) Mindszenty besuchte das Gymnasium der Prämonstratenser in Szombathely, trat 1911 in das dortige Priesterseminar ein und wurde am 1915 zum Priester geweiht. Er war zunächst Kaplan in Felsöpaty und trat auch als Publizist in Erscheinung. Bereits 1919 geriet er mit der kommunistischen Kurzzeit-Räteregierung in Konflikt. 1941 legte er aus Protest gegen die NS-Gräuel seinen ursprünglichen Familiennamen Pehm ab und nannte sich fortan - nach seinem Geburtsort - Mindszenty. Im März 1944 ernannte Pius XII. Mindszenty zum Bischof von Veszprem. Wenige Monate später, am 31. Oktober 1944, protestierte Mindszenty zusammen mit anderen westungarischen Bischöfen gegen den sinnlosen Krieg. Daraufhin wurde er zusammen mit 26 Priestern und Theologiestudenten von den ungarischen Faschisten verhaftet und in Sopron eingekerkert.
Die Befreiung aus dem Gefängnis erfolgte im März 1945. Am 15. September 1945 berief Pius XII. Mindszenty zum Erzbischof von Esztergom und damit zum Primas von Ungarn, als Nachfolger des verstorbenen Kardinal-Primas Jusztinian Seredi.
Bereits am 1. November 1945 wurde ein Hirtenbrief des neuen Primas verlesen, worin er das "Wohlwollen der Kirche gegenüber der sich konstituierenden Demokratie in Ungarn" unterstrich und zugleich die Rechte der Kirche verteidigte. Sein Eintreten für diese Rechte brachte Mindszenty, der 1946 zum Kardinal ernannt wurde, in immer stärkeren Gegensatz zu den Kommunisten. Vor allem das neue Schul- und Erziehungsprogramm, das Mindszenty im Frühjahr 1948 in vier Hirtenbriefen scharf verurteilte, wurde zum Konfliktpunkt. Dem Primas wurde "Konspiration gegen den Staat" vorgeworfen.
Mindszenty wurde am 26. Dezember 1948 verhaftet, am 3. Februar 1949 vor Gericht gestellt und - untermauert von einem durch Folterungen und Drogen erzwungenen "umfassenden Geständnis" - am 8. Februar zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt. Die Verurteilung und Einkerkerung des ungarischen Primas löste in aller Welt Proteste aus, an der Lage des Kardinals, dessen Aufenthaltsort lange geheim gehalten wurde, änderte sich jedoch nichts.
Flucht in die US-Botschaft
Während der ungarischen Volkserhebung im Jahre 1956 wurde Mindszenty auf Veranlassung der Regierung Nagy aus der Haft befreit. Die Niederschlagung des Volksaufstandes durch die Sowjets veranlasste Kardinal Mindszenty, in die US-amerikanische Gesandtschaft in Budapest zu fliehen, wo ihm politisches Asyl gewährt wurde.
Johannes XXIII. versuchte, den Primas nach Rom zu holen, um leichte Verbesserungen für die Kirche in Ungarn zu erreichen. Der Vatikan war bereit, bestimmte Bedingungen der ungarischen Kommunisten zu erfüllen, wie Protokolle des damaligen KP-Zentralkomitees belegen. Rom sollte garantieren, dass Mindszenty sich strikt jeder politischen und schriftstellerischen Tätigkeit enthält. Als Emissär entsandte der Ronacalli-Papst Kardinal Franz König.
König reiste von 1963 bis 1971 mehrfach nach Budapest. Anfangs lehnte Mindszenty das Angebot zur Ausreise aus Ungarn ab, schließlich kam die Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der ungarischen Regierung aber zustande. Rom garantierte nicht nur die politische Enthaltsamkeit des ungarischen Primas, sondern willigte auch ein, diesen binnen zwei Jahren zum Amtsverzicht zu bewegen.
Wohnort war Pazmaneum in der Boltzmanngasse
Am 28. September 1971 verließ Mindszenty Ungarn schweren Herzens und ließ sich nach einem kurzen Rom-Aufenthalt in Wien nieder, um - wie er erklärte - seiner Heimat nahe zu sein. Sein Wohnort wurde jetzt das Pazmaneum, das im Eigentum der Ungarischen Bischofskonferenz befindliche Haus in der Wiener Boltzmanngasse.
Paul VI. bemühte sich, Mindszenty zum Rücktritt als Erzbischof von Esztergom zu bewegen, scheiterte aber mit diesem Ansinnen. Am 5. Februar 1974 entband ihn Paul VI. "aus pastoralen Erwägungen" von seiner erzbischöflichen Funktion, ohne einen Nachfolger zu ernennen.
In einer Erklärung betonte Kardinal Mindszenty, dass sein Amt nicht selbst zurückgelegt habe, sondern dass "die Entscheidung vom Heiligen Stuhl allein getroffen" worden sei. Aus seiner kritischen Einstellung gegenüber dem Kurs der vatikanischen Ostpolitik machte er kein Hehl.
Mindszenty starb ein Jahr später - am 6. Mai 1975 - mit 83 Jahren im österreichischen Exil. Noch vor seinem Tod hatte er festgelegt, dass er in der Basilika von Mariazell beigesetzt werden wolle, aber dann, "wenn der Stern der Moskauer Gottlosigkeit vom Himmel fällt", in seine Heimat überführt werden solle. Die feierliche Beisetzung in der Kathedrale von Esztergom fand nach der Überführung aus Mariazell am 4. Mai 1991 statt. Ein Jahr später wurde das Seligsprechungsverfahren für Mindszenty eingeleitet.