
Bildungsexperte Luftensteiner
"Ordensschulen sind Orte der Würde"
Bildungsexperte Luftensteiner
"Ordensschulen sind Orte der Würde"
Ordensschulen sind ein wichtiges "widerständlerisches" Zeichen in einer Gesellschaft, die den Wert des Menschen immer mehr an dessen Leistung und Brauchbarkeit festmache: Das hat Rudolf Luftensteiner, Leiter des Bildungsreferats der Ordensgemeinschaften Österreich, am Mittwoch bei der derzeit in Salzburg laufenden Tagung der Schulerhalter und Direktoren katholischer AHS und BMHS dargelegt. Es brauche Bildungseinrichtungen, "in denen jeder Mensch als geliebtes Kind Gottes, Würde, Schutz und Ansehen erfährt", so Luftensteiner. Ordensschulen seien derartige Orte der Würde, des Schutzes und der Wertschätzung jedes Menschen in seiner Einzigartigkeit.
Bei der dreitägigen Tagung im Bildungszentrum St. Virgil, die unter dem Motto "Präsenzkraft als Schlüssel für Lern-Beziehungen" läuft, ermutigte der Wirtschaftstrainer Werner Rauchenwald die Schulverantwortlichen, nicht nur auf Lösungen und Ziele zu fokussieren, sondern sehr bewusst auch die Prozesse, die dorthin führen, wahrzunehmen. Er empfahl den rund 60 Teilnehmern, dabei auf Teamgeist, Stille und Präsenz zu setzen, die einen Zugang zur Intuition und somit gute Entscheidungen ermöglichten.
P. Hubert Lenz von der Hochschule Vallendar stellte in seinem Vortrag den Mensch als Beziehungswesen in den Mittelpunkt. "Wir leben davon, dass ein anderer mich bejaht", sagte der Pallotinerpater. Im christlichen Kontext sei dieser "andere" zunächst einmal immer Gott. "Diese Liebe können wir weder durch Leistung verdienen noch durch Schuld aufheben oder zerstören", so der Ordensmann. Mit seinem Sterben und Auferstehen erlöse Jesus den Menschen von einem "Kreisen um sich selbst" entlang von Beachtung, Anerkennung, Selbstbehauptung und Akzeptanz.
P. Ferdinand Karer vom Gymnasium Dachsberg berichtete über die Neu-Strukturierung des Schulalltags in der Ordensschule. In dem Gymnasium gebe es seit knapp zwei Jahren keine 50-Minuten-Einheiten mehr. Lange und kurze Einheiten wechselten einander vielmehr ab. "Die kurzen Einheiten dauern 43 Minuten, die langen Einheiten 73 Minuten und dazwischen liegt eine 'FLEX'-Zeit, in der jeder Schüler zu einem Lehrer gehen kann, der ihn mit einer persönlichen Aufgabenstellung fördern kann", erläuterte der Ordensmann. Die Schule wolle damit "vertiefen statt drüberwischen, individuelle Wahlmöglichkeiten fördern, die Übernahme von Verantwortung lehren, die Teamfähigkeit stärken und Selbstreflexion fördern".
Jochen Krautz von der Bergischen Universität Wuppertal kritisierte das aktuell gängige "technokratische Bildungssystem", das sich an der allgegenwärtigen Marktlogik orientiere und so zu Konkurrenzdruck führe. Zählen würde dabei nur das Messbare. Dieses System stehe allerdings einem von Christentum, Aufklärung und Humanismus geprägtem "personalen Menschenbild" fundamental entgegen. "Dass wir Menschen als Maschinen behandeln, ist nicht neu, aber gegen alle christlichen, humanistischen und aufgeklärten Prinzipien", so Krautz. Vor allem Ordensgemeinschaften und die Kirche sieht der Bildungsexperte deshalb in der Pflicht, hier Alternativen zu schaffen und sich gegen eine Pädagogik zu stellen, die im Kern gegen die Grundintention der Verfassung über die Würde des Menschen gerichtet sei.
P. Petrus Pilsinger, Abt des Stiftes Seitenstetten, sieht im Bildungsbereich und vor allem den Ordensschulen ein großes "Anwendungsfeld" für die Gelübde der Ordensleute. Diese müssten allerdings in die heutige Sprache buchstabiert werden. "Ordensleben hat nichts mit verschroben, weltentrückt oder sonderbarem Leben zu tun, sondern dient, genau im Gegenteil, der Verlebendigung der Gesellschaft und Kirche."
Quelle: Kathpress