
"Diagonale" im "Kultum" Graz: Diskussion zu "Jugend ohne Gott"
Das am Dienstag mit dem Streifen "Sonne" von Kurdwin Ayub eröffnete Filmfestival "Diagonale" hat auch einen kirchlichen Schauplatz: Die aus dem Irak stammende und in Wien lebende Regisseurin, deren Film schon bei der Berlinale als bester Debütfilm ausgezeichnet wurde, ist im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung am kommenden Freitag, 8. April, im Grazer Kulturzentrum bei den Minoriten ("Kultum") zu Gast. Sie diskutiert mit Regie-Kollegin Cristina Zerr, dem Politikwissenschafter Christoph Novak und der Wiener Theologin Regina Polak über das Thema "Jugend ohne Gott. Identitätssuche on- und offline", wie Johannes Rauchenberger, Leiter des kirchlichen Kulturmehrspartenhauses, am Dienstag gegenüber Kathpress ankündigte.
Bei der Diskussion soll es um folgende Fragen gehen: Wie bildet sich religiöses Leben von jungen Menschen ab? Wieviel davon ist online, was (noch) offline? Annäherungen dazu - wenn auch "auf höchst unterschiedliche Weise" - böten sowohl Kurdwin Ayubs "Sonne" als auch "Der stille Sturm" von Cristina Zerr; beide Filme, die ihre Österreichpremiere im Rahmen der Diagonale feiern, spielen mit der Ästhetik und den Formaten von Gegenwartsmedien. Pastoraltheologin Polak forscht seit Jahren zu Religion, Migration und Urbanisierung und zu Werten in Österreich. Novak, Projektmitarbeiter in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, wird im "Kultum" auf die Plattform "YouBeOn" (Young Believers Online) eingehen, ein Forschungsprojekt, das gemeinsam mit jungen religiösen Menschen erkundet, wie sich Religion auf sozialen Medien wie Instagram heute abspielt.
Zum Eröffnungsfilm teilte die Festivalleitung der Diagonale mit, "Sonne" mit Ayubs "ästhetisch waghalsigen Manövern", ihrem Humor und ihr Sprachgefühl für den Jargon der Jugend stelle eine "mögliche Zäsur im (jungen) österreichischen Kino" dar. Im Film tanzen und singen die drei Musliminnen Yesmin, Bella und Nati in Hijabs zum Pop-Klassiker "Losing My Religion"; ihre Performance lässt sie zu YouTube-Stars werden. Die jungen Frauen werden beliebte Gäste bei Festen religiöser Gemeinschaften, vor allem bei kurdischen Muslimen. Während sich die Kurdin Yasmin von ihrer Kultur distanziert, zieht genau diese ihre beiden Freundinnen in den Bann: Die Ankündigung begründet dies mit der "Faszination für eine ihnen fremde Welt".
In "Der stille Sturm" wird das burgenländische Dorf Jabing zur "kleinen Welt, in der die große ihre Probe hält". Die Migrationsgeschichte und Gedanken der 93-jährigen Großmutter Fannie verbinden sich im Film mit dem Engagement ihres Enkels Jakob für Flüchtende auf der Sea-Watch 4. Der Film von Cristina Zerr wird im Rahmen der Diagonale am 8. April um 20:30 Uhr im Grazer Annenhof-Kino gezeigt.
Das "Kultum" scheint auch in der Liste jener Institutionen auf, die bei der Diagonale einen Preis ausloben: Für den besten Kurzdokumentarfilm stiftet das Zentrum für Gegenwart, Kunst und Religion 4.000 Euro. (Info: www.kultum.at)
Quelle: kathpress