
Fairtrade-Verband fordert im Parlament wirksames Lieferkettengesetz
Für breite Unterstützung der österreichischen Politik für das bald auf EU-Ebene erwartete Lieferkettengesetz hat der Verband Fairtrade Österreich am Dienstagmorgen im Parlament geworben. Der Fairtrade-Vorstandsvorsitzende Helmut Schüller forderte anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung zum Thema Kinderrechte in Anwesenheit von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka gesetzliche Rahmenbedingungen, um ausbeuterische Kinderarbeit zu verhindern. Dazu gehöre auch ein wirksames Lieferkettengesetz.
Angaben von Fairtrade zufolge ist ausbeuterische Kinderarbeit derzeit erstmals seit 20 Jahren wieder im Steigen. Obwohl die UNO das Jahr 2021 zum Jahr der Beendigung von Kinderarbeit erklärt hatte, müssen weiterhin 152 Millionen Kinder arbeiten. Dabei verschlechtert die Corona-Pandemie die Bedingungen für Kinder weltweit zusätzlich merklich und droht, die bisher erreichten Erfolge im Kampf gegen Kinderarbeit zunichtezumachen.
Besonders in der Kakaoindustrie Westafrikas ist verstärkter Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit notwendig, erklärte Fairtrade-Geschäftsführer Hartwig Kirner. 70 Prozent des weltweit produzierten Kakaos kämen aus dieser Region, wobei einer aktuellen Studie zufolge allein in den Ländern Ghana und Elfenbeinküste mindestens 1,5 Millionen Kinder dafür arbeiten. Sie müssten "für unseren alltäglichen Genuss schuften, statt in der Schule zu sitzen", brachte es Kirner auf den Punkt.
Zu den Schalthebeln für einen Wandel gehören laut dem gemeinnützigen Verein unter anderem Kontrollen gegen Kinderarbeit, jedoch auch Kooperationen mit den Produzenten fair gehandelter Produkte und Bewusstseinsbildung in Österreich. Gerade in der Adventszeit, in der viel Schokolade gekauft und verschenkt wird, solle auf den Einkauf fair gehandelter Produkte geachtet werden, appellierte Kirner.
Fairtrade ist gemeinsam mit der Dreikönigsaktion Teil der Initiative "Kinderarbeit stoppen", die sich gegen ausbeuterische Kinderarbeit einsetzt und die Einhaltung der eigenen Standards regelmäßig von einer unabhängigen Stelle kontrollieren lässt. Dreikönigsaktions-Geschäftsführerin Sigrid Kickingereder forderte bei dem "fairen Frühstück" im Parlament, die Verantwortung für faire Produkte dürfe nicht allein bei den Konsumenten liegen. Deshalb sei es wichtig, dass Österreich mit verbindlichen Sorgfaltspflichten der EU bald nachziehe.
Nationalratspräsident Sobotka unterstützte dieses Anliegen und betonte mit Blick auf den Welttag der Kinderrechte (20. November), das Thema Kinderarbeit komme in Sitzungen des Nationalrats bereits regelmäßig zur Sprache. Deren Abschaffung sei "allen Fraktionen ein Anliegen".
Quelle: kathpress