
Sarrazin-Debatte: Faymann würdigt Rolle Schönborns
Kardinal Schönborn pflege offenen Dialog mit allen Religionen. Da gebe es keine kleinkarierten Diskussionen - etwa Islam gegen Katholiken
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Vertreter der Religionsgemeinschaften bei Kanzler Faymann |
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Wien, 01.09.2010 (KAP) Bundeskanzler Werner Faymann hat sich in einem Interview für die Tageszeitung "Die Presse" von den Thesen des sozialdemokratischen deutschen Bankers Thilo Sarrazin zur Zuwanderung distanziert und gleichzeitig das Bemühen Kardinal Christoph Schönborns um christlich-islamische Verständigung gewürdigt. Die österreichische Sozialdemokratie habe zu allen Glaubensgemeinschaften Kontakt und pflege Äquidistanz, kommentierte Faymann die als antiislamisch empfundenen Aussagen des Bankers, dem nun der Parteiausschluss droht. "Besonders gut gefällt mir aber die Rolle von Kardinal Christoph Schönborn, die viel zu wenig beachtet wird", so Faymann weiter. "Er pflegt einen offenen Dialog mit den Vertretern aller Religionsgemeinschaften. Da gibt es keine kleinkarierten Diskussionen - etwa Islam gegen Katholiken."
Sarrazin hatte u. a. mit seiner These Empörung ausgelöst, dass der gesamtdeutsche Intelligenzdurchschnitt durch Zuwanderung von schlecht ausgebildeten Migranten sinke. Gerade Zuwanderern aus islamisch dominierten Ländern sprach er die Bereitschaft zur Integration ab. Aber auch seine Interview-Aussage, "alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden", trug Sarrazin heftigen Widerspruch ein.
Bundeskanzler Faymann erklärte zu möglichen Konsequenzen von Sarrazins Thesen, er "halte es für berechtigt, jemanden auszuschließen, der keine Rücksicht auf sozialdemokratische Grundwerte nimmt". Er "hasse grundsätzlich Gehässigkeiten, bei denen man fast den Eindruck hat, es könnte wieder eine arische Diskussion aufleben: Wer ist ein echter Deutscher, wer echter Österreicher?"
Befragt zur zuletzt durch Anas Schakfeh, dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft, ausgelösten Moschee-Debatte, stellte Faymann klar, man rede hier über "Bauwerke, für die es nicht einmal Einreichungen gibt". Schakfeh hatte sich langfristig ein Minarett in jeder Landeshauptstadt gewünscht. Ein Verbot für Minarette würde er nicht fordern, so Faymann.