
Lebenskunst
5./6.4. | 07:05 | Ö1
LEBENSKUNST – Begegnungen am Sonntagmorgen, Ostersonntag, 5. April 2026, 7:05-8:00, Ö1
online:
Durch Zeit und Raum
Interpretationsbedürftiges Hoffnungszeichen – Aspekte der Bibel
(Markus 16, 1-8)
Alle vier kanonischen Evangelien der Bibel – nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes – erzählen übereinstimmend, dass am Sonntagmorgen nach dem Kreuzestod von Jesus dessen Grab leer war. Und dass es Frauen waren, die sich als Erste zum Grab aufgemacht hatten. Gemäß katholischer Leseordnung ist in Ostersonntag-Gottesdiensten die Erzählung nach Johannes, dem jüngsten Evangelium, zu hören; evangelisch-lutherischer Leseordnung zufolge ist diesmal die Botschaft vom leeren Grab, wie sie sich im ältesten Evangelium findet, vorgesehen. Das Markusevangelium wurde um 70 n.Chr. verfasst – die Bischöfin der evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Cornelia Richter, deutet für LEBENSKUNST die Passage.
Aus und in der Liebe leben und überleben wir – Der Meister, Margarita und Ostern
Um Deutungen rund um Jesus von Nazareth geht es besonders auch in Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“, ein Aufsehen erregendes Werk der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Margarita ist die russische Form von Margarethe. Margarethe ist Gretchen. Ihre Frage an Faust „Wie hältst du's mit der Religion?“, zieht sich wie ein im wahrsten Sinn „roter“ Faden durch den Roman des russischen und sowjetischen Schriftstellers und Arztes Michail Bulgakow. Es ist ein Werk durch Zeit und Raum, über Zeit und Raum, in Zeit und Raum hinein. Neben dem Moskau der 1930er Jahre und dem Jerusalem des 33-jährigen Jeshua ben Nasri, besser bekannt als Jesus von Nazareth, erkennt der Psycho- und Logotherapeut Thomas Köhler eine dritte, jenseitige Handlungsebene: an der Moskauer Psychiatrie in der Behandlung schizophrener Menschen. Deren zersplitternde bzw. zersplitterte Welt erscheint ihm als Brücke einerseits nach Jerusalem und anderseits ins Ewige, wie es der Meister und Margarita repräsentieren. Alle Re-präsentanz wird so zu Re-ligio und Religion, meint Thomas Köhler. Wie halten es gegenwärtige Menschen mit solcher? Dazu stellt sich – nicht nur im Roman – die vorösterliche Pilatus-Anfrage „Was ist Wahrheit?“. Die Antwort des Lesers, Autors und Therapeuten: Es ist die Liebe im Diesseits als Ansatz und Anspruch und im Jenseits ewiglich: „Aus und in der Liebe leben und überleben wir, aus der Liebe werden wir meisterlich, in der Liebe sind wir ewiglich.“
Neues vom Menschen aus Nazareth – Der historische Jesus und seine Botschaft
Erste Zeugnisse über Jesus aus Nazareth finden sich vor allem im Neuen Testament der Bibel, verfasst wenige Jahrzehnte nach seinem Tod; aber es gibt auch antike außerbiblische Quellen: Mitte Dreißig dürfte er geworden sein, der v.a. im Norden des heutigen Israel, in Galiläa, wirkende Zimmermannsohn und tiefgläubige Jude. Das sicherste Datum der Biografie von Jesus ist sein Tod am Kreuz in Jerusalem, Judäa, unter dem Präfekten der römischen Besatzungsmacht Pontius Pilatus. Dieser Kreuzestod lässt sich ziemlich genau auf den 14. oder 15. Nisan, so der jüdische Mondkalender, also auf den 7./8. April des Jahres 30 oder 33 n. Chr. datieren. Jesus wurde als „König der Juden“ hingerichtet, weil man ihn als einen politischen Aufrührer hinstellte, der er höchstwahrscheinlich nicht war. Als einigermaßen gesichert gilt, dass der Beginn seines öffentlichen Wirkens mit der Taufe im Jordan durch seinen Vorläufer, den jüdischen Bußprediger Johannes, begonnen hat. Das zentrale Thema der Verkündigung von Jesus war das „Reich Gottes“, eine Welt ohne Unrecht und Leiden. Der Anspruch, den er mit seiner Botschaft erhob, ist ihm zum Vorwurf gemacht worden, und er ist in der Hoffnung auf Auferstehung gestorben. Nina Goldmann hat sich auf die Spuren seines Lebens davor begeben und neue Forschungen zu Rate gezogen. Wer war der später als Christus, als Messias, verehrte Jesus von Nazareth, wie seine Lebensweise? Neues über den Mann aus Nazareth, sein Umfeld und die Menschen, zu denen er gesprochen hat.
Erinnern findet nicht nur rückwärtsgewandt statt – Irene Aue-Ben-David und das Jüdische Museum Hohenems
Nicht von ungefähr sind oft das Ostern der Westkirche und immer das der Ostkirche in terminlicher Nähe zum jüdischen Pessachfest. Hat doch – laut biblischer Überlieferung – Jesus von Nazareth kurz vor Tod und Auferstehung mit seinen Anhängern Pessach (hebräisch) bzw. Pascha (aramäisch) gefeiert. Heuer wird Pessach vom Abend des 1. April bis zum 9. April begangen. Wie Ostern ist es ein Hoffnungsfest – und ein Fest, das an die Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft erinnert. Doch Erinnern finde nicht nur rückwärtsgewandt statt, es gehe auch darum, einen Auftrag für die Zukunft abzuleiten. Das sagt die neue Direktorin des Jüdischen Museums Hohenems, Irene Aue-Ben-David – nicht zuletzt angesichts eines Pessachfestes in kriegerischen Zeiten. Ein akustisches Porträt der 1972 im deutschen Hildesheim geborenen Historikerin und nunmehrigen Museumsleiterin in Vorarlberg von Eva Maria Kaiser und Lisa Ganglbaur.
Moderation: Martin Gross
Redaktion: Doris Appel
LEBENSKUNST – Begegnungen am Feiertag, Ostermontag, 6. April 2026, 7:05-8:00, Ö1
online:
Über die Zuversicht
Vielleicht der erste Osterspaziergang – Aspekte der Bibel
(Lukas 24, 13-35)
Wie es kommen kann, unterwegs, im Gespräch – und dann beim Zusammensitzen und miteinander das Brot Teilen eine Auferstehungserfahrung zu machen, davon erzählt ein besonderer Abschnitt im Neuen Testament der Bibel. Er befindet sich im Lukasevangelium und schildert eine Begegnung, die zwei der Anhänger von Jesus nach dessen Tod auf dem Weg von Jerusalem ins Dorf Emmaus erleben. Der Text ist für katholische Gottesdienste am Ostermontag vorgesehen, für LEBENSKUNST macht sich der neue Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, Gedanken dazu.
Nicht nur zur Weihnachtszeit – Osterkrippen und ihre Bedeutung
Ochs und Esel sucht man in diesen „Krippen“ vergeblich, dafür sind der Auferstandene, die Kreuzigung und vielleicht sogar das Letzte Abendmahl zu sehen: Wie zu Weihnachten werden da und dort die biblischen Erzählungen auch zu Ostern mit kleinen Figuren nachgestellt. Besonders populär waren sie in der Zeit des Barock, im 17. und 18. Jahrhundert – bis ihnen Kaiser Joseph II. im Sinne der Aufklärung ein Ende bereiten wollte. Ganz verschwunden sind sie freilich nie und heute erfreuen sie sich wieder wachsender Beliebtheit. Die einstmalige Absicht dahinter: In der Zeit der „Gegenreformation“ sollte den Menschen der katholische Glaube auf eine besonders sinnenfreudige Art und Weise wieder nähergebracht werden, um sie von der eher nüchternen, protestantischen Form zu entfernen. Markus Veinfurter hat sich mit einem Krippenbaumeister darüber unterhalten.
Gewelltes Haar, hellhäutig und blauäugig? – Wie Jesus von Nazareth tatsächlich ausgesehen haben mag
Er gilt als die meistdargestellte Person der westlichen Kunstgeschichte; seit Jahrhunderten – durch alle Epochen – gibt es Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen von ihm. Und so tragen die meisten Menschen ein Bild in sich. Doch: Der Bart, das gewellte lange Haar und die blauen Augen, davon war der historische Jesus wohl ziemlich weit entfernt. Wie kommt es dann zu dieser gängigen Darstellung, wie hat sie sich im Laufe der Geschichte verändert – und wie könnte Jesus tatsächlich ausgesehen haben? Lukas Wagner und Andreas Mittendorfer haben beim katholischen Theologen und Bibelwissenschafter Andrew Doole nachgefragt – sowie beim orthodoxen Erzpriester und Ikonenmaler Chrysostomos Pijnenburg.
Über die Zuversicht – Was in schweren Zeiten tragen kann
Wie kann es gelingen, in belastenden, schier aussichtslosen Situationen eine zuversichtliche Einstellung zum Leben zu bewahren? Oder zurück zur Zuversicht zu finden, wenn sie zwischenzeitlich verloren gegangen ist – auch angesichts von Kriegen und Katastrophen, die die große sowie die persönliche Welt erschüttern? Brigitte Krautgartner hat rund um das Hoffnungsfest Ostern dazu mit Roswitha Zink gesprochen, der Begründerin des Kinderhospizes „Lichtblickhof“ in Wien und Niederösterreich – sowie mit dem Künstler- und Künstlerinnenseelsorger, dem Jesuiten Pater Gustav Schörghofer. In „seiner“ Kirche, der Jesuitenkirche in Wien, ist die Fastenzeit hindurch bis Ostern ein monumentales Fastentuch des Künstlers Ronald Kodritsch aufgehängt, auf dem unter anderem eine Riesenkartoffel zu sehen ist: Es ist, so Gustav Schörghofer, „ein zeitgenössisches Statement, das in einer von Reizüberflutung geprägten Welt dabei helfen will, die Schönheit und den Zauber in den scheinbar banalen Momenten des Lebens zu entdecken“.
Redaktion & Moderation: Doris Appel