Stift Geras plant spirituellen Neustart
St. Pölten, 3.6.08 (KAP) Das Waldviertler Prämonstratenserstift Geras kann nach weitgehender Entschuldung einen Neustart in Angriff nehmen. Abt Michael Prohazka, Erzabt Edmund Wagenhofer von der Erzabtei St. Peter in Salzburg und Abt Martin Felhofer von Stift Schlägl zogen bei einer Pressekonferenz am Dienstag im Stift einen Schlussstrich unter die schwierige Vergangenheit und blickten zuversichtlich nach vorne. Erzabt Wagenhofer konnte die völlige Entschuldung des Stifts bekannt geben, Abt Felhofer betonte die positive Entwicklung der Klostergemeinschaft und der neue Geraser Abt Prohazka kündigte eine spirituelle Neuorientierung an.
Erzabt Wagenhofer hatte als Visitator fungiert; wie er sagte, sei es gelungen, die Schulden des Stifts zu tilgen, die sich auf rund 5,5 Millionen Euro beliefen. Zwei Drittel des Betrages seien durch Zuwendungen kirchlicher Institutionen wie des Prämonstratenser- und Bendiktinerordens oder der Diözese St. Pölten aufgebracht worden, das dritte Drittel habe man durch intensive Verhandlungen mit den Banken auflösen können. Seit 2007 sei Stift Geras damit schuldenfrei und ohne Belastungen. Wagenhofer: "2004 war klar, dass rasch gehandelt werden muss, sonst wäre das Stift bald zahlungsunfähig gewesen. Heute ist ein Tag zum Freuen und zum Danken. Für das Stift, aber auch für die gesamte Region".
Noch zu lösen seien die Frage der rund 3,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten für das Kloster Pernegg, das zu Geras gehört. Dabei handle es sich aber um zinsenlose Darlehen, P. Wagenhofer sowie der Provisor (Finanzverantwortliche) von Stift Geras, Andreas Hamberger, zeigten sich zuversichtlich, dass es auch hier zu einer guten Lösung kommen werde.
Mit den neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten für das Stift müsse nun aber auch eine spirituelle Neuausrichtung einhergehen, so Abt Michael Prohazka. Geras müsse wieder stärker zum spirituellen Zentrum der Region werden. Hier sei der Konvent aber erst am Anfang der Überlegungen, so Prohazka; er verwies aber auch auf Bewährtes wie die spirituelle Dimension der bekannten Fastenkurse und auf die Pflege des Erbes von Kräuterpfarrer Hermann Weidinger. Stift Geras sei als "Grenzlandkloster" früher auch für seine grenzüberschreitende Jugendarbeit bekannt gewesen. Auch das gelte es neu zu intensivieren.
Stark engagiert ist die Klostergemeinschaft auch in der Pfarrseelsorge. Hier habe man, so Prior Benedikt Felsinger, bereits vor einigen Jahren das Konzept des Pfarrverbandes in die Wege geleitet. Drei Chorherren betreuen seither vom Stift aus fünf Pfarren.
Prohazka, Felsinger und Felhofer (der drei Jahre als Administrator die Gemeinschaft von Geras geleitet hatte) sagten übereinstimmend, der Konvent sei nun gefestigt und auf dem besten Weg, wieder zu einer guten Gemeinschaft zu werden. Das sei auch die Voraussetzung dafür gewesen, so Felhofer, dass im vergangenen September überhaupt eine Abtwahl angesetzt werden konnte, aus der dann mit großer Einhelligkeit Prohazka als neuer Abt hervorging.
Insgesamt umfasst die Gemeinschaft der Chorherren von Stift Geras rund 50 Personen. Allerding leben nur sechs davon ständig im Kloster. Rund zehn leben in den Pfarren rund um das Stift, die anderen verteilen sich auf Niederlassungen des Stiftes in Brasilien und Deutschland.
Angesprochen auf Altabt Joachim Angerer meinten Wagenhofer und Felhofer, dass dieser Großes für das Stift und die Region geleistet habe, seine Projekte hätten aber letztlich eine Überforderung für das Stift bedeutet. Nachdem Ende 2003 bekannt geworden war, dass das Stift Geras auf einem großen Schuldenberg sitzt und es innerhalb der Klostergemeinschaft immer wieder zu Konflikten gekommen war, trat Abt Joachim Angerer zu seinem 70. Geburtstag von seinem Amt zurück. Abt Felhofer wurde zum Administrator ernannt, Erzabt Wagenhofer zum päpstlichen Visitator.
