Lebenskunst
12.4. | 07:05 | Ö1
LEBENSKUNST – Begegnungen am Sonntagmorgen, 12. April 2026, 7:05 – 8:00, Ö1
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Sehen, was gelungen ist
Jesus hat sein Jude-Sein nie abgelegt – Aspekte der Bibel
(Johannes 20, 19–31)
Kurz nach der Auferstehung von Jesus, so erzählt der Verfasser des Johannesevangeliums, sind seine Anhänger und Anhängerinnen „aus Furcht vor den Juden“, wie es heißt, bei verschlossenen Türen zusammengekommen. Die Passage ist in katholischen Gottesdiensten am ersten Sonntag nach Ostern zu hören. Gerade im Johannesevangelium findet sich oftmals eine negative Rede von „den Juden“, auch wenn damit nicht alle, sondern manche Gruppierungen gemeint sind – und der Verfasser wahrscheinlich selbst jüdischer Herkunft war. Andererseits wird die tiefe Verankerung von Jesus im jüdischen Glauben hervorgehoben. Und Jesus legt sein Jude-Sein niemals ab – davon zeigt sich der katholische Theologe Michael Kapeller überzeugt.
„Mein Stadttempel“ – Gedanken zum 200-jährigen Bestehen der Synagoge in der Wiener Seitenstettengasse
Seit der erste Tempel von Jerusalem im Jahr 586 v.Chr. zerstört wurde und der zweite Tempel im Jahr 70 n.Chr., gibt es streng genommen keinen jüdischen Tempel mehr. Es sei denn, der Jerusalemer Tempel wird eines Tages wieder aufgebaut. Und doch nennen viele Wiener Jüdinnen und Juden die älteste aktive Synagoge Österreichs liebevoll „Stadttempel“. Dieser befindet sich – mit den Büroräumen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien – im Herzen von Wien und wurde vor 200 Jahren, am 9. April 1826, eröffnet. Nach Plänen des Architekten Joseph Kornhäusel (1782-1860) wurde das prominente Bethaus in einem Gebäudekomplex in der Seitenstettengasse 2-4 in der Wiener Innenstadt errichtet. Für Jüdinnen und Juden ist das geistliche und kulturelle Zentrum ein Ort des Zusammenkommens und des Gebets, zudem sind Andersgläubige regelmäßig zu Gast – etwa bei einer der Konzertaufführungen. Eines der Mitglieder der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde – und Kultusrätin – ist die Politikwissenschafterin Jasmin Freyer, die sich auch im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit engagiert. Brigitte Krautgartner hat sie von ihrer engen, persönlichen Beziehung zur Synagoge in der Seitenstettengasse erzählt.
Den Blick auf das richten, was gelungen ist – Neuer Lebenssinn, auch im Alter
Das Schicksal trifft Menschen oft hart – und dennoch ist es möglich, ein sinnvolles Leben fortzusetzen beziehungsweise in ein solches zurückzukehren, auch im hohen Alter. Denn Krisen können überwunden und neuer Lebenssinn gefunden werden. Davon sind die 83-jährige Elisabeth Lukas und der 42-jährige Valentin Opll überzeugt. Sie ist klinische Psychologin und Psychotherapeutin sowie die bekannteste Schülerin Viktor Frankls, des Begründers der sinnzentrierten Logotherapie. Und er ist Pädagoge und Psychotherapeut in freier Praxis sowie am Anton-Proksch-Institut Wien. Gemeinsam haben sie ein Buch geschrieben, das jetzt im Tyrolia-Verlag erschienen ist: „Es ist nie zu spät für ein sinnerfülltes Leben. Zwei Viktor-Frankl-Kenner im Dialog“. Maria Harmer hat die beiden in der Seniorenresidenz von Elisabeth Lukas aufgesucht.
Vom „Haus des Friedens“ auf den Wiener Heldenplatz – Motive der Menschen beim Peacewave-Festival am Ostermontag
Das „Haus des Friedens“, idyllisch mit stimmungsvollem Innenhof in Wien-Meidling gelegen, wird als Zentrum für weibliche Spiritualität und Sufismus verstanden, einer mystischen Richtung des Islam. Hier wirkt die Sufi-Meisterin Fawzia Al-Rawi. Die promovierte Orientalistin wurde in Bagdad geboren, lebt seit 2001 in Wien und leitet einen Kreis von Sufismus praktizierenden Frauen an. Das Wissen, Teil eines Größeren zu sein, gibt Menschen Zuversicht, Kraft und den Mut, an einer gerechten Gesellschaft mitzuarbeiten, sagt sie. So ist die Sufi-Gruppe zum Peacewave-Festival auf den Wiener Heldenplatz gepilgert, hat dort gesprochen, musiziert und getanzt. Und auch weitere, teils offizielle, Vertreter und Vertreterinnen von Religionsgemeinschaften, von jüdisch über christlich, muslimisch bis zur Bahai-Religion und darüber hinaus, haben teilgenommen. Organisiert wurde das Festival von der Obfrau des Vereins „Wandern für den Frieden“, der Ärztin Isabella Haschke. Nikolaus Hofer hat die Sufi-Gruppe begleitet und mit unterschiedlichen Teilnehmenden über ihre Motive gesprochen.
Redaktion & Moderation: Doris Appel
