
Bischof Scheuer bittet um Gebet für die Kirche in Weißrussland
Der Linzer Bischof Manfred Scheuer hat zum Gebet für die Kirche in Weißrussland aufgerufen. Die Diözese Linz unterhält enge Beziehungen zu den vier Partnerdiözesen in Weißrussland und zeigt sich besorgt über die aktuell angespannte politische Lage vor Ort. Bischof Scheuer kritisierte in einer Aussendung am Freitag auch die Weigerung der belarussischen Grenzbehörden, den Minsker Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz nach Weißrussland einreisen zu lassen.
"Einem Staatsbürger die Einreise in sein Heimatland zu verwehren, ist eine schwerwiegende Verletzung des elementaren Menschenrechts der Reisefreiheit", so Bischof Scheuer. Erzbischof Kondrusiewicz sei ein langjähriger Partner des Osthilfefonds der Diözese Linz, der sich ganz in den Dienst der Seelsorge für die ihm anvertrauten Menschen stelle, so der Linzer Bischof weiter. Der Erzbischof werde gerade jetzt als Hirte und Vermittler besonders gebraucht.
Erzbischof Kondrusiewicz, der die belarussische Staatsangehörigkeit besitzt, war am vergangenen Wochenende bei der Rückkehr von einer kurzen Reise nach Polen ohne Angabe von Gründen und trotz gültiger Reisepapiere von Grenzbeamten zurückgewiesen worden. Er hatte sich kurz nach Beginn der Demonstrationen gegen die Wahlmanipulationen der belarussischen Regierung mit einem Vorschlag an die Öffentlichkeit gewandt, einen Runden Tisch einzuberufen, und jegliche Form der Gewalt verurteilt. Danach hatte er sich mit anderen kirchlichen Vertretern wiederholt in der Öffentlichkeit gezeigt, unter anderem zu Gebeten vor einem Untersuchungsgefängnis, in das verhaftete Demonstrierende eingeliefert worden waren. Zuletzt rief er zusammen mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften zum ökumenischen und interreligiösen Gebet auf.
Kondrusiewicz gilt als besonnener Kirchenmann. In Belarus, wo zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung katholisch sind, ist er seit seiner Ernennung im September 2007 Erzbischof von Minsk. Zuvor hatte er 16 Jahre lang die Erzdiözese Moskau geleitet. In einem Interview für die polnische katholische Nachrichtenagentur KAI hatte Kondrusiewicz vor wenigen Tagen betont, dass es ihm um "Dialog und Vergebung" gehe: "Weder die katholische Kirche noch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften sind in die Politik involviert. Als Katholiken orientieren wir uns an der Soziallehre der Kirche. Nach den Grundsätzen, denen auch die orthodoxe Kirche folgt, haben wir das Recht, zu bewerten, was unter moralischen Gesichtspunkten geschieht. Wir stacheln keine Menschen an, sondern fordern Zustimmung und Versöhnung."
Die Diözese Linz unterstützt in Belarus den Aufbau der katholischen Kirche seit 1991 mit dem Osthilfefonds der Diözese Linz. Gefördert werden pastorale Projekte in allen vier belarussischen katholischen Partnerdiözesen. Im August 2019 hatten Bischof Manfred Scheuer und Caritas-Direktor Franz Kehrer soziale und pastorale Projekte besucht, die von der Caritas und dem Osthilfefond der Diözese Linz unterstützt werden.
Quelle: kathpress