
St. Pölten: Maler Nitsch und Dommusiker Lusser auf der Domorgel
Musik und Kunst - vertreten durch den weltbekannten Maler und Aktionskünstler Hermann Nitsch - treffen einander demnächst im St. Pöltner Dom zum dreitägigen Fest der Begegnung "Orgel Plus 2020" ab 12. November. Der 83-jährige Nitsch, dessen musikalische Leidenschaft als "begeisterter Organist und Komponist" wenig bekannt ist, wird dabei gemeinsam mit Domorganist Ludwig Lusser, mit dem Domchor und Tänzerinnen zu den Themen "Kreuz - Passion - Auferstehung" ein "musikalisches Gesamtkunstwerk" erschaffen, informiert eine Ankündigung der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt" (7. November). Schauspielerin Anne Bennent wird dabei auch Texte von Hermann Nitsch lesen.
Die Veranstaltung hätte bereits im November 2020 stattfinden sollen, musste damals aber Corona-bedingt abgesagt werden.
Das Programm im Detail: Am kommenden Freitag findet ab 18 Uhr die Vernissage der Schüttbilder "Schwarze Serie" und "Auferstehungstriptychon" im Dom von St. Pölten statt, die dann bis 14. November in der Zeit von 8 bis 19 Uhr besichtigt werden können. Nach der Bennent-Lesung improvisiert Ludwig Lusser an der Domorgel. Am Sonntag, 14. November, treten ab 18 Uhr Nitsch und Lusser gemeinsam als Organisten in Erscheinung, mitwirkend am "Nitsch Orgelmysterium" werden auch der Domchor unter der Leitung von Otto Kargl und Ausdruckstanz nach der Choreographie von Renato Zanella sei. Ein für Samstag geplantes Gespräch mit Nitsch, Bischof Alois Schwarz und Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll über Passion und Auferstehung musste auch heuer abgesagt werden.
Nitsch erklärte in "Kirche bunt" über sein Orgelspiel, seine Musik wurzle "im grundsätzlich Radikalen, Exzessiven, sinnlichen Empfinden. Im Geschrei, im Jubelschrei der Auferstehung." Er sehe sich auch als "Kirchenmaler ohne Kirche". Domorganist Lusser bewundert Nitsch laut eigener Aussage bereits seit seiner Gymnasialzeit. Nach vielen Jahren habe er auch die Orgelmusik des Künstlers entdeckt, "etwas ganz Besonderes für mich". Mit seinem Mitwirken an dem geplanten "Gesamtkunstwerk" habe sich für den Kirchenmusiker ein langer Traum erfüllt.
Verhältnis Kirche-Nitsch lange nicht ungetrübt
Die Veranstaltungsreihe im kirchlichen Rahmen stellt einen neuen Akzent einer langen Konfliktgeschichte dar: Das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und dem durch sein explizit "fleischliches" Orgien-Mysterien-Theater bekannt gewordenen Hermann Nitsch war lange Zeit nicht ungetrübt. Der ehemalige "Kultur-Bischof" Egon Kapellari (Graz-Seckau) und weitere Gläubige warfen ihm immer wieder Blasphemie vor, auch Tierschützer erregen sich über den Umgang mit geschlachteten Tieren im Rahmen seiner Rituale.
Nitsch selbst wandte sich mehrfach gegen den Vorwurf von Blasphemie und vermeintlicher Opposition gegen das Christentum. "In Wahrheit war das Christentum für mich die letzte noch lebendige Religion, die mich schon als Kind zutiefst berührte und mir damit den Einstieg in den Bereich des Mythischen ermöglichte", erinnerte sich der international renommierte Weinviertler Künstler einmal in einem Interview. Das Christentum verfüge über eine Symbolsprache, die weit über seine "dogmatische Enge" hinausgehe. Die Eucharistie erkenne er heute als "eines der tiefsinnigsten Mysterien, die Religionen je hervorgebracht haben", so Nitsch: "Mein Herz gehört der sinnlichen Wahrhaftigkeit, Üppigkeit des Katholizismus, und ich liebe die katholische Tradition, die leider durch die Schuld der Kirche museal geworden ist."
(Info und Tickets: www.orgelplus.at)
Quelle: kathpress