Mittwoch 24. Mai 2017
11. März 2016

Steigerung bei muslimischen Taufwerbern

Anteil an Taufwerbern aus muslimischen Familien stieg in Wien von einem Drittel auf die Hälfte - Österreichweit deutlich über 300 Erwachsenentaufen 2016

Menschen mit muslimischem Hintergrund machen 2016 rund die Hälfte der erwachsenen Taufwerber in Wien aus. Ihr Anteil stieg damit zwischen 2015 und 2016 von einem Drittel auf die Hälfte. Gründe für die wachsende Zahl sind für Friederike Dostal, Leiterin des Referates für die Taufvorbereitung von Erwachsenen in der Erzdiözese Wien und des Koordinationsbüros der Bischofskonferenz für Katechumenat und Asyl, neben dem Flüchtlingsstrom auch das kirchliche Engagement bei der Betreuung und Unterbringung von Asylwerbern sowie eine generell ernüchterte Einstellung zum Islam im Blick auf Gräueltaten, die jihadistische Terrorgruppen im Nahen Osten verüben. Insgesamt werden in Österreichs Pfarren heuer deutlich mehr als 300 über 14-Jährige getauft. In Wien sind es 83.

In Österreich geht die katholische Kirche bei der Eingemeindung neuer Mitglieder bewusst behutsam vor. Mit einem Beschluss machte die Österreichische Bischofskonferenz 2014 eine einjährige Vorbereitungszeit zur Bedingung für die Taufe von Menschen mit Fluchthintergrund. Damit sollen "Taufscheinchristen" verhindert werden, die sich vom Übertritt zum Christentum bessere Chancen auf Asyl erhoffen, betonte auch Kardinal Christoph Schönborn am Freitag bei der Pressekonferenz nach der Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Wien.

Direkte Auswirkungen habe diese intensive Taufvorbereitung auch auf die österreichischen Behörden. Der Asylgerichtshof erkenne die hohen Standards der katholischen Kirche in der Taufvorbereitung durchaus an, so Schönborn weiter. Behördenvertreter seien so eher bereit, die Konversion als Fluchtgrund beziehungsweise als Nachfluchtgrund zu akzeptieren. Zu Massentaufen wie zuletzt in der evangelischen Gemeinde einer deutschen Großstadt, wo 600 neue Gemeindemitglieder aufgenommen werden, komme es in Österreich deshalb nicht.

Dostal rechnet für 2017 mit einem weiteren Anstieg bei den Taufwerbern mit muslimischem Hintergrund. Aufgrund der einjährigen Vorbereitungszeit habe sich der Flüchtlingsstrom des letzten Jahres noch nicht so deutlich bemerkbar gemacht, wie er es nächstes Jahr tun werde.

Kirchliches Engagement lässt Zahlen steigen
Die steigende Zahl an Taufwerbern aus islamischem Kontext ist laut der Expertin vor allem dem kirchlichen Engagement in der Flüchtlingsbetreuung geschuldet. "Flüchtlinge sehen in Lagern in Jordanien oder im Libanon immer wieder, dass islamische Hilfsorganisationen vor Ort Christen von Hilfsaktionen bewusst ausschließen. Kommen sie dann nach Österreich, sind sie oft sehr überrascht, dass man sich flächendeckend um sie kümmert ohne Rücksicht auf Religion oder Herkunft." Das lasse die Frage nach den Motiven für diese bedingungslosen Hilfe aufkommen.

Der Großteil der Taufwerber mit muslimischem Hintergrund kommt aus dem Iran und Afghanistan, gefolgt von Syrern und Irakern. Die nächste größere Gruppe sind Afrikaner. Aber auch aus Europa sind viele Nationen - darunter auch Österreicher - vertreten. In der Altersstatistik ist die dominierende Gruppe mit 58 Vertretern jene zwischen 14 und 35 Jahren, bei der Geschlechterverteilung überwiegen leicht die Männer.

Intensive einjährige Vorbereitung
Der Katechumenat dauert in der Erzdiözese Wien mindestens ein Jahr. Bei der Begleitung setzen die Pfarren hauptsächlich auf Priester, Diakone und Pastoralassistenten, da Mitarbeiter ohne entsprechende Ausbildung sich oft schwer tun, manche theologischen Fragen zu beantworten. Neben regelmäßigen Treffen mit ihren Taufbegleitern ist während der einjährigen Vorbereitungszeit der sonntägliche Besuch des Gottesdienstes, ein intensives Bibellesen und die Teilnahme am Gemeindeleben vorgesehen. Wichtig ist dabei das Engagement der Gemeinden, die Menschen an ihrer Glaubenspraxis teilhaben zu lassen, um so eine gute Integration zu ermöglichen, so Dostal.

 

 

Quelle: kathpress

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