Kothgasser: Einsatz gegen "unsichtbare Frauenarmut "
Salzburger Erzbischof bei Fachtagung "Armut bewegt": Armut ist unleugbarer "Teil unserer Wirklichkeit und damit auch Auftrag für ein Handeln im Geiste Christi"
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Salzburg, 02.05.2012 (KAP) Christen sind aufgefordert, die oft unsichtbare Armut von Frauen sichtbar zu machen und gegen sie vorzugehen. Dazu hat der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser in einem Grußwort zur Fachtagung "Armut bewegt. Spirituelle Herausforderungen für Frauen in Europa" aufgerufen, die von Mittwoch bis Freitag im Salzburger Bildungshaus St. Virgil stattfindet. Als besonders armutsgefährdete Gruppen nannte Kothgasser Migrantinnen, die zusätzlich zur materiellen Not "auch noch mit dem Verlust der Familien bzw. der Heimat zu ringen haben". Dramatisch betroffen seien weiters auch Alleinerzieherinnen und sozial schlecht abgesicherte Frauen über 60 Jahre. "Armut ist kein neues Phänomen, aber die Multidimensionalität der Armut war noch nie so groß wie in dieser Zeit", erklärte der Salzburger Erzbischof.
Armut sei für viele Frauen mit großer Scham besetzt: "Um Hilfe zu bitten ist nicht Teil unseres gesellschaftlichen Umgangs miteinander." Die eigene Grundversorgung nicht sichern zu können und täglich neu um die Absicherung der Grundbedürfnisse zu kämpfen, ist laut Kothgasser verbunden mit Gefühlen der Erfolglosigkeit und des Versagens. Betroffene Frauen würden oftmals "einfach unsichtbar. Sie verschwinden von der Bildfläche, hinter Türen sogenannter Reicher als Dienstbotinnen, in Bordellen als Prostituierte, um nur zwei Beispiele zu nennen".
Scham und Unsichtbarkeit könnten von den Betroffenen nicht alleine durchbrochen werden, wies Kothgasser auf die Mitverantwortung von Christen hin. Armut sei unleugbarer "Teil unserer Wirklichkeit und damit auch Auftrag für ein Handeln im Geiste Christi". Kothgasser erinnerte an die Enzyklika "Deus Caritas est" von Benedikt XVI., in der der Papst das von Nächstenliebe getragene Engagement nicht als "eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte", missverstanden wissen wollte. Es gehöre vielmehr zum Wesen der Kirche und sei "unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst".
Das Jesuswort "Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt" sei auch heutigen Christen "als Mahnung und Auftrag mitgegeben", so Kothgasser weiter. Armut sei somit eine ständige theologische Herausforderung.
Veranstaltet wurde die Salzburger Tagung von der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz. Deren Leiterin Hildegund Keul wies auf den "Teufelskreis Armut" hin, der Menschen resignieren und erstarren lasse. "Aber gerade weil sie so lähmend ist, setzt sie Menschen in Bewegung. Frauen nehmen all ihre Kraft zusammen und wollen dem widerstehen, was in der Armut ohnmächtig macht."
"Solidarität wird oft mehr verwaltet als erlebt"
Der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof, Mitglied der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Deutschen Bischofskonferenz, rief zu mehr Solidarität mit armutsgefährdeten Frauen auf. "Oftmals habe ich den Eindruck, dass Solidarität mehr verwaltet als erlebt wird", sagte der Weihbischof bei der Eröffnung der Tagung. "Es braucht eine neue Solidarität" nach dem Vorbild Jesu, dessen uneingeschränkte Zuwendung besonders zu Armen, Frauen und am Rande der Gesellschaft Stehenden Christen Ansporn sein müsse, Betroffenen ihre Würde erfahrbar zu machen.
Die Tagung wird am Donnerstag mit "Werkstattgesprächen" zu Themen wie "Frauen und Armut in der Bibel" und "Migration und Frauenhandel in Europa" fortgesetzt, Nachmittags geht es um "Arm und Reich in der Stadt". Die Bündelung der Ergebnisse und Erarbeitung konkreter Handlungsoptionen steht im Mittelpunkt des letzten Tagungshalbtages am Freitagvormittag.
Informationen: www.virgil.at/Armut-bewegt.781.0.html