
Bischof: Auch im Kongo müssen Frauen in der Kirche gestärkt werden
Auch in der Demokratischen Republik Kongo müssen die Rechte und Möglichkeiten der Frauen in der Katholischen Kirche gestärkt werden. Das betont Bischof Toussaint Iluku Bolumbu aus der Salzburger Partnerdiözese Bokungu-Ikela in der Demokratischen Republik Kongo in der aktuellen Ausgabe des Salzburger "Rupertusblattes". Die Motivation für den Synodalen Prozess in seiner Diözese sei hoch, die Vorausssetzungen zur Durchführung des Prozesses mit Europa aber nicht vergleichbar. Die im Urwald gelegenen und schwer zugänglichen Pfarren hätten kein Internet. "Das Funkgerät ist die verlässlichste Verbindung", so Bischof Bolumbu. Dementsprechend aufwendig sei es gewesen, möglichst jeden Winkel der Diözese zu erreichen. "Wir mussten alle Unterlagen drucken, kopieren und verteilen."
Eine wichtige Rolle spielten dabei die 360 Katechisten. Sie waren es auch, die bei den Treffen in den Gemeinden die oft mündlichen Stellungnahmen aufschrieben. Diese einzelnen Berichte gingen zum Pfarrer und von dort zum Bischof. Wie in der Erzdiözese Salzburg verfasste dann ein Redaktionsteam oder eine Kommission, wie es in Bokungu-Ikela hieß, eine Synthese. "Nur dass wir im Kongo 47 Diözesen und damit 47 Dokumente haben, aus denen am Ende eines entstehen soll", so Bischof Bolumbu.
Frauen mehr Platz geben
"Wir sind eine junge Kirche mit vielen Herausforderungen. Damit alle teilhaben können, muss Kirche zur Familie Gottes werden", betonte der Bischof: "Wir sind alle getaufte Christen. Wir haben alle eine Sendung." Ihm gehe es darum, die Laien einzuladen, Verantwortung zu übernehmen. Dabei verstehe er sich auf einer Linie mit den Gläubigen seiner Diözese: "Mehr Teilhabe und mehr Mitbestimmung. Das war bei den Befragungen oft zu hören."
Er habe als Bischof auch bereits darauf reagiert. So waren früher in der Wirtschaftskommission drei Priester und nur ein Laie vertreten. Jetzt habe sich das Verhältnis umgedreht. Gerne, so der Bischof, hätte er mehr Frauen eingebunden. "Die kongolesischen Frauen tragen die Last der ganzen Familie. Wir müssen ihnen mehr Platz geben, und zwar in Gesellschaft wie Kirche." Unter den 360 Katechisten seien zum Beispiel nur zwei Frauen. "Das muss sich ändern."
In der Liturgie sehe er ebenfalls Möglichkeiten. "Frauen können ja seit dem Vorjahr ganz offiziell den Lektoren- und Akolythendienst ausüben", so Bolumbu. Er sprach freilich auch an, was die Voraussetzung dafür ist: Bildung. Die Alphabetisierung der Frauen und die Schulbildung der Kinder seien deshalb in seinem Fünf-Jahresplan (2022 -2026) neben Evangelisierung und Pastoral, dem Gesundheitswesen und der wirtschaftlichen Entwicklung fest verankert.
Konkret plant der Bischof den Bau zweier Schulen. "Der Staat macht überhaupt nichts. Zwar sind die Schulen jetzt für alle Kinder gratis, doch es gibt zu wenig Platz und es fehlen Lehrerinnen und Lehrer", so Bischof Bolumbu. Wann die ersten Kinder in den Klassenzimmern der neuen kirchlichen Schule sitzen, stehe noch nicht fest. Kostenintensiv und zeitraubend sei es gerade, das notwendige Material von Kinshasa zu den Baustellen zu bringen. Bolumbu: "Wir sind komplett von der Hauptstadt abhängig."
Zu Beginn der Pandemie, als jeder Reise-und Warenverkehr zwischen Regionen verboten war, sei das fatal gewesen. Corona habe die Armut noch einmal verschärft. Die Menschen hätten ihre Waren nicht mehr verkaufen können, da keine Händler in die Dörfer kamen. Mittlerweile seien die Beschränkungen zum Glück aufgehoben und die Infektionszahlen sehr gering, berichtete der Bischof.
Über die Politik in seiner Heimat äußerte sich der Bischof besorgt. Korruption und der Kampf um Bodenschätze im Osten seien nur einige Stichworte, mit denen er die schwierige Lage andeutet. Nächstes Jahr stünden Wahlen an. "Wir sagen den Menschen, sie sollen sich ja nicht von einmaligen Wahlgeschenken blenden lassen", so Bischof Bolumbu. Den Politikern gefalle das natürlich nicht. "Mischt euch nicht ein", heiße es in Richtung der Bischöfe. Doch die würden nicht schweigen,wie Bolumbu versicherte: "Die Kirche ist die eigentliche Opposition im Land."
Zu Gast bei Erzbischof Lackner
Toussaint Iluku Bolumbu, der dem Orden der Herz-Jesu-Missionare angehört, ist seit 2019 Bischof der Salzburger Partnerdiözese Bokungu-Ikela in der Demokratischen Republik Kongo. Die Diözese ist flächenmäßig halb so groß wie Österreich. Kürzlich war er in Salzburg zu Gast, wo er u.a. auch mit Erzbischof Franz Lackner zusammentraf.
Seit mehr als 50 Jahren pflegt die Erzdiözese Salzburg Partnerschaften mit drei Diözesen auf drei Kontinenten. Neben Bokungu-Ikela sind dies Daegu (Südkorea) und San Ignacio de Velasco (Bolivien). Die Initialzündung dazu erfolgte bei der Diözesansynode 1968, bei der auf ortskirchlicher Ebene die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umgesetzt werden sollten. Ziel war es, den frischen Wind für die Ortskirche von Salzburg konkret und fruchtbar zu machen. Seither kommt es regelmäßig zu vielfältigen Begegnungs- und Austauschprojekten zwischen den Partnerdiözesen, vor allem im Bereich der Jugend- und Kulturarbeit.
Quelle: kathpress