Papst: "Herzliche Verbundenheit" zu Österreich
Wien, 11.11.05 (KAP) Der jüngste Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom habe die "Gemeinschaft und herzliche Verbundenheit zwischen Papst Benedikt XVI. und der katholischen Kirche in Österreich eindringlich unter Beweis gestellt". In einer Erklärung, die der stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Grazer Bischof Egon Kapellari, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien vorstellte, heißt es wörtlich: "Licht und Schatten in der katholischen Kirche in Österreich sind benannt worden". Der Papst habe die Bischöfe eingeladen, gemeinsam mit ihm "gelassen und zuversichtlich" die Zeichen der Zeit zu erkennen und das Evangelium "unverkürzt zu verkünden". Und bei der Generalaudienz am Mittwoch habe Benedikt XVI. "in bewegenden Worten" vor einer großen Öffentlichkeit seine besondere Verbundenheit mit Österreich bekundet und den Bischöfen, Priestern und Laien gedankt.
Die Bischöfe seien bestärkt durch den Papst aus Rom zurückgekehrt, heißt es in der Erklärung. Die großen missionarischen Aufbrüche der letzten Jahre - Wiener Stadtmission, Mitteleuropäischer Katholikentag, Initiative "Offener Himmel" in Salzburg - würden weitergeführt und vertieft werden. Es liege am "begeisterten und begeisternden" Zeugnis für Christus, jene "spirituelle Trendwende" zu mehr Glaube, Hoffnung und Liebe herbeizuführen, von der Papst Benedikt XVI. vor den Bischöfen gesprochen habe. In besonderer Weise habe der Papst den Bischöfen aber auch den Dienst an den Menschen in materieller wie geistiger Not ans Herz gelegt.
Die Einladung nach Mariazell für September 2007 habe der Papst "wohlwollend aufgenommen" und seine persönliche Beziehung mit dem mitteleuropäischen Marienheiligtum betont.
Solidarität ist "Seele" der EU
Auf die zentrale Bedeutung der Solidarität für den europäischen Integrationsprozess haben die Bischöfe in einer Erklärung anlässlich der bevorstehenden österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 hingewiesen. Die katholische Kirche begleite das Zusammenwachsen Europas "in kritischer Solidarität" und lade dazu ein, "den Blick auf Christus zu richten". Im Vertrauen auf ihn gelte es, am "Bauplatz Europa" mitzubauen. "Der Leitgedanke soll dabei die Solidarität sein, jenes Prinzip der Katholischen Soziallehre, das die 'Seele' der Europäischen Union ist", so die Bischöfe wörtlich.
Die Bischöfe fordern tätige Solidarität auch mit jenen ärmsten Ländern, deren Lebensgrundlage durch die Globalisierung bedroht ist, aber auch "aktives Umdenken in den reichen Ländern". Der unter dem österreichischen Ratsvorsitz in Wien stattfindende EU - Lateinamerikagipfel solle dafür ein konkreter Anlass sein.
Auch die ehrliche Lastenverteilung zwischen den Generationen und die "Einsicht, dass stärkere Schultern schwerere Lasten tragen sollen", müsse Ausdruck der geforderten Solidarität sein. Besondere Aufmerksamkeit verlangen die Bischöfe dabei für diejenigen, die am Rand der Gesellschaft oder in Armut leben. Eine gerechte Neuordnung der Sozialsysteme verbiete es, Lasten einseitig nur einer Generation, der jüngeren, aufzubürden. Auch "Besitzstandsdenken" sei verfehlt, so die Bischöfe.
In ihrer Erklärung wird weiters auf die große Bedeutung der Familien als "Keimzelle der Gesellschaft" hingewiesen, aus der neues Leben erwachse, das Miteinander verschiedener Generationen erprobt und zentrale Tugenden gelernt würden: Ehrfurcht vor dem Leben und dem anderen, Solidarität und Toleranz seien Werte, derer die Gesellschaft besonders bedarf.
Angesichts der gegenwärtigen Krise des "Projekts Europa" - für die Bischöfe "Ausdruck einer fehlenden gemeinsamen Vision des Zusammenlebens in Europa" - erinnerten die Bischöfe an ein Wort des in diesem Jahr verstorbenen Papstes Johannes Paul II.: "Europa, kehre du selbst um! Sei du selbst! Entdecke wieder deine Ursprünge. Belebe deine Wurzeln". In diesem Sinne möge die von den Staats- und Regierungschefs im Dezember 2004 beschlossene "Nachdenkpause über Europa" zum Nachdenken und zur Neuordnung genutzt werden. (ende)