
Maximilian-Aichern-Vorlesung mit Kritik am Neoliberalismus
Kritik an Auswüchsen des Neoliberalismus hat die Linzer Soziologin Karin Fischer im Rahmen der Maximilian-Aichern-Vorlesung 2019 geübt. Die an der Johannes-Kepler-Universität lehrende Wissenschaftlerin bemängelte in ihrer Gastvorlesung am Montag an der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz vor allem den zugrunde liegenden Liberalismus-Begriff, der stark und einseitig auf eine "liberalisierte" Ökonomie abstelle, kaum aber auf adäquate Freiheitsrechte aller Personen. "Freiheit fürs Kapital, nicht für Menschen", lautete dementsprechend der Titel des Vortrages Fischers "zur Aktualität und Geschichte des autoritären Neoliberalismus.
Die Soziologin gab im bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal 5 der KU Linz einen Einblick in die zentralen Motive und in die historische Entwicklung des Neoliberalismus. Die maßgeblichen Protagonisten dieser Denkrichtung - wie Friedrich August Hayek oder Milton Friedman - hätten keineswegs einfachhin die Idee eines "schwachen Staates" kultiviert, sondern die Idee eines durchaus starken Staates, der Institutionen zur Gewährleistung prosperierender Märkte und des Wettbewerbs bereitstellt.
Die nach dem Linzer Bischof der Jahre 1982 bis 2005 benannte Maximilian-Aichern-Vorlesung findet seit 2003 jährlich als Gastvorlesung an der KU Linz statt. Sie wird veranstaltet von der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft "Wirtschaft - Ethik - Gesellschaft", die damit das Anliegen eines sozial sensiblen Katholizismus, für das Bischof Aichern stets glaubwürdig und engagiert eintrat, unterstützen möchte. Das Ziel der Vorlesung ist laut der KU Linz einerseits die Auseinandersetzung mit jeweils einem inspirierenden aktuellen Ansatz der Sozial- und Wirtschaftsethik. Andererseits schlägt die Gastvorlesung eine Brücke zu den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und ihren Fragestellungen, Methoden und Erkenntnissen. Als Vortragende werden jeweils renommierte Wissenschaftler aus den Bereichen Wirtschaft, Ethik und Gesellschaftswissenschaften eingeladen.
Die Vorlesung mit Karin Fischer wird als KU-Lehrveranstaltung unter dem Titel "Neoliberale Transformation und Gegenbewegungen im globalen Süden - Theorien, Schauplätze, Alternativen" durch das Wintersemester 2019/2020 hindurch fortgesetzt.
Quelle: kathpress