
Caritas-Jubiläum in Salzburg: "100 Jahre Nächstenliebe"
Mit einem Dankgottesdienst im Salzburger Dom und einem "Tag der offenen Augen" im Bildungszentrum St. Virgil hat die Caritas der Erzdiözese Salzburg am Wochenende ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Weihbischof Hansjörg Hofer sprach vom Jubiläum als "100 Jahre tätige Nächstenliebe", Erzbischof Franz Lackner dankte beim Festakt den vielen haupt- und ehrenamtlich Engagierten und sagte: "Wichtig ist mir, dass ein größeres 'Wir' entsteht, ein Zusammenhelfen und eine solidarische Gesellschaft."
In seiner Predigt im Dom erinnerte Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich, an die Entstehungszeit der katholischen Hilfsorganisation in Salzburg. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg seien eine Zeit großer Entbehrungen und voller Not gewesen. Seither habe sich viel zum Positiven verändert, "das Miteinander hat Österreich groß gemacht". Freilich sei auch heute nicht alles perfekt, sagte Landau. Aber der Blick zurück zeige: "Wir haben die Fähigkeiten und den Mut, etwas zu gestalten", wies der Caritas-Präsident hin. "Es liegt an uns, wie die Welt aussieht."
Landau würdigte die rund 3.100 Caritas-Haussammlerinnen und -Haussammler in Salzburg als "Augen, Ohren und Hände" einer dienenden und liebenden Kirche: "Sie machen mit ihrem Einsatz deutlich: Wir reden nicht nur, wir tun und helfen."
Der Dankgottesdienst im Dom war auch der Startschuss für die Caritas-Haussammlung, die in Stadt und Land Salzburg sowie im Tiroler Unterland alljährlich im März stattfindet. Im Vorjahr wurden rund eine Million Euro gespendet. Das Geld bleibt in der Region, versicherte Johannes Dines, Direktor der Caritas Salzburg. 40 Prozent der Spenden bleiben in der jeweiligen Pfarre, 60 Prozent verwendet die Caritas für Menschen in Not in der Region. "Armut und Not kann jeden von uns treffen", so Dines. Etwa 17.000 Bewohner der Erzdiözese müssten jeden Tag überlegen, ob sie ihr Geld für Essen oder Heizen ausgeben. "Unser Ziel ist, möglichst viele Menschen durch professionelle Beratung, schnelle Hilfe und vielfältige Unterstützung einen Weg aus der Krise zu zeigen und sie bestmöglich zu begleiten", erklärte der Caritas-Direktor. Die Hilfe komme dort an, wo sie am nötigsten gebraucht wird: bei Alleinerziehenden, Schwerkranken, Familien in Krisen oder von Altersarmut Betroffenen.
Zum "Tag der offenen Augen" kamen einige Hundert Interessierte - darunter Vertreter von Kirche, Politik, Wirtschaft und den Partnerorganisationen - nach St. Virgil und bekamen Auskunft aus erster Hand über die Tätigkeitsbereiche der Hilfsorganisation. Die heuer ebenfalls 100 Jahre alten Salzburger Festspiele spendeten 100.000 Euro für das Haus Elisabeth.
Hungerkrise gab Anstoß
Präsentiert wurde auch die Festschrift "100 Jahre Caritas Salzburg", die zurück zu den Anfängen der christlich motivierten Hilfe führt: Im September 1918 kam es in Salzburg zu einer Hungerdemonstration vor dem Regierungsgebäude auf dem Mozartplatz, informierte die Caritas über die zu ihrer Gründung führenden Krise. Ein Jahr später, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, sei die Lage in der Erzdiözese nach wie vor prekär gewesen: "Frauen waren zu Witwen geworden, Kinder zu Waisen. Essen und Wohnungen waren knapp." Erzbischof Ignaz Rieder (1858-1934) gründete am 27. Dezember 1919 den "Salzburger Landesverband 'Barmherzigkeit' - Caritasverband" und setzte damit ein deutliches Zeichen der Nächstenliebe in Zeiten großer Not. Der Auftrag an die Organisation lautete: Die Arbeit des Helfens, des Sammelns und Verteilens von Lebensmitteln und Kleidung sowie die Bekämpfung der Wohnungsnot bündeln und ausbauen.
Quelle: kathpress