
Elbs in "Vorarlberger Nachrichten"
Solidarität und Gerechtigkeit statt 1,50 Euro Stundenlohn
Elbs in "Vorarlberger Nachrichten"
Solidarität und Gerechtigkeit statt 1,50 Euro Stundenlohn
Der Vorarlberger Bischof Benno Elbs hat zu einem "Perspektivenwechsel" in der Arbeitswelt aufgerufen. Mehr Empathie und Mitgefühl für Benachteiligte und Schwache seien dringend nötig und es gelte den "Panzer sozialer Kälte" und die egoistische Ellbogen-Technik abzulegen, schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Vorarlberger Nachrichten" vom Sonntag. "Wie würde sich das gesellschaftliche Miteinander entwickeln, wenn wir uns nicht von Neid und 'ego first' leiten ließen, sondern die Bedürfnisse und die unabdingbare Würde der anderen an erster Stelle stehen würden? Würden wir dann auch Menschen zumuten, für einen Stundenlohn von 1,50 Euro zu arbeiten?", hinterfragte der Bischof.
Vor Elbs hatten kirchlicherseits bereits die Bischofskonferenz, mehrere einzelne Bischöfe und die Katholische Aktion Oberösterreich die Verordnung von Innenminister Herbert Kickl kritisiert, wonach der Stundenlohn bei so genannten "Remunerationstätigkeiten" von Asylwerbern auf maximal 1,50 Euro begrenzt werden soll. So hatte etwa der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler die Regelung als "beschämend" und als Frage des "Anstandes" bezeichnet.
Eine Gesellschaft von morgen sollte als Überschrift die Titelworte "Empathie, Mitgefühl und Solidarität" tragen, forderte Elbs. Schließlich sei es ein "Grundauftrag an uns alle, darauf zu achten, dass niemand zurückgelassen wird". In diesem Zusammenhang verwies der Bischof von Feldkirch auf das Problem der Arbeitslosigkeit und der prekären Beschäftigungen. Arbeit sei eine "Quelle der Würde", weshalb jenen Unternehmen, die den Fokus auf das Wohl und die Würde der Beschäftigten richteten, besonders dankbar sei. Elbs: "Denn nicht die Logik des Profits gibt das Maß vor, sondern Solidarität und Gerechtigkeit."
Unter Bezugnahme auf den in der vergangenen Woche begangenen "Tag der Arbeit" hob Bischof Elbs auch den Wert der Feiertage hervor, die mehr als eine "wohltuende Unterbrechung" seien. "Sie machen deutlich: Arbeit ist Lebens-Mittel, aber nicht Lebens-Mitte", so der Vorarlberger Oberhirte. Der Sonntag ermögliche einen "Perspektivenwechsel" insofern, da er Zeit für Begegnungen und Muße schaffe, der kreativen Entfaltung Raum gebe und zu Gebet und Gottesdienst einlade. "Achten wir darauf, dass uns dieser heilsame Rhythmus nicht abhanden kommt", so Elbs.
Quelle: Kathpress