Kirche hat bei Internetnutzung Aufholbedarf
Präsident des Päpstlichen Medienrates bei Tagung "Gott im Web": "Soziale Netzwerke nicht Instrument sondern Ort der Neuevangelisierung" - Gleicher Zugang zu Kommunikationsmitteln als Aufgabe
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Wien, 30.04.12 (Katholisch.at/KAP) Mit einem überraschenden Eingeständnis ließ Kurienerzbischof Claudio Maria Celli bei einer Tagung im Wienerwaldstift Heiligenkreuz aufhorchen: Die Kirche habe im Internet noch deutlichen Nachholbedarf. Weltweit betrachtet seien erst rund 50 Prozent der Diözese "online". Die Kluft zwischen den "digital natives", also jenen Internetnutzern, die ihr christliches Lebenszeugnis im Netz leben, und jenen, die "als sozial und ökonomisch Marginalisierte" keinen Zugang zum Netz haben, werde größer. Dabei bleibe es oberste Aufgabe der Kirche, in ihrer Verkündigung "dorthin zu gehen, wo die Menschen sind - ins Netz", so der Präsident des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel.
Ein Beispiel für den Aufholbedarf brachte Celli etwa im Blick auf eine "Google"-Anfrage: so finde sich bei der Frage "Who is Jesus" unter den ersten 10 Antworten der Suchmaschine keine katholische Antwort - noch vor jeder katholischen Antwortseite empfehle "Google" gar die Antwort einer islamischen Seite. Die Kirche müsse daher diese Herausforderung bewusst annehmen und "als Lernende die Botschaft des Evangeliums in die neue Kommunikationskultur inkulturieren", so Celli. So könne die Kirche neu zu einem "Transmissionsriemen der Wahrheit im Dialog und in Anerkennung des anderen" werden - dies habe auch Papst Benedikt XVI. in verschiedenen Botschaften immer wieder deutlich unterstrichen.
In einem kursorischen Durchgang durch päpstliche Botschaften zeigte Celli außerdem, wie sich die vatikanische Linie im Umgang mit den modernen Kommunikationsformen geändert hat: Zwar gebe es seit dem Konzilspapst Paul VI. eine prinzipielle Offenheit zur medialen Kommunikation - erst Johannes Paul II. habe jedoch einen "Paradigmenwechsel" herbeigeführt, insofern er die Medien "nicht mehr als Instrument der Neuevangelisierung verstand, sondern als Ort sah, an dem Neuevangelisierung stattfinden sollte". Einen weiteren Paradigmenwechsel könne man heute mit Benedikt XVI. feststellen, der in seinen Botschaften offensiv von einer neuen "digitalen Kultur" spricht, die zu einem "wirklichen Dialog" herausfordere.
"Provokant aber nicht polemisch"
Einen Einblick in die professionelle Kommunikationsarbeit der Katholischen Kirche in Österreich gab bei der Tagung "Gott im Web" in Stift Heiligenkreuz der Medienreferent der Österreichischen Bischofskonferenz, Paul Wuthe. Dabei verwies Wuthe auf die Verknüpfung von kirchlicher Kommunikationsarbeit und den basalen Vollzug des christlichen Glaubens: Verkündigung, Liturgie, gelebte Nächstenliebe und Gemeinschaft seien nicht nur im "Analogen" praktischen Leben Maßstäbe der Kommunikation sondern auch im "Netz", so Wuthe, der zugleich Konsultor im päpstlichen Medienrat ist.
Aus dieser Verknüpfung ergebe sich auf der einen Seite eine hohe Wertschätzung für das bestehende christliche Engagement in den sozialen Netzwerken als "neues Feld des Laienapostolats, des Zeugnisses und der Neuevangelisierung"; hieß es früher "Seht, wie sie einander lieben", so gelte für die Neuevangelisierung die Neuformulierung: "Seht, wie und was sie miteinander kommunizieren", so Wuthe. Auf der anderen Seite müsse kirchliche Kommunikation den Unterschied zwischen Polemik und Provokanz beachten: "Kirchliche Kommunikation darf provokant sein, aber nicht polemisch werden", so Wuthe. Skandalisierung sei nicht der Weg kirchlichen Kommunizierens. Dieses müsse sich vielmehr an den Prinzipien einer prinzipiellen "Offenheit für alle" orientieren und "öffentlich statt geheim oder hermetisch" sein und vor allem ein "authentisches, nicht inszeniertes Zeugnis" darstellen.
Wie Studien zeigen, bestehe die Erwartung der Netz-Nutzer an die Kirche vor allem darin, gezielt und verlässliche Service-Leistungen abzubilden, aber auch Engagement zu ermöglichen, zu unterhalten und verlässlich zu informieren. Zu den neuen Herausforderungen zähle dabei, die Aufgabe der Vernetzung und Interaktion als Institution zu meistern. Dazu gehöre auch eine professionelle technische Umsetzung von Websites und Profilen "auf der Höhe der Zeit" unter Einbeziehung der mobilen Endgeräte sowie eine "Ästhetik der postmodernen Milieus", die vornehmlich in den sozialen Netzen aktiv sind.
Schließlich unterstrich Wuthe, dass bereits zahlreiche pfarrliche, diözesane aber auch überdiözesane Initiativen in diese Richtung wiesen und man auf einem guten Weg sei.