
Kaineder nach deutschem Katholikentag: Vielfalt in Kirche stärken
Vielfalt und Diversität in der Kirche zu stärken, "im Gegensatz zur Ideologie der 'einen Stimme'", das ist nach Überzeugung von Ferdinand Kaineder, Präsident der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), das beste Rezept für die positive Zukunft der katholischen Kirche. "Die Zeit des Diskutierens über kirchliche Reformen ist meiner Meinung nach hinter uns, jetzt heißt es konkret werden", schloss er sich den Rufen nach Reformen bei dem am Sonntag zu Ende gegangenen 102. Deutschen Katholikentag in Stuttgart an. Als einer der Teilnehmenden aus Österreich verwies Kaineder am Montag in seinem Resümee gegenüber Kathpress auf bestehende Einrichtungen und Initiativen, die in einem "konstruktiven Ungehorsam" der Amtskirche gegenüber schon Zukunftsmodelle leben.
Zugleich versicherte der KAÖ-Präsident, mit den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, beim Abschlussgottesdienst "komplett einverstanden" zu sein: Der Limburger Bischof hatte dazu aufgerufen, offen für das Neue zu sein. Die Bitte an Jesus, auch in eine Zeit zu kommen, da es "die Volkskirche von ehedem in ganz Europa nicht mehr gibt", erfordert laut Kaineder, "alle einzubeziehen und teilhaben zu lassen". Es gelte, Leben zu teilen, anderen ins Gesicht zu blicken, "Verbundenheit in der Vielfalt" zu spüren. "Offen sein" werde eine zentrale Haltung werden.
Der Oberösterreicher, der gemeinsam mit den Vizepräsidentinnen Barbara Knell und Katharina Renner das Führungstrio der offiziellen katholischen Laienbewegung bildet, erinnerte auch an den Abschlussappell seines deutschen Pendants, der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, an eine zukünftige Kirche: "Verändere dich und werde wesentlich!"
Das Katholikentagsmotto "Leben teilen" sei in Stuttgart seinem Eindruck nach überzeugend aufgegangen. "Die Stimmung war offen, überall waren die Menschen miteinander im Gespräch, auch im Vorübergehen", berichtete Kaineder. Er zeigte sich beeindruckt von den topaktuellen Informationen und Diskussionen auf Podien und an Informationsständen - etwa von Bundeskanzler Olaf Scholz' Plädoyer für eine tragfähige Vernetzung aller liberaler Demokratien weltweit - und auch von "wunderbarer Musik bis in die Nacht hinein".
Katholizismus zwischen Tradition und Aufbruch
Der Katholizismus lebe in Deutschland wie auch in Österreich im Spannungsfeld von Tradition und Aufbruch. In vielen Gesprächen wurde - so der KAÖ-Präsident - "die Mutlosigkeit der Bischöfe thematisiert und auch die immer noch ausstehende Gendergerechtigkeit und der barrierefreie Zugang aller zu Kirchenämtern". Dem stünden die sozialen Angebote der Kirche positiv gegenüber, etwa durch Caritas oder Misereor. "Während die Volkskirche schrumpft, nimmt die jesuanisch-christliche Bewegung Fahrt auf", so die Beobachtung Kaineders. Eine "sozial-ökologisch-spirituelle Praxis" ziehe verstärkt in die kirchliche Kleinstruktur wie Pfarren und Verbände ein. "Kirche stirbt nicht, sie wird nur anders, das ist über die Grenzen hinweg Konsens", so Kaineder.
Dass weniger Leute zum Katholikentag kamen als erwartet, hatte laut Kaineder "nicht nur mit Covid zu tun, sondern auch mit dem Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust der Bischofs- und Amtskirche". Er kritisierte die "schleppende und nicht wirklich konsequente Aufarbeitung" der Missbrauchsfälle, die seit Jahren anstehenden Reformen und die "liturgische Männerlastigkeit", die Menschen auf Distanz bleiben lasse.
Ökologische Dringlichkeit
Am meisten berührt habe ihn beim Katholikentag ein ermutigender Abend mit dem deutschen Mediziner und TV-Star Eckart von Hirschhausen, "der ernsthaft und gleichzeitig humorvoll die Situation der Erdkruste zur Sprache brachte". Eindrucksvoll hätten danach auch junge Klimaaktivsten über ihr Engagement gesprochen und appelliert, jetzt zu handeln. "Weniger Fleisch, weniger fossile Lebensweise, weniger Auto, weniger Komfortzone und mehr Zusammenhalt, damit wirklich alle mitkommen", fasste der KAÖ-Präsident zusammen. Es gelte so zu wirtschaften, dass die nachfolgenden Generationen nicht die Schulden sowie die Folgen von Krieg und Klimawandel tragen müssen.
Insgesamt komme er positiv gestimmt von Stuttgart nach Hause, "etwas müde von den vielen und vielfältigen Eindrücken, genährt von Begegnungen und Inhalten und weiter neugierig".
Katholikentag endet mit Ruf nach Reformen
Mit Rufen nach Reformen ging der 102. Deutsche Katholikentag am Sonntag in Stuttgart zu Ende. Dabei sei es nicht nur um eine Erneuerung der Kirche in der Krise gegangen, heißt es in einer Zusammenfassung der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auch die Form des Treffens selbst stehe auf dem Prüfstand: Mit rund 27.000 war die Zahl der Teilnehmenden deutlich geringer als früher. 2018 in Münster etwa waren es über 70.000.
Angesichts der gesunkenen Teilnehmerzahl regten auch mehrere Bischöfe Änderungen an. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sagte der KNA, die Zahlen machten ihn "nachdenklich". Er zeigte sich offen für mehr gemeinsame Events von evangelischer und katholischer Kirche. Wichtig sei auch, wieder mehr junge Menschen anzusprechen, die "stärker in digitalen Formaten" unterwegs seien.
Quelle: kathpress