Saturday 28. May 2016
16. January 2013

Die orthodoxe Perspektive der Ökumene

Wie versteht die Orthodoxie Ökumene? Eine Antwort des orthodoxen Metropoliten von Austria, Arsenios (Kardamakis)

Die ökumenischen Bemühungen zur Wiederherstellung der christlichen Einheit sind eine bedeutungsvolle Verpflichtung aller Christen, die uns von Jesus selbst aufgegeben wurde. Der ökumenische Dialog ist unerlässlich. Er muss allerdings in Wahrheit und in Liebe, im gegenseitigen Respekt und unter gleichen Bedingungen (par cum pari) durchgeführt werden.

 


» Tipp: Dossier zur "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen"


 

Das Ziel der Ökumene ist nach orthodoxem Verständnis kein anderes als die volle, kirchliche und sakramentale Gemeinschaft von Schwesterkirchen auf dem wesentlichen Fundament des einen und desselben Glaubens. Diese Einheit findet ihren vollendeten Ausdruck im gemeinsamen Feiern der heiligen Eucharistie. Ökumenische Konzepte von "geduldeten Gästen" oder einer "friedlichen Koexistenz von Nachbarn" sind nicht ausreichend. Alle Christen bzw. Kirchen müssen volle Mitglieder ein und desselben Leibes Christi sein. Dafür müssen wir mit allen unseren Kräften arbeiten. 

 

Der ökumenische Dialog ist unerlässlich. Er muss allerdings in Wahrheit und in Liebe, im gegenseitigen Respekt und unter gleichen Bedingungen (par cum pari) durchgeführt werden.

 

Wir müssen den Mut finden, in allen Fragen, die uns trennen, zunächst einmal das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Denn durch die Überbetonung des Unwesentlichen darf nicht die Verständigung beim Wesentlichen unmöglich gemacht werden. Darin liegt auch eine der wichtigsten Aufgaben jedes theologischen Dialogs. Die Einheit im Wesentlichen des einen christlichen Glaubens schließt auf alle Fälle aber nach orthodoxer Auffassung eine legitime, sinnvolle und notwendige Vielfalt ein. So darf die Wiederherstellung der Einheit heute keineswegs Uniformität bedeuten. 

 

Gemäß dieser grundsätzlichen Auffassung betet die Orthodoxe Kirche bei jedem Gottesdienst für die Wiederherstellung der christlichen Einheit und sie bemüht sich, konkrete Schritte zu unternehmen, damit dieses unerlässliche Anliegen gefördert wird. Alle Kirchen sind verpflichtet, die heutige Zeit und die konkreten Probleme der Menschen von heute sehr ernst zu nehmen. Wir müssen uns in ökumenischer Verantwortung aktuellen Problemen gemeinsam stellen. Es braucht das gemeinsame glaubwürdige Zeugnis der christlichen Kirchen in einer Gesellschaft, die Hilfe, Orientierung und Beistand von uns allen erwartet.

 

 Arsenios (Kardamakis)

Griechisch-orientalische Metropolis von Austria

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