
Linz: Thomas-Akademie im Zeichen von Kirchenzukunft und Ukraine
Die Zukunftsfähigkeit von Kirche und Religion stand im Mittelpunkt der diesjährigen Thomas-Akademie an der Katholischen Privat-Universität Linz (KU). Rektor Christoph Niemand konnte dazu Anna-Nicole Heinrich, Präses der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), als Vortragende begrüßen. Eingangs verlas Niemand aber eine Petition russisch-orthodoxer Priester aus Russland, in der die sofortige Beendigung des Krieges gefordert wird. Auch wenn der Krieg vielleicht weit weg vom Thema der diesjährigen Thomas-Akademie sei, so sei die zentrale Fragestellung die gleiche: "Was kann Religion, was kann Gottesrede heute bewirken - zum Trösten, zum Mut-Machen, gegen Hass und gegen Zynismus."
Für die Kirchen bestehe die Herausforderung nicht darin, Hergebrachtes zu bewahren und historische Zustände zu konservieren, sondern als Kirche in der Welt von heute und morgen weiterhin "das Evangelium zu bezeugen", so Heinrich. Dazu bedürfe es der Besinnung darauf, was Kirchen immer schon ausmachte: Gemeinschaft, Netzwerke und Beziehungen, Pluralität im religiösen Leben und auch in organisatorischen Strukturen. Ein statisches "Haus mit Turm" aus Holz, Ziegeln und Beton lasse sich bauen, aber das sei nicht "die Kirche". Gemeinschaft, soziale Beziehungen, Netzwerke als lebendige Kirche ließen sich nicht verordnen, sondern müssten zuallererst ermöglicht werden.
Kirche als sozialer Begegnungsraum
Kirche als sozialen Raum zu begreifen und zu leben erfordere, dass man Freiräume und eine einladende Atmosphäre schafft und Menschen etwas zutraut, denn: "Wo zugetraut wird, da wird vertraut." Wichtig sei auch, "dass man auch ein Trial and Error aushält" und klare Kriterien des Gelingens etabliere, so Heinrich: "Wir müssen auch schließen können." Die Ressourcen seien beschränkt und man könne nicht mehr unterschiedslos alle Bereiche abdecken.
Es gehe also auch um einen Reflexions- und Besinnungsprozess darauf, was möglich sei, um auch in Zukunft eine offene "Kirche für das Volk" zu sein. Denn angesichts der Ohnmachtserfahrungen, die man derzeit als Gesamtgesellschaften erleben - die globale Pandemie, die sich verschärfende Klimakrise, der Krieg in Europa - könne der Bericht des Evangeliums, die Bezeugung des christlichen Lebens in den und durch die Kirchen Kraft, Hoffnung und Zuversicht geben. Diese Einladung zur Teilnahme müsste von den Kirchen in der Gesellschaft hörbar bleiben.
Positiv stimmte Heinrich dabei die Erfahrung, dass sie auch in postsäkularen Segmenten der Gesellschaft, gerade in kirchenfernen Kontexten, als Christin nicht nur Akzeptanz, sondern eine besondere Resonanz, Neugierde und Wertschätzung erlebe. Kirche habe "als sozialer Begegnungsraum, als Raum der Beziehungen von Menschen und der Beziehung des Menschen mit Gott" eine Zukunft.
An der Thomas-Akademie nahmen u.a. Bischof Manfred Scheuer, Superintendent Gerold Lehner, der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) sowie Altlandeshauptmann Josef Pühringer teil.
Quelle: kathpress