
Grünes Licht für Kirchenentwicklungsprozess in Diözese Gurk
In der Diözese Gurk-Klagenfurt soll im ersten Quartal 2023 ein Kirchenentwicklungsprozess starten. Das hat das Bischöfliche Konsistorium bei seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Der erweiterte Vorstand des Gremiums soll bis Herbst 2022 die Rahmenbedingungen des Prozesses klären und einen entsprechenden Projektauftrag erarbeiten, teilte die Kärntner Diözese nach den Beratungen, die am Mittwoch online als Videokonferenz stattgefunden haben, mit.
In dem Entwicklungsprozess sollen laut Diözesanbischof Josef Marketz das Evangelium, die Bedürfnisse der Menschen und deren individuelle Fähigkeiten, die sie in die Kirche einbringen können, "zentrales Deutungsmuster christlichen Handelns" sein. Ziel sei es "größer zu werden im Dienen, das heißt, diakonisches Handeln soll alle Grundvollzüge der Kirche prägen", sagte der Kärntner Bischof nach Angaben des diözesanen Pressedienstes. Ebenso solle die vielgestaltige Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität in der Kirche verstärkt Resonanz erfahren und ein gemeinsames Suchen nach Gott ermöglichen.
Als zentrale Optionen für sein Wirken als Bischof nannte Marketz die Weitergabe des Glaubens in kleinen Einheiten wie Pfarren bei gleichzeitiger Nutzung von Synergien in größeren Seelsorgeräumen, die Erfahrbarkeit des Schatzes des Evangeliums in seiner Vielgestaltigkeit bei gleichzeitiger Ermöglichung von Räumen der Gotteserfahrung sowie die Bewahrung der Schöpfung. Letzteres präge als eines der großen Zukunftsthemen der Gesellschaft das Bewusstsein der Gläubigen und solle auch bei wirtschaftlichen Maßnahmen im Sinne einer regionalen und globalen Verantwortung maßgeblich sein.
Aufbauen wird der Prozess auf bisherige Entwicklungsschritte in der vor zwei Jahren begonnenen Amtszeit Marketz'. Als Beispiele nannte der Bischof die Initiierung der Neuausrichtung des Bistums und verschiedener kirchlicher Gremien, zahlreiche Arbeitskreise zu Entwicklungsthemen wie Pfarrzukunft, Berufungspastoral und Qualität der Seelsorge sowie den synodalen Prozess. Ziel des geplanten Kirchenentwicklungsprozesses sei es, "viele kleine Bäche zu einem großen Strom zusammenzufassen, damit sie nicht versickern", so der Kärntner Bischof.
Kirche vor grundlegendem Kulturwandel
Generalvikar Johann Sedlmaier nannte laut Pressedienst fünf zentrale Inhalte der Kirchenentwicklung: eine inhaltlich-pastorale Neuorientierung, die Ausrichtung kirchlichen Handelns auf die Menschen, die Stärkung von Verantwortung und Teilhabe aller Getauften am kirchlichen Handeln, die Weiterentwicklung kirchlicher Organisation und Verwaltung sowie die Sicherung des finanziellen Handlungsspielraumes. Dafür brauche es viel missionarische und visionäre Kraft, so der Generalvikar: "Dieser Prozess der Kirchenentwicklung ist als fachlicher, geistlicher und kommunikativer Prozess angelegt, dessen Dimensionen ineinander verwoben sind."
Seelsorgeamtsdirektorin Elisabeth Schneider-Brandauer sieht die Kirche in zweifacher Weise vor einem grundlegenden Kulturwandel, der einen "qualitativen Sprung" darstelle. Kirche müsse "größer und weiter werden im Dienen und gleichzeitig auch Verantwortung, Leitung und Beteiligung weiter denken". Die Gesellschaft befinde sich in einem Umbruch, der sich durch die Pandemie noch beschleunigt habe. "Kirche kann ihrem Sendungsauftrag folgen, wenn sie diese Dynamik aufnimmt und ihre Mission und ihr Kirche-Sein auf die Menschen hin ausrichtet", so die Seelsorgeamtsdirektorin.
Quelle: kathpress