
Ausstellung: Maria und andere Heilige als "Systemerhalter"
"Wer in diesem Land die Arbeit macht" veranschaulicht vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie eine Ausstellung im "Quo vadis?", dem Begegnungszentrum der Ordensgemeinschaften in der Wiener Innenstadt. Der Illustrator Daniel Lienhard stellt in seinen Bildmontagen die Gottesmutter Maria und andere Heilige als "Systemerhalter" dar, zeigt sie als "Frauen und Männer in systemrelevanten Berufen - unterbezahlt und ohne Wertschätzung", wie es in einer Ankündigung heißt. Oder in scheinbar banalen Tätigkeiten, wenn er etwa die "Thronende Madonna" des italienischen Bildhauers Benedetto da Maiano aus dem Spätmittelalter in ein heutiges Umfeld montiert: Maria sitzt neben einen modernen Kinderwagen in einem öffentlichen Verkehrsmittel, auf ihrem Schoß das Jesuskind.
Als Paketzusteller neben einem gelben Kastenwagen ist der "Heilige Petrus von Alcantara" zu sehen, geschaffen von Pedro de Mena y Medrano (Barcelona, 1663-1673). Ein Christophorus aus dem 18. Jahrhundert wird zum Spargelstecher aus Bulgarien, eine heilige Katharina aus dem Hochmittelalter sitzt an der Supermarktkassa. Insgesamt zwölf solche verblüffende und zugleich demaskierende Montagen hat der in Bregenz lebende "visuelle Gestalter" Daniel Lienhard, der immer wieder Illustrationen für die Bereiche Kultur, Bildung und Religion gestaltet, dem "Quo vadis?" zur Verfügung gestellt. Entstanden sind sie bereits vor der Pandemie, wie Zentrumsleiterin Lisa Huber gegenüber Kathpress mitteilte, neu sind jedoch die humorvoll-kritischen Bildtexte des Künstlers.
Wie Lienhard zu seinen Bildmontagen kam, erzählt er in einer Online-Vernissage am Donnerstagabend, dabei lädt das "Quo vadis?"-Team auch zum Austausch über seine Arbeiten und die Frage, "wer in unserem Land die Arbeit macht". Lisa Huber dazu vorab: Die noch im ersten Lockdown beklatschten Männer und Frauen, die die Gesellschaft am Laufen halten, traten seither wieder in den Hintergrund - zu Unrecht, wie sie meint. Insofern würden die Bilder Lienhards gerade jetzt so gut passen.
Die Ausstellung mit den zwölf großformatigen Bildtafeln ist nach dem Ende des derzeitigen harten Lockdowns in Ostösterreich ab 19. April wochentags von 11 bis 16 Uhr im "Quo vadis?" (Stephansplatz 6, 1010 Wien) zu besichtigen.
(Infos zur Ausstellung und zu allen Bildern: www.quovadis.or.at/)
Quelle: kathpress