Montag 26. Juni 2017
30. Januar 2016

Kampf gegen Gewalt, Verwahrlosung und Armut

20 Millionen Kinder müssen auch 2016 in Europa in Armut leben - Allein in Bulgarien, dem ärmsten Land der EU, ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen

Das kleine Städtchen Banya liegt im Süden Bulgariens. Fast 90 Prozent der 4.000 Einwohner Banyas gehören der Volksgruppe der Roma an. Einen fixen Job hat kaum jemand. Die meisten Erwachsenen versuchen, sich und ihre Familien mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halten. Viele Kinder in Banya wachsen bei ihren Großeltern auf. Sie leben in einer Hütte oder in einfach gemauerten Häusern ohne Fließwasser und Strom. Die Eltern der Kinder sind im Ausland und arbeiten beispielsweise als Erntehelfer, in Griechenland oder Spanien.

Brigitte Kroutill-Krenn von der Caritas Steiermark kennt sich inzwischen in Banya gut aus. Seit 1998 unterstützt die steirische Caritas die Caritas vor Ort in ihrer Arbeit. Caritasdirektor Franz Küberl war damals erstmals vor Ort und erschüttert von den katastrophalen Zuständen der Häuser und vor allem auch der Schule.

"Roma werden ausgegrenzt und mit Vorurteilen behaftet, sie leben in Ghettos, daher ist für uns Bildung ein wichtiger Ansatz", so Kroutill-Krenn. Und so wird ein Tageszentrum mit Mittagsverpflegung und Lernförderung, das die bulgarische Caritas führt, von der steirischen Caritas unterstützt.

Die Caritas führt in Banya ein Tageszentrum und unterstützt die örtliche Schule. In der Schulkantine erhalten die Kinder auch eine warme Mahlzeit. "Das ist für viele die einzige Mahlzeit am Tag", erzählt Direktorin Elena Alexandrova Michael Landau bei seinem Besuch.. Mittlerweile besuchen fast alle der über 300 schulpflichtigen Kinder die Grundschule in Banya. Nach der Schule wird im Tageszentrum gelernt, die Caritas-Mitarbeiter organisieren aber auch verschiedene Freizeitaktivitäten, manchmal auch Ausflüge in die Umgebung oder gar in den Zirkus. "Diese gemeinsamen Aktivitäten tragen auch wesentlich dazu bei, dass die Kinder in der Schule bessere Leistungen bringen", zeigt sich die Direktorin zufrieden.

Malko Tarnovo: Kinder verändern sich positiv
Rund 3.000 Menschen leben in der südbulgarischen Stadt Malko Tarnovo, nahe der türkischen Grenze. In vielen Familien wird hier oft nicht Bulgarisch, sondern Romanes oder Türkisch gesprochen. Viele Erwachsene können weder schreiben noch lesen. Etwa 70 Prozent der vier- bis siebzehnjährigen in Malko Tarnovo kommen aus Roma-Familien. Anstatt regelmäßig die Schule zu besuchen, müssen viele Kinder ihre Eltern unterstützen und mithelfen, das Notwendigste für den Lebensunterhalt aufzubringen.

Das "Community support center" der Caritas in Malko Tarnovo ist für 50 sozial benachteiligte und von Gewalt betroffene Kinder die einzige Anlaufstelle in der Umgebung. Wie in Banya wird auch im Caritas-Zentrum in Malko Tarnovo gelernt und gespielt. Die Caritas-Mitarbeiter würden einen Kampf gegen Verwahrlosung, Gewalt und Armut führen, bringt Maria Dimieva die Zustände vor Ort auf den Punkt. Sie leitet das Tageszentrum. Sie bemühe sich auch, die Eltern und weitere Familienangehörige in das Caritasprogramm zu integrieren, erzählt Dimieva. Ein Hauptaspekt: gewaltfreie Erziehungsformen.

"Viele Kinder haben sich schon positiv verändert", berichtet die Caritas-Mitarbeiterin stolz. Und auch die Zahl der Schulabbrecher gehe zurück. Nur wenn es gelingt, sozial benachteiligte Kinder mittels Bildung in die Gesellschaft zu integrieren und Erwachsenen Chancen auf Erwerbstätigkeit zu geben, könnten die Menschen in dieser strukturschwachen Region Süd-Bulgariens ein Auskommen finden und bleiben, beschreibt die Sozialexpertin die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen.

Sofia: Nur Bildung ermöglicht Intergration
Der in Sofia gelegene Stadtteil Fakulteta ist mit etwa 50.000 Bewohnern eine der größten Roma-Siedlungen Südosteuropas. Der Großteil der dort lebenden Familien wohnt in desolaten Gebäuden ohne Fließwasser und Strom. Und es ist das gleiche Bild wie an so vielen anderen Orten in Bulgarien auch: Viele Kinder wachsen bei Großeltern oder Bekannten auf, weil die Eltern im Ausland arbeiten.

Mit dem Projekt "I am studying and playing in Bulgarian" unterstützt die Caritas 25 Romakinder und deren Eltern. Ein Team, bestehend aus Pädagogen und Früherziehern, fördert spielerisch den Spracherwerb der Kinder und leisten Hygiene-Erziehung. Psychologinnen und Psychologen helfen bei der Verarbeitung von Gewalterfahrungen und Traumata; für die Eltern werden zusätzlich Erziehungs-Trainings angeboten.

Die Roma müssten die Landessprache Bulgarisch soweit beherrschen, dass sie später Schul- und Berufsausbildungen erfolgreich abschließen und sich und ihre Familien eigenständig versorgen können, erläutert Caritas-Generalsekretär Emanouil Patashev das Ziel des Programms. Damit solle im ärmsten Land der EU auch der Armutsmigration vorgebeugt werden.

Caritaspräsident Michael Landau zeigt sich betroffen von der Not der Menschen und zugleich beeindruckt von der Hilfe, die die engagierten Caritas-Mitarbeiter vor Ort leisten würden. "Wir dürfen diese Kinder nicht vergessen", appelliert Landau an die Solidarität der Österreicher, denn die bulgarische Caritas könnte ihre Projekte ohne Hilfe aus dem Ausland nicht betreiben.

Bei aller Not würden die Projekte zeigen, dass Hilfe möglich sei. Und dass es dabei immer um ganz konkrete Menschen gehe. Landau: "Wir haben es in der Hand, den Mädchen und Buben in Banya, Malko Tarnovo und Sofia die Chance auf ein Leben in Würde zu schenken."

Die österreichische Caritas unterstützt insgesamt in Osteuropa rund 500 Projekte und Hilfsprogramme. - Caritas-Spendenkonto zur Kinderkampagne 2016: Erste Bank, IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, BIC GIBAATWWXXX, Kennwort: Kinder in Not.

 

 

Quelle: kathpress

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