
Sozialethiker: Demokratisierung der Arbeitswelt käme Frauen zugute
Eine "Demokratisierung der Arbeitswelt" und eine Neuausrichtung der Wirtschaft im Sinne einer "sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit", fordert der Sozial- und Wirtschaftsethiker Markus Schlagnitweit. Auf dem Blog der Katholischen Sozialakademie verweist der Theologe und der Rektor der Linzer Ursulinenkirche auf gravierende Missstände in der Arbeitswelt, die sich in der Corona-Pandemie gezeigt hätten: So sei zwar klar geworden, welche Arbeitsplätze wirklich "systemrelevant" sind, gleichzeitig seien in diesen Jobs speziell Frauen - "trotz hoher Relevanz für eine funktionierende Gesellschaft" - schlecht entlohnt, prekär abgesichert und würden wenig soziale Anerkennung genießen. Zudem sei die Arbeitslosigkeit hoch, trotz "Homeoffice" und viel Loyalität vonseiten der Arbeitnehmer für ihre Betriebe.
Schlagnitweit verwies auf das Manifest von rund 5.500 Wissenschaftlern weltweit, in dem aus Anlass der aktuellen Misere in der Arbeitswelt Missstände im aktuellen Arbeitsmarkt anprangert werden. Unter dem Titel "Arbeit: Demokratisieren, Dekommodifizieren, nachhaltig gestalten" wird dabei gemeinsam u.a. eine humane Wirtschaft, eine sozial-ökologische Transformation und Machtverschiebung am Arbeitsmarkt gefordert (Link: https://democratizingwork.org).
Hinter den Forderungen stehe die Vorstellung, dass arbeitende Menschen "sehr viel mehr als bloße Ressourcen" seien, schrieb Schlagnitweit. Das zeigen laut dem auch von österreichischen Wissenschaftlern unterzeichneten Manifest jene Menschen, die in der Pflege von Kranken, der Lieferung von Lebensmitteln oder Medikamenten, der Abfallbeseitigung, dem Auffüllen der Regale und an den Kassen in Lebensmittelgeschäften tätig sind. "Die Menschen, die das Leben durch die COVID-19-Pandemie hindurch am Laufen halten, sind der lebende Beweis dafür, dass Arbeit nicht auf eine bloße Ware reduziert werden kann", so der Sozialexperte.
Die Sorge um die menschliche Gesundheit und die Versorgung der Schwächsten könne nicht allein von Marktkräften geregelt werden. "Sonst laufen wir Gefahr, die Ungleichheiten so weit zu verschärfen, dass wir das Leben der am stärksten benachteiligten Gruppen aufs Spiel setzen", zitierte Schlagnitweit die Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Ethik.
Als Lösung schlägt das Arbeits-Manifest die Beteiligung der Arbeitnehmer an Entscheidungen über die Entwicklung ihres Unternehmens vor. Menschen, "die tagtäglich Lebenszeit in ein Unternehmen investieren", sollen dieselben Möglichkeiten zur Mitentscheidung über haben wie die Investoren von Kapital. Mit dieser neuen strategische Ausrichtung von Arbeit und Wirtschaft könne man die "kollektive Kraft und Anstrengung" bündeln, "die wir brauchen, um unser gemeinsames Leben auf diesem Planeten zu erhalten", so die Hoffnung der Erklärung.
Als "Schwäche des Manifests" bezeichnete der Schlagnitweit, dass nichts zur "Finanzierung des massiven Engagements der öffentlichen Hand" gesagt werde. Angesichts der riesigen Summen, die jetzt seitens der Staaten zur Wiederankurbelung der Wirtschaft infolge der Pandemie-Krise aufgebracht werden, scheine die Frage nun aber "eher zweitrangig", meinte der Theologe. Trotzdem brauche es eine "umfassende solidarische Ökologisierung der Steuersysteme".
Quelle: kathpress