
Buchautorin Schaffelhofer: Kirche muss in Frauenfrage umdenken
Ein fundamentales Umdenken beim Thema Frauen in der Katholischen Kirche und ein neues Verhältnis zwischen dem gemeinsamen Priestertum aller und dem Amtspriestertum hält die frühere Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, für die Zukunft der Kirche unerlässlich. "Getrieben von einer großen Sorge um die Kirche" analysiert Schaffelhofer in ihrem jüngsten Buch "Werft die Fesseln ab - Kirche neu denken" die Stärken und Schwächen der Kirche. Im Interview mit dem "Kärntner Sonntag" (aktuelle Ausgabe) nimmt sie dazu Stellung.
Immer mehr Menschen gehen laut Schaffelhofer in die innere Emigration. "Vielleicht sind sie bei der Kirche noch dabei, aber Kirche sagt ihnen nichts mehr und bietet ihnen keine Orientierung". Man spüre, dass die Kirche ein fundamentales Glaubwürdigkeitsproblem hat, "die Menschen deswegen diese Kirche fast nicht mehr ernst nehmen und in ihr Leben hineinlassen".
Die Kirche könne freilich ihre Glaubwürdigkeit nicht durch Anbiederung an den Mainstream zurückerhalten. Sie müsse vielmehr "wirklich herausschälen, was die Botschaft Gottes an uns ist. Da muss sie ein klares Wort sprechen, das auch für die Menschen Orientierung ist."
Sie halte ein System, das die zentrale Verantwortung auf die Schultern des Priesters legt, für eine Überforderung. Diesem Anspruch könne ein einzelner Mensch nie gerecht werden. Man dürfe sich daher nicht wundern, "wenn Priester zunehmend ausgebrannt sind". Dazu komme, "dass sie in ihrer Ausbildung im Seminar auf ein klerikales Stockerl gehoben werden". Sie müsse in dieser Hinsicht aber auch die Laien in die Pflicht nehmen, so Schaffelhofer, "weil wir nur allzu gerne die Verantwortlichkeiten auf den Pfarrer abschieben, statt unser gemeinsames Priestertum einzubringen".
Das Verhältnis zwischen dem gemeinsamen Priestertum aller und dem Amtspriestertum müsse neu definiert werden. In der Bibel sei Berufung immer ein Dienst "und nicht das Privileg, zu einem bestimmten Stand zu gehören", so die frühere KA-Präsidentin: "Berufung ist ganz radikal gedacht der Zugriff Gottes auf einen Menschen, der sich vollkommen in den Dienst der Gemeinde stellt."
Zölibat ist keine Glaubenswahrheit
Kein gutes Haar lässt Schaffelhofer einmal mehr am Pflichtzölibat: "Der Zölibat war ein enormes Unterscheidungsmerkmal gegenüber den normalen Menschen." Aber der Zölibat sei keine Glaubenswahrheit, "sondern eine Verhaltensvorschrift der Kirche ohne theologischen oder gar biblischen Grund. Wie lieblos in der Kirche bis in die jüngste Zeit mit Priestern umgegangen wurde, die den Zölibat nicht leben konnten, gehört zu den großen Ungerechtigkeiten. Ganz zu schweigen vom Umgang mit den betroffenen Frauen."
Angesprochen auf den Befund des Pastoraltheologen Prof. Paul Zulehner, dass der Kirche vor allem die jungen Frauen massiv abhandenkommen, meinte Schaffelhofer zu den Folgen, dass dann in der Kindererziehung Kirche und oft auch der Glaube keine Rolle mehr spielten. Letztlich werde dann in der Familie Glaube nicht mehr gelebt. Und das sei für die Zukunft der Kirche eine Katastrophe.
Eine Ursache liege darin, "dass sich die Kirche beim Thema Frauen von Jesus weit entfernt hat". Jesus sei für seine Zeit geradezu provokant im Umgang mit Frauen gewesen. Auch in der Urkirche hätten Frauen einen großen Einfluss gehabt. Erst im Laufe der späteren Jahrhunderte sei der Bruch gekommen. "Die Frau als Mängelwesen darzustellen, hat sich vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert gehalten." Erst der Konzilspapst Johannes XXIII. habe festgehalten, dass nicht das Geschlecht, sondern der Glaube entscheidend sei, so Schaffelhofer: "Das muss sich endlich in der Kirche durchsetzen. Nach Johannes XXIII. ist dieses Bewusstsein leider verebbt."
Kein Grund gegen Priesterweihe der Frau
Sie sehe auch keinen Grund, der gegen die Priesterweihe der Frau spricht, so Schaffelhofer. Ob die Frauen sich aber so sehr darum bemühen sollen, "ist eine andere Frage", fügte sie hinzu: "Ich würde lieber das gemeinsame Priestertum betonen. Solange es aber das Amtspriestertum gibt, müssen sich Frauen darum bemühen, weil es keinen Ausschließungsgrund gibt. Aber ob alle Priester werden müssen, stelle ich infrage. Es gibt viele andere Formen."
Die neue Kurienreform von Papst Franziskus stimme sie diesbezüglich hoffnungsfroh. Erstmals könnten auch nicht geweihte Personen die vatikanischen Dikasterien leiten. Schaffelhofer: "Das heißt, jeder Laie und jede Frau kann die Leitungsfunktion einnehmen. Man trennt also das Weiheamt vom Leitungsamt." Das wünsche sie sich auch für Diözesen und Pfarren. "Es muss ja nicht immer der Priester der Leiter einer Pfarre sein. Der Priester wird immer das Messopfer feiern müssen. Aber die Letztverantwortung muss nicht immer beim Kleriker liegen."
Aufgabe leibfeindlicher Sexualmoral
Sie wünsche sich, so Schaffelhofer abschließend, "dass diese Kirche wieder eine Bewegung des Volkes Gottes wird, wo die Verkündigung des Wortes Gottes gelebt wird. Dazu gehört natürlich auch, dass alle gleichwertig und von gleicher Würde sind." Sie wünsche sich aber auch, "dass sich die Kirche zu ihren Irrwegen - wie etwa in der leibfeindlichen Sexualmoral - bekennt und diese aufgibt". Sie träume von einer Kirche, "die sich wieder zur Frohen Botschaft von einem barmherzigen Gott bekennt, der das Heil aller Menschen will". "Werft die Fesseln ab! Kirche neu denken" von Gerda Schaffelhofer ist im VGN-Buch-Verlag erschienen. Das in der "NEWS"-Verlagsgruppe herausgegebene Buch hat 192 Seiten und kostet 19,90 Euro.
Quelle: kathpress